KAB
Nüdlingen: Theater fast wie im echten Leben
Bürgermeister Franz Kübele blickt entgeistert auf die hohe Rechnung, die seine Frau Helene vom Shopping in Bad Kissingen mitgebracht hat.
Bürgermeister Franz Kübele blickt entgeistert auf die hohe Rechnung, die seine Frau Helene vom Shopping in Bad Kissingen mitgebracht hat.
Dieter Britz
Ludwiga Silberstein (Mitte) und ihr Mann Heinz-Harald (Mitte) sind Dauergäste bei Bürgermeister Franz Kübele.
Ludwiga Silberstein (Mitte) und ihr Mann Heinz-Harald (Mitte) sind Dauergäste bei Bürgermeister Franz Kübele.
Dieter Britz
Emma, die Ladenbesitzerin (links), muss gleich weitergeben, was sie im Rathaus von Amtsdiener Sepp (Mitte) und Sekretärin Hannelore (rechts) erfahren hat.
Emma, die Ladenbesitzerin (links), muss gleich weitergeben, was sie im Rathaus von Amtsdiener Sepp (Mitte) und Sekretärin Hannelore (rechts) erfahren hat.
Dieter Britz
Einen Schlag an den Kopf hat Bürgermeister Kübele beim Versuch bekommen, die Glocken der Kirche zum Schweigen zu bringen. Amtsdiener Sepp verarztet ihn.
Einen Schlag an den Kopf hat Bürgermeister Kübele beim Versuch bekommen, die Glocken der Kirche zum Schweigen zu bringen. Amtsdiener Sepp verarztet ihn.
Dieter Britz
F-Signet von Dieter Britz Fränkischer Tag
Nüdlingen – Die Theatergruppe der KAB Nüdlingen führt im Pfarrsaal den Schwank „Die Gedächtnislücke“ auf.

In einem fiktiven Dorf, nennen wir es der Einfachheit halber Nüdlingen, macht ein aus der Großstadt zugezogenes Ehepaar mächtig Probleme. Vor allem die ebenso vornehme wie resolute Ehefrau stört sich ständig am Glockengeläut, am Krähen der Hähne und an dem „Lärm“, den der örtliche Musikverein bei seinen Proben verursacht. Die beiden nerven ständig den Bürgermeister. Der vergisst deshalb total entnervt den Hochzeitstag.

Seine Frau als Vorsitzende des Pfarrgemeinderates hat natürlich nichts gegen das Glockengeläut, das Krähen des Hahnes und die Proben des Musikvereins einzuwenden. Für genug Verwicklungen und Turbulenzen in Nüdlingen ist also gesorgt, zumal die nette Sekretärin des Bürgermeisters ganz zum Spaß eine Anzeige in dessen Namen aufgegeben hat, dass er eine Frau sucht. Das sind im Telegrammstil nur die allerwichtigsten Ereignisse in dem Schwank „die Gedächtnislücke“, den die Theatergruppe der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) aufführt.

Beschwerde wegen Lärmbelästigung

Alles fängt damit an, dass das Ehepaar Silberstein mal wieder das Büro des Bürgermeisters stürmt, um sich über die erwähnten Lärmbelästigungen zu beschweren. Darüber vergisst Bürgermeister Franz Kübele den Hochzeitstag, bewaffnet sich mit einer Axt und einem Seil und begibt sich zum Kirchturm, um die Glocken zum Schweigen zu bringen. Doch dort stellt er sich nicht sonderlich geschickt an, bekommt einen starken Schlag an den Kopf und erleidet deshalb einen Gedächtnisschwund, sodass er sich an die Ereignisse der letzten fünf Jahre nicht mehr erinnern kann. Das nutzt wiederum Amtsdiener Sepp schamlos aus und lässt den Bürgermeister eine Höhergruppierung unterschreiben.

Shoppingtour in Bad Kissingen

Da ihr Gatte trotz des Hochzeitstags zu beschäftigt ist, geht Helene Kübele allein auf Shoppingtour nach Bad Kissingen, kauft teure Kleider und Schmuck und geht fein essen – natürlich mit der EC-Karte ihres Mannes. Der wird bleich, als er die Rechnungen sieht und stellt fest : „Der, der meine Steckkarte gestohlen hat, hat nicht die Hälfte von dem ausgegeben, was du ausgibst“.

Zwischendrin erscheinen mal wieder die Silbersteins und drohen mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde, wenn der Bürgermeister nicht endlich etwas gegen die Lärmbelästigung tut. Dann fällt ihr Schoßhündchen „Nofretete“ ins Koma. Die beiden haben Angst um das Leben ihres kleinen Lieblings. Doch den hat Anton heimlich mit ein paar Schlaftabletten gefüttert und nach ein paar Stunden ist das „aufgemotzte Meerschweinchen“ wieder quicklebendig. Durch das Glockengeläut und den sonstigen Lärm, glauben die Silbersteins. Sie haben von Stund an nichts mehr gegen den Lärm und bedanken sich bei Musik- und Kleintierzüchterverein mit großzügigen Geldspenden.

Alle Schauspieler sind Laien

Seit Mai 2022 haben die Laienschauspieler geprobt, wenn auch mit Pausen. Und wie schon in den vergangenen Jahren, leider unterbrochen durch Corona-Zwangspausen, wurde ein sehr vergnügliches Stück ausgesucht und die schauspielerische Leistung verdient allerhöchstes Lob.

Gerd Nicolai spielt glaubhaft den stressgeplagten Bürgermeister Franz Kübele. Er ist auch der Chef der Theatergruppe. Gitte Kleinhenz in der Rolle seiner Ehefrau ist sehr bestimmend und resolut.

Schlitzohriger Amtsdiener

Thomas Klöffel als schlitzohriger Amtsdieners Sepp geht jeder Arbeit aus dem Weg. Er erinnert an seinen „Kollegen“ in der Fernsehserie „Hannes und der Bürgermeister“. Die charmante Sekretärin Hannelore, gespielt von Eva Leser, ist der ruhende Pol im Rathaus und hat nicht nur den Bürgermeister voll im Griff.

Manuela Hein ist als Emma die Inhaberin des örtlichen Tante-Emma-Ladens. Bei dieser Schwatzbase gibt’s nicht nur Lebensmittel oder Bier, sondern auch den neuesten Dorftratsch, den sie aus dem Rathaus-Vorzimmer erffährt – gegen Alkohol und Süßes.

Tobias Seufert spielt im Theaterstück Anton, den Vorsitzenden der Musikkapelle und des Kleintierzuchtvereins, deren Interessen er sehr resolut vertritt.

Schoßhund Nofretete

Die überkandidelte vornehme Großstadt-Dame Ludwiga Silberstein, gespielt von Bärbel Brumm, spricht hochdeutsch. Sie ist resolut und beherrschend. Ihr Schoßhündchen Nofretete geht ihr über alles. Wiggerl Brumm ist auch auf der Bühne ihr Ehemann. Hier heißt er allerdings Heinz Harald, eine unscheinbare Figur, die voll unter dem Pantoffel steht und nichts zu melden hat.

Nun fehlen noch der Psychiater Professor Gottlieb Schippenstein, gespielt von Stefan Lang und die schüchterne und altmodisch gekleidete Heiratskandidatin Rosalinde, (Jessica Hein), die nach mancherlei Irrungen und Wirrungen doch noch ein glückliches Paar werden.

Der Autor ist auch Bürgermeister

Autor des Stücks „die Gedächtnislücke“ ist Bernd Gombold. Der 56-jährige ist hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Inzigkofen bei Sigmaringen. Sein erster Schwank wurde 1991 veröffentlicht, seitdem folgten viele weitere. Die Arbeit als Bürgermeister liefert ihm auch Anregungen für seine Theaterstücke.

Am Freitag, 28. und Samstag, 29. April, finden weitere Aufführungen im Pfarrsaal statt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Einige wenige Plätze sind noch frei. Karten sind erhältlich unter Tel. 0175/ 20 65 348 (montags bis freitags 16 bis 18.30 Uhr).

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