Kommentar zur CSU
Eine strategisch clevere Entscheidung
Marco Meißner kommentiert die Entwicklung im CSU-Kreisvorstand.
Marco Meißner kommentiert die Entwicklung im CSU-Kreisvorstand.
FT
Marco Meißner von Marco Meißner Fränkischer Tag
Kronach – Warum die überraschende Wahl von Bernd Liebhardt zum Chef der Frankenwald-CSU am Ende ein Glücksgriff werden könnte.

Als Jürgen Baumgärtner 2010 an die Spitze der Frankenwald-CSU gewählt wurde, war er jung, nicht gerade jedermanns Darling, hatte Ecken und Kanten und äußerte unbequeme Vorstellungen wie der Verband sich neu aufstellen sollte. Der Erfolg über die Jahre gab ihm Recht. Umso schwieriger wirkte die Frage, wie es nach einer so markanten Person an der Spitze weitergehen sollte.

Die Spekulationen fächerten weit auf: Sollte es wieder ein Jungsporn mit frischen Ideen werden, der den Verband erneut umkrempelt? Auf alle Fälle müsste der Betreffende aber doch eine öffentlich weithin wahrnehmbare Funktion einnehmen, um nicht als kleines Licht im Schattenwurf seines Vorgängers zu erlöschen. Und am Ende könnte der Er, doch auch gut eine Sie sein, so frauennah, wie sich die Frankenwald-CSU mittlerweile gibt. Am Ende traf nichts davon zu. Ein Fehler in den Planungen des Landtagsabgeordneten und seiner Weggefährten, die doch bekannt dafür sind, parteiintern nichts dem Zufall zu überlassen? Vermutlich nicht.

Womöglich steckt hinter dem Kandidaten Bernd Liebhardt ein geschickterer Schachzug, als es nach außen erscheint. Liebhardt stammt aus der Generation Baumgärtner. Er kann also viele Entwicklungen aus den vergangenen zwölf Jahren nachvollziehen und nahtlos fortsetzen. Er ist mit seinen 45 Jahren ein erfahrener Politiker auf verschiedenen Ebenen, kennt als Jurist die bürokratischen Fallen und scheut bei der Durchsetzung von Zielen auch nicht die politische und mediale Konfrontation.

Und er wird nicht – wie die frischgebackenen CSU-Bürgermeister – durch die ersten Schritte in einem solchen Amt vom Vorsitz abgelenkt. Vielleicht schlummert für die Frankenwald-CSU in der Person Liebhardt also unerwartet viel Potenzial für einen Parteivorsitz – zumindest bis sich in einigen Jahren die jüngere Garde doch in Position bringen wird.

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