Kreatives Regal
Stockheim hat den „Bücherstollen“
Sie freuen sich und laden dazu ein, das kostenfreie Angebot des „Bücherstollens“ im Park vor dem Rathaus anzunehmen. Von links Bürgermeister Rainer Detsch, die Erbauer Rainer Kraus und Benedikt Kraus (Enkel)
Sie freuen sich und laden dazu ein, das kostenfreie Angebot des „Bücherstollens“ im Park vor dem Rathaus anzunehmen. Von links Bürgermeister Rainer Detsch, die Erbauer Rainer Kraus und Benedikt Kraus (Enkel)
Foto: K.- H. Hofmann
Stockheim – Im Park vor dem Rathaus wurde ein Bücherschrank in Form eines Bergwerkstollens errichtet. Wer Lust zum schmökern hat, soll sich bedienen.

Für Bücherwürmer wurde in der Bergwerksgemeinde jetzt ein „Bücherstollen“ errichtet. Die Eröffnung am Freitag oblag den Erbauern und Bürgermeister Rainer Detsch. Die Familien Rainer und Oliver Kraus sind seit vielen Jahren in Stockheim ehrenamtlich in mehrfacher Weise engagiert. Die neueste Idee kam von Oliver Kraus (Sohn von Rainer Kraus), der seinem Vater vor zwei Jahren vorgeschlagen hat, einen Bücherstollen für die Gemeinde zu bauen.

Der über 80-jährige Vater Rainer Kraus sah sich mit dieser Aufgabe zunächst überfordert. Zwar ist er gelernter Schreiner, hatte aber Bedenken, denn einen Stollen hat er noch nie gebaut. Rainer Kraus gründete bereits 1964 zwar eine Unternehmensberatung, die Prozesse für Unternehmen optimiert und für viele Fragen auch eine Lösung weiß, doch noch einmal sich mit dem Schreinerhandwerk auseinandersetzen, machte ihn Sorge, auch wegen der körperlichen Anstrengung.

Sohn Oliver akzeptierte die Bedenken des Vaters und wollte sich um gebrauchte Telefonzellen bemühen, die zu Bücherschränken umgebaut werden könnten. Doch dieses Vorhaben ist fehlgeschlagen, weil ganz einfach nirgendwo mehr Telefonzellen zu haben sind. Also startete nun Oliver Kraus noch einmal einen Versuch beim sonst für jede Initiative sich kooperativ bereit zeigenden Vater. Und Rainer Kraus, der schon sein Leben lang hilfsbereit war, zeigte nun schwache Nerven und sah es als reizvolle Aufgabe für die Allgemeinheit, einen Bücherstollen zu konstruieren und zu bauen. Oliver Kraus hatte Erfolg und konnte seinem Vater überzeugen.

Eine „reizvolles“ Thema

„Irgendwie reizte mich das Thema jetzt doch und damit war ich mit den Gedanken schon mittendrin“, sagt Rainer Kraus heute schmunzelnd. Die Frage aber war zunächst die Konstruktion als solche. „In einem ausführlichen konstruktiven Gespräch mit Bürgermeister Rainer Detsch kamen wir überein, einen Stollen zu bauen, der in der Grundabmessung 1,8 mal 1,6 Meter und in der Höhe 2,2 Meter betragen soll, um einen Schrank mit zwei Metern Höhe aufnehmen zu können. Dieser Bücherstollen sollte aus drei Rundholzsegmenten bestehen. Das gesamte Material für den Stollen besorgte Bürgermeister Detsch und ließ es zu mir anliefern. Anregungen zum Bau holte ich mir direkt vom Bergwerk vor Ort als auch vom Internet. Schließlich sollte das Objekt auch grubenförmig werden.“

Mit Hilfe seines Enkelsohnes Benedikt Kraus war es dann möglich, die doch sehr schweren Elemente nach dem Zusammenbau und dem Einbau von Siebdruckplatten weiter zu bearbeiten und zu bewegen. Die Konstruktion stellte sich bei der Bearbeitung, doch als ziemlich anspruchsvoll heraus.

Nach vielen Stunden stand dann der Stollen unterm Carport im Bürogelände. Der beidseitig zugängige Bücherschrank, zwei Meter hoch, 60 auf 60 Zentimeter in der Grundfläche mit Böden zur Aufnahme von circa 200 Büchern, wurde in Angriff genommen. Herausforderung waren dabei die beiden Türen, die selbstschließend sein mussten. Auch da war bei der Bearbeitung der Enkelsohn mit etlichen Stunden beteiligt. Für den Schrank sind Leimholzplatten zum Einsatz gekommen. Zwischenzeitlich hatten die Gemeindebauhof- Mitarbeiter die Stellfläche im Fundament mit Platten belegt. Auch ein Elektroanschluss für eine Beleuchtung im Stollen wurde installiert.

Mithilfe eines Radladers der Gemeinde mit Gabelvorrichtung wurde der Bücherstollen zum Stellplatz in den Park vor dem Rathaus transportiert und dort installiert. Damit war das Kapitel nach knapp 80 ehrenamtlichen Arbeitsstunden bis auf Kleinigkeiten zunächst abgeschlossen. Ein Blechdach, zum Schutz vor Wind und Wetter wurde von Ulrich Simon aufgebaut, die Hinweisschriften „Bücherstollen“ fertigte Günther Scheler an.

Für Bürgermeister Rainer Detsch ging damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Der Schrank kann von jedermann mit Büchern gefüllt werden, die man nicht mehr braucht. Durch die Abgabe im Bücherschrank kann man anderen Menschen eine Freude machen. Wer nämlich gerne Bücher liest und nicht Bücher anschaffen will oder kann, für den wurde hier ein Platz geschaffen, an dem er sich wohl aus vielseitiger Auswahl seine Lieblingsliteratur aussuchen kann. Es ist auch daran gedacht, das gelesene Exemplar nach der Lektüre wieder zurück an seinen Platz zu bringen.

Bürgermeister Detsch zollte großen Dank und Anerkennung für diese Initiative. „Größter Respekt auch bezüglich der Qualität der Ausführung! Die Gemeinde hat sehr gerne das Material zur Verfügung gestellt in dem Wissen, dass daraus etwas Tolles und für die Allgemeinheit sozial nutzbares Projekt entsteht. Und das ist es ja auch!“, betont Bürgermeister Detsch voller Freude. Bereits jetzt ist der Bücherstollen mit über 100 Exemplaren gefüllt, vom Roman, über Kochrezepte, Pflanzenkunde, Gartenanregungen und vieles mehr.