Geschichte
Warum der Friedhof in Mitwitz nicht beliebt war
Der Mitwitzer Friedhof wurde seit 1626 mehrmals erweitert und erneuert. Unser Bild zeigt die Aussegnungshalle und den farbenprächtigen Ahornbaum.
Der Mitwitzer Friedhof wurde seit 1626 mehrmals erweitert und erneuert. Unser Bild zeigt die Aussegnungshalle und den farbenprächtigen Ahornbaum.
Foto: Friedrich Bürger
Mitwitz – Der Ausbruch der Pest führte dazu, dass ein neuer Friedhof angelegt wurde. Nicht allen gefiel das, viele wollten am alten Friedhof bestatttet werden.

Der unheilvolle Ausbruch der Pest führte im Jahre 1626 aufgrund der zahlreichen Todesfälle in Mitwitz zum Bau eines neuen Friedhofs. Ursprünglich lag der Gottesacker als Kirchhof auf der Nordseite der evangelischen Jakobskirche. Dies sollte sich nun schlagartig ändern.

So vermerkt der Chronist Andreas Dötschel in seinem Tagebuch: „Im Jahre 1626 hat es im Hirtenhaus zu Neundorf angefangen zu sterben. Ihrer aller waren es 36, die an der Pest gestorben“ Weiter berichtet der Mitwitzer Tagebuchschreiber: „Am 1. August 1626 hat man angefangen an dem neuen Gottesacker zu bauen.“

Kirchhof „ausgelagert“

Tatsächlich wurde der Kirchhof der Platznot gehorchend in kürzester Zeit „ausgelagert“ und zwar an den Rand des Dorfes in Richtung Kronach unweit des Zimmerangers, der bis Anfang des 17. Jahrhunderts von der hiesigen Herrschaft auch als Richtstätte (Galgen) gedient hatte.

Die Pläne für die Errichtung eines neuen Bestattungsorts hatte es zwar schon Jahre vorher gegeben, doch in der Bevölkerung regte sich zunächst Widerstand, denn die meisten wollten da beerdigt sein, „wo ihre Vorfahren ruhen, also um die Kirche herum“.

Ein Zeitgenosse erklärte: „Ich will bei meinen Nachbarn leben und sterben, zu dem neuen Bau will ich nicht helfen.“ Ein anderer forderte: „Wenn ich aber stürbe und auf dem Kirchhof kein Raum sei, dann soll man mich in meinem Garten begraben. Denn dort hinaus (zum neuen Platz) mag ich nicht.“

Wieder ein anderer begehrte, dass, wenn er stürbe und kein Platz um die Kirche sei, er lieber in Gestungshausen beerdigt sein wolle. Doch, wie schon erwähnt, wurde infolge der Pest eine neue Begräbnisstätte außerhalb des Ortes errichtet und die hiesigen Untertanen waren verpflichtet mitzuhelfen, „ein Mäuerlein herumzuführen“.

Die Mitwitzer Herrschaft, das war seit 1575/94 die Familie von Würtzburg, hatte ein Sonderrecht. Ihre Mitglieder durften sich, zumindest bevor Mitwitz um 1800 zu Bayern kam, im Gotteshaus daselbst bestatten lassen. Zahlreiche Grabplatten und Grabdenkmäler, die man bei einer Renovierung der Kirche 1912 an die Wände des Gotteshaus gestellt hat, zeugen noch heute von der einst besonderen Stellung der Mitwitzer Adligen.

Die Gruft für Baron Edmund von Würtzburg im Park des Oberen Schlosses.
Die Gruft für Baron Edmund von Würtzburg im Park des Oberen Schlosses.
Foto: Friedrich Bürger

Die Gruft im Park

Als der letzte männliche Nachkomme der Familie von Würtzburg, Baron Edmund von Würtzburg, im Ersten Weltkrieg in Frankreich im Jahre 1915 im Lazarett verstorben war, durfte dieser nicht mehr in der Kirche begraben werden. Deshalb wurde er von seinem Vater Ludwig Freiherr von Würtzburg nach Mitwitz überführt und in der zu diesem Zweck erbauten Grabkapelle (Gruft) im Park des Oberen Schlosses beerdigt.

Auch Freiin Anne-Marie von Cramer Klett (1910 – 1992), Ehrenbürgerin der Marktgemeinde und allgemein als die Mitwitzer Baronesse bekannt, wurde unter großer Anteilnahme der hiesigen Bevölkerung im privaten und von einem Zaun umgebenen Gelände im Oberschlosspark in der Nähe ihrer Schwester Regine beerdigt.

In oder zumindest in der Nähe der Kirche, aufgehoben in der Hand und Obhut Gottes, in der Einheit von Leben, Sterben und Tod, wollten die allermeisten Gläubigen ihre letzte Heimstatt finden – also dort beerdigt sein, wo die Vorausgegangenen der Familie oder die Vorfahren bereits ruhen.