Workshops in Kronach
Mitreißendes Afrika-Feeling im „Struwwelpeter“
Der Jugend- und Kulturtreff „Struwwelpeter“ lud zum Interkulturellen Wochenende mit Trommel-Workshops ein.
Der Jugend- und Kulturtreff „Struwwelpeter“ lud zum Interkulturellen Wochenende mit Trommel-Workshops ein.
Foto: Heike Schülein
Kronach – Im Jugend- und Kulturtreff „Struwwelpeter“ fand ein Interkulturelles Wochenende statt. Die afrikanischen Trommel- und Dance-Workshops kamen prima an.

Schneller und schneller dröhnen die Schläge durch die Scheune am „Struwwelpeter“. Heiße Trommelrhythmen und -lwirbel sind zu hören. Ibrahima Camara ist da und hat seine Djembén und Basstrommeln mitgebracht.

In einem Workshop führt der vor Inspiration und Lebensfreude nur so strotzende Senegalese die bunt gemischte Teilnehmerschar in die Kunst des Trommelns für westafrikanische Tänze ein. Gekommen sind Menschen mit und ohne Handicap, jeden Alters und verschiedener Kulturen. Schon nach kurzer Zeit fliegen die Hände nur so über die Trommelfelle.

Mit dabei sind auch Georges Mahinou und Joachim Togni aus Benin, die vor Kurzem ihren Wohnsitz nach Stockheim verlegt haben, und denen der Rhythmus offensichtlich im Blut liegt. Die „Struwwel“-Scheune bebt unter dem Klangfeuerwerk. Was für eine Stimmung! Afrika in Kronach!

Trommeln, Tanz und Gesang

Trommeln, Tanz und Gesang – die Ansteckungsgefahr mit dem Afrika-Virus war groß am Samstag und Sonntag, nicht nur bei den Trommlern, sondern auch beim ebenso lebendigen wie intensiven Afro-Dance-Workshop mit Jennifer Hofmann auf der „Struwwel“-Wiese. Begleitet von Toumany Fofana aus Guinea auf der Trommel, brachte die aus Heidelberg stammende Ethnologin zahlreichen Tanzbegeisterten auf eine ebenso mitreißende wie einfühlsame Art vorwiegend traditionelle westafrikanische Tänze näher.

„Den Afro-Dance gibt es nicht. In Afrika wird zu jeder Gelegenheit und zu jedem Lebensereignis getanzt – und das in jeder Region anders“, erzählt die leidenschaftliche Tänzerin und Lehrerin mit Fokus auf den Tanz der Malinké (Guinea, Mali, Senegal) und Wolof (Senegal).

Die Tänzerin Jennifer Hofmann (mit weißem T-Shirt) und der Trommellehrer Ibrahima Camara (rechts) harmonierten prächtig.
Die Tänzerin Jennifer Hofmann (mit weißem T-Shirt) und der Trommellehrer Ibrahima Camara (rechts) harmonierten prächtig.
Foto: Heike Schülein

Stets ist das afrikanische Tanzerlebnis jedoch geprägt vom Klang und Rhythmus der Trommel. Die Orientierung während des Tanzens geht nach innen – eine Kraft, spürbar für jeden Menschen, der sich darauf einlässt und sich ihr öffnet.

Begonnen wurde zunächst mit einem Warm-up. Bei weiteren Übungen ging es um Isolation und Rhythmik. Dann wurden einfache Schrittkombinationen eisntudiert. Zum Ausklingen gab es ein kurzes Stretching und einen Entspannungsteil. Die Teilnehmer schafften es dabei, den Kopf „auszuschalten“, stattdessen auf den Körper und die Musik zu hören, sich einfach davon leiten und – gleich in doppelter Bedeutung – fallen zu lassen; voller Vertrauen, von der Gruppe aufgefangen zu werden. Ein echtes Gänsehaut-Erlebnis, befreiend und entspannend, heilsam und erdend!

Alternative zum Afrikafest

Die jeweils dreistündigen Workshops fanden parallel an zwei Nachmittagen statt, wobei viele Teilnehmer beide durchliefen.

Das Interkulturelle Wochenende war eine kleine corona-konforme Alternative zum Kronacher Afrikafest, das leider auch in diesem Jahr ausfallen musste. Mittels Tanz und Musik wollte man dabei zumindest ein wenig den Zauber des schwarzen Kontinents vermitteln. Eine Intention, die voll und ganz aufging.

Gleichzeitig verdeutlichten die beiden Tage aber auch, wie schmerzlich das Festival vermisst wird. So bleibt am Ende nicht „nur“ die Freude über ein wunderbar erlebnisreiches Wochenende, sondern vor allem auch die Vorfreude auf ein „richtiges“ Afrikafest im kommenden Jahr mit vielen Menschen, Kulturen, viel Bewegung, fröhlich und ausgelassen, bunt und vielfältig! Ganz sicher!

Die Teilnahme an den Workshops war dank der Förderung im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ übrigens vollkommen kostenlos.