Bleiben die Ruinen?
Öffentlicher Zoff um Abriss: Eine Frage des Stils
Die alten Endres-Hallen sind derzeit Schauplatz eines kommunalpolitischen Krieges, der in aller Öffentlichkeit ausgetragen wird. Kein guter Stil, findet unsere Autorin.
Die alten Endres-Hallen sind derzeit Schauplatz eines kommunalpolitischen Krieges, der in aller Öffentlichkeit ausgetragen wird. Kein guter Stil, findet unsere Autorin.
Foto: Sandra Hackenberg
Kronach – Weil der Denkmalschutz prüfen lässt, ob die Endres-Hallen nicht doch erhaltenswert sind, ist unter den LCC-Verantwortlichen ein Kleinkrieg entbrannt.

Kronachs Hochschule soll nicht auf der grünen Wiese wachsen, sondern mitten im Herzen der Stadt. Ein erstrebenswertes Ziel, könnten mit dem wachsenden Campus doch gleich in die Jahre gekommene Gebäude aufgehübscht und eine große Menge Leerstand beseitigt werden. Der Lucas-Cranach-Campus ist ein 300-Millionen-Euro schweres Großprojekt, das für Kronach riesige Chancen, aber auch Risiken birgt.

Umso wichtiger ist es, städtebautechnisch genau abzuwägen. Wo lohnt es sich, historische Gebäude zu sanieren? Und wo hilft nur noch die Abrissbirne, um Platz für Neues zu schaffen? Für manche Projekte winken Fördermittel, doch die Zeitfenster sind nicht endlos geöffnet. Es gilt, nicht zu viel Zeit zu verlieren, aber auch nicht vorschnell abzureißen. Solche Fehler lassen sich im Nachhinein nicht mehr korrigieren – und bei allem Fortschritt soll Kronach seinen Charme behalten.

Klar, dass die Akteure des LCC nicht bei jedem Gebäude, das erworben, abgerissen oder umgebaut werden soll, einer Meinung sind. Was jedoch irritiert, ist die Tatsache, dass verschiedene Sichtweisen oder gar Meinungsverschiedenheiten nicht intern, sondern öffentlich ausgetragen werden. Von Störfeuern ist die Rede, es fallen Begriffe wie „unsolidarisch“, „hintenrum“ und „ungeheuerlich“.

Anstatt miteinander nach Lösungen zu suchen, wird lautstark mit Dreck geworfen, es kommt zu Zweckbündnissen und Einzelpersonen werden an den Pranger gestellt. Aber nur weil jemand lauter schreit als der andere, hat er noch lange nicht recht. Am Ende des Tages geht es nicht nur darum, was man erreicht, sondern auch wie. Stil hat man – oder eben nicht.