Lebenswege
Beim Heimatbesuch wird „Nordhalmerisch gred“!
Heimatbesuch in Nordhalben: Pia Köstner (links) lebt und unterrichtet in New Orleans (Louisiana, USA), Monika Gibson war bis 2020 Erzieherin in Owosso (Michigan, USA).
Heimatbesuch in Nordhalben: Pia Köstner (links) lebt und unterrichtet in New Orleans (Louisiana, USA), Monika Gibson war bis 2020 Erzieherin in Owosso (Michigan, USA).
Foto: Norbert Neugebauer
Nordhalben – Pia Köstner und Monika Gibson, zwei aus Nordhalben stammende Pädagoginnen, die in den USA leben, trafen sich beim Urlaub in ihrem Heimatort.

Pia Köstner und Monika Gibson tauschten sich bei ihrem Heimatbesuch über ihren Werdegang aus. Die eine ging als Au-pair-Girl in den Süden der USA und lehrt heute an den Universitäten in New Orleans (Louisiana) Deutsch und Englisch. Die andere arbeitete 20 Jahre lang als Erzieherin – geografisch entgegengesetzt im Norden – in Owosso (Michigan) an der Grenze zu Kanada. Beide haben nach wie vor die deutsche Staatsangehörigkeit, und sie haben auch noch Elternteile und Verwandtschaft in Nordhalben und kommen daher regelmäßig zum Heimatbesuch. Im Sommer treffen sie auch öfters aufeinander. Und dann wird natürlich „Nordhalmerisch gred“.

In die „weite Welt“ hinaus

Pia Köstner, Jahrgang 1971, ergriff schon nach der Hauswirtschaftsschule die Gelegenheit, als Au-pair-Kindermädchen die „weite Welt“ kennenzulernen: 1991 landete sie bei einem Ehepaar in der US-Südstaaten-Metropole New Orleans. Ihr gefiel es in der Stadt am Mississippi mit ihrem Flair, ihrer Musik und dem subtropischen Klima, und sie schrieb sich an der Universität ein. Nach dem Abschluss in „Masters of English“ unterrichtete sie zunächst an der University of New Orleans und wechselte 2019 hauptamtlich als „Professor of Practice“ an die benachbarte Tulane-Universität. Ihr Haus, das sie mittlerweile erworben hatte, erlitt bei der „Katrina“-Katastrophe 2005 einen größeren Wasserschaden. Köstner war allerdings vorher evakuiert worden und musste danach ein halbes Jahr in Salt Lake City ausharren. Covid-19 führte dazu, dass sie 2020 erneut ins „Exil“, diesmal in heimische Gefilde, gehen musste. Ihr Unterricht fand online statt, das Frühjahrssemester 2021 war dann wieder in Präsenz in New Orleans.

„Die Möglichkeiten für meinen beruflichen Werdegang, die ich in den USA nutzen konnte, hätte ich in Deutschland nie gehabt. Es geht vieles leichter, auch was behördliche Belange betrifft“, nennt Köstner einen großen Unterschied zu ihrem Heimatland. „Andererseits müssen sich die Menschen aber auch viel mehr um ihre Angelegenheiten wie soziale Absicherung kümmern, und das Risiko eines finanziellen Absturzes ist wesentlich größer.“

„Nordhalmer Broutwörscht“

Monika Gibson, Jahrgang 1957, arbeitete nach ihrer Ausbildung 13 Jahre im Internat für Gehör- und Sprachbehinderte in Bamberg. Dort war damals ihr Mann, ein amerikanischer Soldat, stationiert. Nach der Heirat blieb das Paar im Raum Bamberg und bekam drei Kinder. Der Wechsel im Jahr 2000 in den Heimatort des Gatten war eigentlich nicht eingeplant, und die Nordhalbenerin stimmte nach längerem Ringen erst zu, als ein Haus gekauft und eine katholische Privatschule gefunden war. In der 15 000 Einwohner zählenden Stadt Owosso fühlt sie sich gut aufgenommen. Es leben auch andere Deutsche dort, mit denen sie sich trifft, dazu spielt Gibson seit Jahren Gitarre in einer Bluegrass-Band.

Zunächst arbeitete sie als ehrenamtliche Volontärin in der Schule mit. Dann erhielt sie eine feste Anstellung bei einer Lebenshilfe-Einrichtung für Schwerbehinderte im Wohnort, wo sie bis 2020 angestellt war. Jetzt kann sie ihre Rente genießen, die drei Söhne sind längst aus dem Haus. 2019, zum 90. Geburtstag ihrer Mutter Anni Wachter, war die ganze Familie nach Nordhalben angereist. Eine ständige Verbindung zur Heimat besteht in täglichen Videokonferenzen. 2018 fand eine gegenseitige Ausstellung zwischen der Nordhalbener Grundschule und der Elementary School von Frankenmuth (Michigan) statt. Dazu organisierte das frühere „Klöppelmädchen“ dort eine Spitzenausstellung. Und dank eines Rezepts des inzwischen verstorbenen Nordhalbener Metzgermeisters Heinz Lautenschläger werden nun in Frankenmuth „Nordhalmer Broutwörscht“ gemacht.

Auf markante Unterschiede zu Deutschland angesprochen, nennt Gibson das Schul- und Ausbildungssystem. Die öffentlichen Schulen sind aus ihrer Sicht problematisch und bieten nur eine dürftige Lehrbasis. Daher gingen ihre Kinder auf eine private Grundschule, was mit erheblichen Gebühren verbunden war. Auch studieren ist in den USA mit enorm hohen Kosten verbunden und steht oft in keinem Verhältnis zu den späteren Verdienstmöglichkeiten.

„Neben den Lieben zu Hause vermisse ich vor allem unsere Höhen und Täler“, bekennt die Frankenwäldlerin. Das „Land an den großen Seen“, ihre zweite Heimat Michigan, ist nur flach.

Lagebericht nach dem Hurrikan „Ida“

Pia Köstner lehrt an der Tulane-Universität in New Orleans, das von dem Hurrikan „Ida“ getroffen wurde. Köstners Wohnhaus wurde durch den schweren Sturm möglicherweise nur leicht beschädigt und sie ist wohlauf. Sie schildert die Nacht wie folgt: „Das ganze zweistöckige Gebäude hat gewackelt, es hat sich angehört, als wenn ein Zug auf uns zurast. Es steht aber noch, und uns ist nichts passiert. Vielleicht fehlen ein paar Ziegel, das müssen wir später sehen. Die Dämme und Fluttore, die nach „Katrina“ verstärkt wurden, haben offensichtlich gehalten, sonst hätte es das gleiche Desaster mit einer Überflutung der Stadt gegeben. Dass der Strom durch die Havarie der wohl einzigen Hauptleitung ausgefallen ist, ist ein Riesenproblem, mindestens für Tage, vielleicht auch für Wochen. Die Unis und Schulen sind geschlossen, ohne Strom geht da auch nichts. Und die Supermärkte und Geschäfte sind zu. Wir haben genug zu essen, aber da die Kühlung nicht funktioniert, wird das längerfristig schwierig. Es hat 32 Grad im Schatten und es ist extrem schwülwarm nach dem vielen Regen.“