Bausschuss
Kommt Burger King nach Kronach?
An der Industriestraße in Kronach auf dem ehemaligen Rewe-Gelände soll ein Burger King mit Restaurant und Drive-in entstehen. Das ehemalige Rewe- Gebäude (im Hintergrund) wird abgerissen.
An der Industriestraße in Kronach auf dem ehemaligen Rewe-Gelände soll ein Burger King mit Restaurant und Drive-in entstehen. Das ehemalige Rewe- Gebäude (im Hintergrund) wird abgerissen.
Foto: Karl-Heinz Hofmann
Kronach – Das Gremium diskutierte heftig über den Antrag der Fast-Food-Kette. Das letzte Wort hat jetzt der Stadtrat.

In der Sitzung am Donnerstag empfahl das Gremium dem Stadtrat der Stadt Kronach, das gemeindliche Einvernehmen für den Neubau eines Burger-King-Restaurants mit Drive-in im Bereich des gültigen Bebauungsplanes „Industriestraße/Teil 1“, zu erteilen. Wegen einer vor einiger Zeit für dieses Gebiet erteilten Veränderungssperre, ist der Stadtrat für eine endgültige Entscheidung zuständig.

Grundsätzlich zulässig

Stadtplaner Daniel Gerber verwies darauf, dass in diesem Jahr schon einmal ein Antrag mit Hinweis auf diese Veränderungssperre abgelehnt wurde. Allerdings machte er klar, dass es sich hierbei nicht um ein Restaurant der Burger-King-Gruppe gehandelt habe und dementierte damit entsprechende Gerüchte. Bebauungsplanrechtlich (Nutzung, Grundflächenzahl, Geschossflächenzahl) ist das Vorhaben mit circa 23 Metern Länge, 14 Metern Breite und 4,90 Metern Höhe am betreffenden Standort grundsätzlich zulässig, betonte Gerber.

Sitzungsleiterin, Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) wies in ihrem Eingangsstatement ebenfalls nochmals darauf hin, dass der Bauantrag von Burger King heute zum ersten Mal auf der Tagesordnung der Bauausschusssitzung stehe. Die baurechtliche Bewertung zeige, dass eine Zufahrt gegeben und die Infrastruktur vorhanden ist.

Es handelt sich um eine Erweiterung von Speiseangeboten für die Versorgung von Beschäftigten der Betriebe, also von mehr als 2000 Menschen allein im Industriegebiet. Außerdem befinden sich zwei Schulstandorte in unmittelbarer Nähe. Aufgrund der Lage bedeute die Ansiedlung nur bedingt einen Wettbewerb zur ortsansässigen Gastronomie in der Innenstadt, zudem entstehen circa 20 Arbeitsplätze, betonte die Rathauschefin, in ihrem Plädoyer für eine Bewilligung des Bauvorhabens. Außerdem verweist Burger King auf das Abfallmanagement (kein Plastikgeschirr) und auf die Selbstverpflichtung zur Nachhaltigkeit.

Anders sieht dies Martina Zwosta (FL). Sie äußerte Bedenken und konnte nicht nachvollziehen, dass hier die Veränderungssperre nicht mehr gelten solle. Es handle sich um ein Franchiseunternehmen, deren Arbeitnehmer nicht tarifgebundene Bezahlung erhalten. Sie räumte allerdings ein, dass es in der Frauenliste durchaus verschiedene Meinungen gebe und ihre Gegenstimme heute ihrer eigenen Meinung entspreche und sie nicht im Auftrag der FL handle.

Klaus Simon (SPD) fand es merkwürdig, dass man jetzt eine Veränderungssperre aufheben will, die der Stadtrat einstimmig beschlossen habe, schließlich hätten sich die Stadträte etwas dabei gedacht. Die Bürgermeisterin erwiderte, es handele sich nicht um eine Aufhebung, sondern um eine Ausnahme zur einst beschlossenen Veränderungssperre, zu der verkehrstechnische Überlegungen geführt haben. Diese tangieren hier, im Gegensatz zu einem vor einiger Zeit vorgelegenen Bauantrag nicht die Überlegungen.

Dritter Bürgermeister Bernd Liebhardt (CSU) stellte klar, dass der Bauantrag rechtlich legitim sei und vom Gremium nicht abgelehnt werden könne. „Wir haben nicht über gutes Essen oder gesunde Ernährung zu entscheiden, das regelt Angebot und Nachfrage“, so Liebhardt.

Er erinnerte daran, dass Kronach vor einigen Jahren schon einmal eine ähnliche Bauanfrage abgelehnt habe es und wenig später in der Nachbargemeinde verwirklicht worden sei. Diesen Fehler solle man nicht noch einmal machen. Eine derartige Einrichtung wie Burger King gehöre in die Kreisstadt. „Wir sollten uns darüber freuen in die Auswahl der Unternehmensgruppe zu kommen und nicht in provinzielle Diskussionen verfallen, sondern vielmehr mit Innovationen nach vorne blicken und die Chance ergreifen“, so Liebhardt.

Claudia Wellach (CSU) schloss sich dieser Meinung gänzlich an. Wenn die Leute so unvernünftig sind und ihren Müll wild ablagern, kann der Stadtrat nur an Vernunft appellieren aber kann nicht die Nachfrage nach irgendwelchen Angeboten verhindern.

Daniel Götz (ZKC) bestätigte, dass es baurechtlich nichts zu deuten gebe. Aber man müsse ein Zeichen gegen falsche Ernährung setzen. Es seien 14- bis 21-Jährige, die überwiegend das Angebot nutzen würden. Und weiter: „Es geht in die falsche Richtung, wenn wir glauben etwas Gutes zu tun, wenn solche Ernährung in der Nähe von Schulen angeboten wird.“

Preislich günstig

Als Gast erhielt der Vorsitzende des Jugendparlaments, Andre Emmert, das Wort. Kronach sei erst seit ein paar Wochen Hochschulstadt. Und wo man sehe, gebe es in Universitäts- und Hochschulstädten solche Angebote. „Es mag zwar nicht die gesündeste Ernährung sein“, gab er zu, „aber preislich günstig für Jugendliche. „Wenn wir das nicht wahrnehmen, wird Kronach weiter keine Jugendlichen anziehen und wird weiter an Einwohnern verlieren“, so der Jugendvertreter.

Auch Nachbar Harald Bauer, der Besitzer von Motor-Bauer erhielt als Zuhörer das Wort. Er war sauer, wenn ihm so ein Gebäude vor die Nase gesetzt werde, welches jede Menge an Geruchsbelästigung und sonstige Störungen verursache. Er sprach von einer Geschäftsbelästigung: „Ich werde der Stadt Kronach keinen Quadratmeter Grundstück mehr verkaufen, wenn dies benötigt wird“. Daniel Gerber antwortete, dass für Immissionsschutz das Landratsamt zuständig sei und auch entsprechende Prüfungen vornehmen werde.

Schließlich beschloss das Gremium, mit sechs gegen drei Stimmen, die Bürgermeisterin in der Sitzung vom 2. August, zu ermächtigen, im Falle der Zustimmung des Stadtrates eine Ausnahme von der Veränderungssperre und damit dem Bauantrag das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.

17 Bauanträge

In der Mammutsitzung lagen dem Gremium des weiteren 17 Bauanträge vor. Unter anderem ging es um einen Antrag auf Denkmalpflegerische Erlaubnis- Abbruch diverser Gebäude für die Neuerrichtung des Lucas-Cranach-Campus im Bereich des Kühnlenzhofs/Hussitengasse-Altstadt Ensemblebereich in Kronach. Gegen den Abbruch einiger historischer oder stadtgeschichtlich unwichtige Gebäude im betreffenden Bereich wurden keine Bedenken geäußert.

Einstimmig wurde auch das gemeindliche Einvernehmen dem Tekturplan für den Neubau eines Veranstaltungsgebäudes mit Küchentrakt im Kettelerhaus erteilt.

Hierzu gab es allerdings einige Anregungen des Gremiums, unter anderem wurde von Dritten Bürgermeister Liebhardt die Sicherung des Baumbestandes entlang der Schwedenstraße angeregt.