Gewaltprävention
Wie man mit „Vollpfosten“ fertig wird
Ein gezielter Tritt gegen das Bein des Angreifers ist eine wirkungsvolle Waffe. Links Fred Busse.
Ein gezielter Tritt gegen das Bein des Angreifers ist eine wirkungsvolle Waffe. Links Fred Busse.
Foto: Susanne Deuerling
Steinwiesen – Ein Selbstbehauptungskurs in der Grundschule Steinwiesen sollte Selbstvertrauen schaffen.

„Starke Kinder wehren sich schon durch ihr Auftreten“ – das vermittelt Fred Busse bei einem Projekt in der Grundschule in Steinwiesen den Kindern der 4. Klasse. Nicht nur Verteidigung, sondern durch ein gesundes selbstbewusstes Auftreten erst gar nicht in gefährliche Situationen zu kommen, ist eigentlich das Ziel des Selbstehauptungskurses „Nicht mit mir“. Doch wenn man angegriffen wird, sollte man sich auch angemessen verteidigen können, auch hier gibt es bestimmte Techniken zu erlernen.

Nun fand in der Schulturnhalle die Abschlussveranstaltung, sozusagen die Prüfung statt. Leider musste sie wegen Corona unter Ausschluss der Öffentlichkeit wie Eltern, Elternbeirat und Bürgermeister stattfinden, die sonst als „Vollpfosten“ eingesetzt und von den Kindern zur Strecke gebracht wurden. So musste Fred Busse allein die Tritte, Schreie und sonstige Techniken „über sich ergehen lassen“.

Mit der Hand Bretter zertrümmert

Dass die Kinder voll motiviert waren, sah man daran, dass sie unter lautem Schreien ein Holzbrett mit der bloßen Hand durchschlagen konnten. Zusammen mit Schulleiterin und Klassenlehrerin Roswitha Zenk übergab Fred Busse die Urkunden und auch die Holzbretter an die stolzen Viertklässler. Finanziert wurde der Kurs (Kosten circa 500 Euro) zur Hälfte von der VR-Bank Oberfranken Mitte aus Steinwiesen.

Die Schwachen als Opfer

Zwar gibt es keine 100-prozentige Sicherheit gegen Gewalt. Aber man kann daran arbeiten, nicht als Opfer ausgewählt zu werden. „Diese Vollpfosten suchen sich nur Schwächere aus, an die Starken wagen sie sich nicht heran. Deshalb müsst ihr euch immer wieder sagen: ‚Wir sind keine Opfer, sondern Gegner‘“, betonte Fred Busse in seinen Ausführungen.

Das Projekt „Nicht mit mir“ ist dazu da, damit die Jungen und Mädchen Selbstvertrauen lernen, damit sie sich auch in Gefahrensituationen behaupten können und selbstbewusst auftreten. Durchgeführt wird es von der „Akademie für Selbstverteidigung und Gewaltprävention e.V. Küps“ mit Fred Busse und Heike Bittner. Das Selbstverteidigungsprojekt vermittelt Kindern im Alter zwischen sechs und 13 Jahren durch praktische Übungen und altersgerechtes Situationstraining das richtige Verhalten in Gefahrensituationen. Sie lernen, den Mut aufzubringen, „Nein“ zu sagen, wegzulaufen, Hilfe zu holen, sich Erwachsenen anzuvertrauen und ihre eigenen Schwächen und Stärken richtig einzuschätzen. Auch einige sehr effektive Selbstbehauptungstechniken werden vermittelt.

Sicherer Stand, kräftige Stimme

In acht Unterrichtseinheiten zu je zwei Schulstunden trafen sich die Kinder der vierten Klasse in der Schulturnhalle. Sie lernten, wie sie im Alltag durch selbstbewusstes Auftreten Gewalt begegnen oder noch besser sie verhindern können. Bereits der Einsatz der lauten kräftigen Stimme und ein sicherer Stand können bei Gefahr sehr wichtig sein. Dies übten die Kinder in verschiedenen Spielen wie zum Beispiel dem „Schreikreis“.

Auch bestimmte „Falltechniken“ wurden geübt, so dass die Schüler im Notfall wissen, wie sie lebenswichtige Körperstellen und Organe schützen können. Für das verletzungsfreie Fallen gilt wie so oft : „Übung macht den Meister“. Zwar lernten die Kinder mit Hilfe von Notfalltechniken, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen. Aber das Verhindern einer Gewalttat gilt dennoch als oberstes Gebot. Hier trainierten die Jungen und Mädchen zusammen mit Fred Busse und Heike Bittner Lösetechniken gegen das Festhalten, um im Notfall wegrennen und Hilfe holen zu können.