Mysteriöser Unfall
Auto in Badesee: Viele Fragen offen
Wie kam der Seat in die Kieswäsch und vor allem warum? Das muss die Kripo Bayreuth nun klären. Foto: News5/Fricke
Wie kam der Seat in die Kieswäsch und vor allem warum? Das muss die Kripo Bayreuth nun klären.
Foto: News5/Fricke
Kulmbach – Nachdem ein Pkw in einem Kulmbacher Badesee untergegangen ist, ermittelt die Polizei weiter. Wem gehört das Fahrzeug - und wer hat es gesteuert?

Noch immer ist nicht restlos geklärt, was sich in der Nacht zum Sonntag an der Kieswäsch in der Mainaue abgespielt hat. Wie berichtet, war in den Morgenstunden ein Auto im Badesee entdeckt worden. Spuren deuteten auf einen Unfall hin. Vom Fahrer und möglichen weiteren Fahrzeuginsassen fehlte jede Spur.

Die Polizei hat zwar den Halter des Seat ermitteln können, der den hellen Seat in der Nacht zum Sonntag als gestohlen gemeldet hatte. Noch immer aber gibt es, so eine Sprecherin es Polizeipräsidiums Bayreuth, keine Erkenntnisse zum Unfallhergang und zum Fahrer. Die Auswertung der Spurensicherung laufe derzeit noch. 

Die bislang einzig bekannten Tatsachen sind: Ein Auto lag im Wasser, es wurde geborgen, und vom Fahrer fehlte am Sonntag auch nach einer umfangreichen Suche im und um den Badesee jede Spur.

Die Gerüchteküche brodelt

Der Halter des Wagens mit Kulmbacher Zulassung ist der Polizei freilich bekannt, denn die Kennzeichen wurden an der Unfallstelle gefunden - das vordere lag wohl durch den Aufprall abgerissen auf dem Uferweg. Aber ist der Halter identisch mit dem Fahrer? "Das ist die große Frage: Wer hat das Auto gesteuert?", sagt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, Matthias Potzel, auf Nachfrage der Bayerischen Rundschau.

Und viel mehr möchte er mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungen auch gar nicht mehr sagen. Nur einem Gerücht erteilt er ganz klar eine Absage: So wird mittlerweile erzählt, dass das Auto gestohlen wurde und es bereits eine Verhaftung gegeben habe. Einen Diebstahl schließt die Polizei nicht aus - in diese Richtung werde natürlich auch ermittelt - aber eine Verhaftung habe es definitiv nicht gegeben, so Potzel.

Mit Vorgeschichte

Merkwürdig sind auch die weiteren Umstände des Falls, der von der Kripo Bayreuth bearbeitet wird. So hat es eine nächtliche Vorgeschichte, einen Hinweis auf ein mögliches Unfallgeschehen gegeben, das bestätigte die Polizei bereits am Sonntag, hüllte sich über Details dazu aber auch am Montag in Schweigen.

Polizeibeamte sind daraufhin zur Kieswäsch gefahren und haben das abgerissene Kennzeichen auf dem Weg liegend gefunden. Als sie dann auch noch umgedrückte Sträucher und einen Ölfilm auf dem Wasser entdeckten, wurde die Alarmierungskette in Gang gesetzt - mit etwas zeitlicher Verzögerung allerdings. "Wir mussten auf Tageslicht warten", sagt dazu der Pressesprecher der Polizei .

Um 9.55 Uhr ging die Alarmierung bei der Kulmbacher Feuerwehr ein, wie Stadtbrandmeister Michael Weich berichtet. Taucher der Wasserrettung des BRK hatten zusammen mit Kräften der Feuerwehr Mainleus, die vom Boot aus mit Stangen den Seegrund absuchten, das Fahrzeug etwa fünf Meter vom Ufer entfernt entdeckt.

Es war komplett versunken. In diesem Bereich ist laut Michael Weich ein Steilufer. Nachdem die BRK-Taucher das Abschleppseil befestigt hatten, wurde der Wagen mittels Seilwinde des Kulmbacher Rüstwagens ans Ufer gezogen.

Gestürzt oder geschoben?

Wie genau der Seat ins Wasser kam, ist ebenfalls nach wie vor unklar. Fest steht bislang nur, dass das Auto zuerst an einen kleinen Baum, eine Uferweide, gekracht ist - daher stammen wohl auch die Schäden an der Front. "Was danach passiert ist, weiß kein Mensch", so Michael Weich.

Ob das Auto sich durch den Aufprall etwa um 180 Grad gedreht und rückwärts in den See gestürzt ist oder vielleicht sogar geschoben wurde, wie und wann der Fahrer aus dem Seat kam - alles Fragen, die die Kriminaltechniker und Ermittler der Kripo nun klären müssen.

Derzeit werden alle Spuren untersucht. Wie lange die Ermittlungen noch dauern und wann weitere Erkenntnisse bekannt gegeben werden, konnte Polizeisprecher Matthias Potzel gestern nicht sagen.

Keine öffentliche Straße

Die Straße, auf der das Auto zur Unfallstelle gelangte, kommt vom alten Kieswerk her und ist für den öffentlichen Durchgangsverkehr gesperrt. Fahren dürfen auf dem Rad- und Fußweg nur Landwirte, Fischereiberechtigte und Anlieger des Oberauhofs.

Die Öl-Saugsperre bleibt vorsorglich bis Ende Oktober im Wasser und entlang des Schilfgürtels. Foto: Christine Fischer
Die Öl-Saugsperre bleibt vorsorglich bis Ende Oktober im Wasser und entlang des Schilfgürtels.
Foto: Christine Fischer

Da aus dem Seat Öl ausgelaufen ist und sich auf dem Gewässer in Unfallnähe ein leichter Ölfilm abgezeichnet hatte, sind die mysteriösen Geschehnisse an der Kieswäsch auch ein Fall für das Wasserwirtschaftsamt und die fachkundige Stelle für Wasserwirtschaft am Landratsamt.

Deren Vertreter haben sich am Sonntag am Unfallort ein Bild von der Lage gemacht. Auf Anordnung der Behörden hat die Feuerwehr Mainleus noch bei der Bergung des Fahrzeugs eine Ölsperre in den See eingebracht. "Es kann nicht viel ausgelaufen sein", sagt Chris Hollendonner von der fachkundigen Stelle für Wasserwirtschaft am Landratsamt mit Blick auf die Fahrzeuggröße.

Keine Umweltkatastrophe

Nach einem erneuten Ortstermin zusammen mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamts am Montagmittag an der Kieswäsch kann Hollendonner Entwarnung geben. "Es ist jetzt keine große Umweltkatastrophe zu erwarten." Die Öl-Saugsperre, die entlang des Schilfgürtels am Ufer und in den See hinein gelegt wurde, bleibt vorsorglich noch bis Ende Oktober im Wasser .

Schäden für die Pflanzen- oder Tierwelt seien aber nicht zu befürchten. Die Badesaison ist zum Glück auch längst vorbei - außerdem liegt der Badebereich auf der gegenüberliegenden Seeseite.