Volkshochschule
VHS Kronach muss Kompromisse eingehen
Ein Schwerpunktthema wird jüdisches Leben und seine Spuren sein. Hier ein fränkischer Judenfriedhof
Ein Schwerpunktthema wird jüdisches Leben und seine Spuren sein. Hier ein fränkischer Judenfriedhof
Foto: Roland Schönmüller/
Kronach – "Online" ist das Zauberwort im neuen Semester, in dem es u.a. um Nachhaltigkeit und jüdisches Leben geht.

Annegret Kestler, Leiterin der Kronacher Volkshochschule (VHS) sitzt vor ihrem Bildschirm, konzentriert sich, lächelt charmant. Etwas Smalltalk, dann begrüßt sie offiziell zur Video-Pressekonferenz der VHS im Jahr 2021. Sie präsentiert in ihrem Streifzug das Programm für das kommende Frühjahrs-Sommer-Semester. "Es ist alles etwas anders," meinte sie fast entschuldigend und bezieht sich auf die vergangenen Jahre, als die Vorstellung des neuen Semesters noch als Präsenzveranstaltung stattfinden konnte. Gleich geblieben ist allerdings die Begeisterung in der Stimme, die von viel Engagement und Herzblut zeugt.

Die Vorteile des Online-Lernens

Die Pandemie, die natürlich auch am Unterricht der VHS nicht spurlos vorüberging, zwinge zu Kompromissen. "Online", das neue Zauberwort, das dafür sorgen soll, bestimmte Kurse auf jeden Fall nicht ausfallen zu lassen. "Unsere Cloud (Infrastruktur für Informationstechnologie) gibt es schon länger. Wir bieten hier ein Kurs-Management-Programm, das einige Vorzüge für die Nutzer bietet wie zum Beispiel eine Dateiablage oder pädagogische Lernbausteine." Tatsächlich tauchen nach der Anmeldung der VHS-Cloud in einer Symbolleiste zusätzliche Features auf, wie etwa die Möglichkeit, ein Lerntagebuch zu führen oder eine Lernerfolgskontrolle durchzuführen. Ein Cloud-eigener Messenger sorgt dabei für Kommunkation untereinander. Und man kann hier auch sein ganz persönliches Profil erstellen, um das Programm der VHS an eigene Bedürfnisse anzupassen.

Planen in beide Richtungen

Annegret Kestler nennt als Beginn des Frühjahrs-Sommer-Semesters den 12. April. "Wir wissen noch nicht, wie viele Kurse als Präsenzveranstaltung stattfinden können, das hängt von der Situation ab." Deshalb plane man vorsichtshalber in beide Richtungen. "Wir wollen natürlich alle Möglichkeiten des neuen Hauses nutzen und sind mit den Kursleitungen in regem Gespräch." Anschließend verweist sie auf die Homepage der Kronacher VHS und auf neue, digitale Angebote. Unter anderem stehe hier das aktuelle Programmheft als Onlineausgabe zur Verfügung. Wer das Heft aber lieber in Papierform in der Hand halte, der könne sich am "stillen Zeitungsverkäufer" vor der VHS bedienen oder es sich an den bekannten Stellen holen. "Wer ständig informiert sein möchte, der kann sich natürlich auch für unseren Newsletter anmelden, bei dem er einmal monatlich alle aktuellen Infos erhält." Und Kestler stellte eine Kulanzregelung in Aussicht für Kurse, die ausfallen müssten.

"Zero Waste" gegen den Klimawandel

Im Anschluss präsentierte sie ein solides Programm, das sich zu einer gewohnten Mischung aus Bekanntem und Neuem vermengte. "Wir kümmern uns um Verbraucherfragen, die sich unter anderem mit Photovoltaikanlagen oder mit dem Klimawandel beschäftigen. Da geht es vor allem um den ,Zero Waste' (kein Verlust), also darum, nachhaltiger zu leben." Ab Mai verspricht die Leiterin ein umfangreiches Angebot für den Vormittagskurs. "Aber die Teilnehmerzahl ist dieses Mal leider begrenzt, deshalb bitten wir um Voranmeldung."

1700 Jahre jüdisches Leben

"Jüdisches Leben", oder genauer, das Bundesprogramm "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" werde ebenfalls Thema sein. "Das Judentum hat auch vor Ort eine lange Geschichte. Deshalb arbeiten wir hier eng mit dem Arbeitskreis Synagoge zusammen. Geplant sind Vorträge, Konzerte oder Halbtagesfahrten." Der Fachbereich Beruf nehme auch im Sommersemester 2021 großen Raum ein. "Fit für den Beruf" gehe in eine neue Runde. Im Fokus stehe auch hier vor allem die Digitalisierung, wie zum Beispiel die Einhaltung der Etikette bei Videokonferenzen. "Es handelt sich um Themen, die jetzt immer wichtiger wurden." Auch in den Bereichen Existenzgründung und Selbstständigkeit gäbe es gute Angebote. Mit dem Satz "Fit für den Beruf bedeutet auch fit im Beruf", schloss Annegret Kestler diesen Bereich ab.

Ein Anliegen der VHS sei es auch, sich um Frauen und ihre finanzielle Unabhängigkeit zu kümmern, verspricht sie weiter. Wie man mit dem Geld richtig umgeht und seine Finanzen regelt, werde man deshalb in Kooperation mit der Sparkasse beleuchten. Ein weiterer Vortrag im Programm VHS für Frauen soll lauten: "Schwanger - und jetzt?" Hier giehe es vorrangig um Mutterschutz und Elternzeit.

Smartphone für Einsteiger

Eine lange Liste an Kursen solle auch in diesem Semester wieder den Bildungsauftrag der VHS erfüllen. Auch die Senioren wollte man dabei im Blick behalten und biete deshalb spezielle Kurse an, etwa einen Einsteigerkurs in die Smartphone-Bedienung. Der Bereich Sprachen zeigt die gewohnte Vielfalt. Neben den "üblichen Verdächtigen" findet man auch ein Angebot, das über die reine Sprache hinausgehe. Es nenne sich "Chinesisch für den Beruf" und beziehe sich auch auf kulturelle und regionale Besonderheiten.

Ein wichtiger Aspekt sei es aber auch, sich um die Gesundheit der Menschen zu kümmern. Wer sich dafür interessiert und das Programmheft durchforstet, der könnte unter dem Angebot "Waldbaden" glatt einen Druckfehler vermuten. Doch da hat sich nichts Falsches eingeschlichen. "Waldbaden ist der bewusste, achtsame Aufenthalt im Wald, um einen guten Kontakt zur Natur zu bekommen." Wer sich darüber hinaus für Klangschalen, Yoga, Tai Chi oder Pilates interessiert, der werde natürlich ebenfalls mit passenden Angeboten versorgt. Für diejenigen, die sich mal so richtig auspowern möchten, gebe es die Möglichkeit für einen Kletterkurs. "Oder auch einem Tenniskurs. Außerdem werden wir auch Sportschießen anbieten."

Abwarten bei den Kochkursen

Beim Wechsel in den kulinarischen Bereich musste sie coronabedingt leider etwas abbremsen: "Wir hoffen, dass in den Kategorien Kochen, Backen, Essen und Genießen Kurse stattfinden können, aber das müssen wir abwarten." Ähnlich sehe es auch bei den kulturellen Angeboten aus. "Wir haben viele Veranstaltungen ausgeschrieben, wissen aber noch nicht, ob wir alles durchführen können."