Kommentar
Fake News als Waffe gegen die lokale Presse
Für Journalisten sind die Sozialen Netzwerke mal Helfer, mal Härtefall.
Für Journalisten sind die Sozialen Netzwerke mal Helfer, mal Härtefall.
Foto: Symbolbild: Robert Günther
Kronach – Unsere Serie „75 Jahre FT“ erinnert an die heftige Debatte um einen Nationalpark für den Frankenwald. Ein Kommentar von Marco Meißner.

Was macht ein Reporter nach einem langen Abend bei einem Pressegespräch des Abgeordneten inmitten von Nationalparkgegnern? Er biegt auf der Heimfahrt in ein Schnellrestaurant ab, sucht sich ein ruhiges Plätzchen, wartet bei Pommes und Cola, bis sein „Auftraggeber“ eintrudelt. Dann wird mit dem Abgeordneten diskutiert, das Geschriebene abgeglichen und der Artikel auf den richtigen Weg gebracht. So funktioniert doch Journalismus, oder?

Das musste ich mich jedenfalls an besagtem Abend nach einer Nationalpark-Inforunde im Jahr 2017 fragen, als ich davon erfuhr, dass mich gerade jemand bei besagtem Hinterzimmer-Journalismus in Marktrodach beobachtet haben wollte (das Thema Nationalpark ist diesmal Teil unserer Serie "75 Jahre FT", siehe Link unten). Zumindest schrieb eine Teilnehmerin der Diskussion auf Facebook darüber. Und Social Media lügt doch nicht!?

Spannend war nur, dass ich zu der Zeit, als der Post veröffentlicht wurde, bereits mit meiner Frau beim späten Abendbrot auf der Terrasse saß und gerade noch meinen Bericht an unsere Onlineabteilung weitergeleitet hatte. In diesem Moment musste ich erkennen: Fake News sind kein Privileg eines Donald Trump. Es gibt sie auch im Kleinen. Selbst politisch nicht ambitionierte Menschen setzen sie ein, um Stimmung zu machen – sogar wenn sie dabei (unwissentlich) Persönlichkeitsrechte verletzen und Fakten mit Füßen treten.

Inzwischen sind solche Stimmungsmache und Diskreditierungen keine Einzelfälle mehr, auch nicht gegenüber Lokaljournalisten. Und für die Verschwörungstheoretiker gibt es am Ende nur einen Schuldigen: den Reporter, der zwar Fakten schreibt, aber aus Sicht einiger Betroffener eben die unliebsamen, die, die nicht das persönliche Weltbild untermauern. Dann helfen offenbar nur noch Fake News gegen die Presse, um deren Aussagen als Fake News abzustempeln.