Umzug
Eine Glocke kehrt zurück
Gemeinsam mit den Technikern der Hescuro Kliniken gelang es schließlich, die Glocke auf einer Europapalette zu platzieren und für den Transport zu sichern.
Gemeinsam mit den Technikern der Hescuro Kliniken gelang es schließlich, die Glocke auf einer Europapalette zu platzieren und für den Transport zu sichern.
Kathrin Kupka-Hahn
Am Morgen der Abholung bereiten die Fachleute den Abtransport der rund 500 Kilogramm schweren Glocke vor. Eigentlich sollte ein Werkstattkran zum Einsatz kommen, aber das Vorhaben scheiterte.
Am Morgen der Abholung bereiten die Fachleute den Abtransport der rund 500 Kilogramm schweren Glocke vor. Eigentlich sollte ein Werkstattkran zum Einsatz kommen, aber das Vorhaben scheiterte.
Kathrin Kupka-Hahn
Nach gut eineinhalb Stunden war die Glocke endlich bereit für die Reise nach Thüringen.
Nach gut eineinhalb Stunden war die Glocke endlich bereit für die Reise nach Thüringen.
Kathrin Kupka-Hahn
Das Foto aus dem Archiv von Margareta Albert zeigt die Einweihung des neuen Glockenplatzes in der Reha-Klinik Bad Bocklet: Im Vordergrund ist die geschmückte Glocke zu sehen, im Hintergrund im gepunkteten Kleid die damalige Geschäftsführerin Maria...
Das Foto aus dem Archiv von Margareta Albert zeigt die Einweihung des neuen Glockenplatzes in der Reha-Klinik Bad Bocklet: Im Vordergrund ist die geschmückte Glocke zu sehen, im Hintergrund im gepunkteten Kleid die damalige Geschäftsführerin Marianne Hoffmann-Fritsch.
Archiv Margareta Albert
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Bad Bocklet – Nach genau 100 Jahren ist eine Glocke, die 21 Jahre im Lichthof der Hescuro Kliniken Bad Bocklet stand, wieder zurück in Thüringen. Wie es dazu kam.

Es sah einfach aus, funktionierte aber nicht so, wie gedacht. Doch die Fachleute der Transportfirma aus Thüringen ließen sich nicht entmutigen und fanden einen Weg. Nach gut eineinhalb Stunden war die rund 500 Kilogramm schwere Glocke abgebaut und für die Abfahrt bereit. „So, nun bist du draußen meine Gute“, freute sich ein Transport-Mitarbeiter aus Apolda, als die Glocke die Hescuro Kliniken verließ.

Aus der Windheimer Wallfahrtskirche

Gut 21 Jahre zierte sie dort den Lichthof auf einem eigens angefertigten Sockelkreuz mit vier Schrifttafeln. Ursprünglich hatte sie als Kirchenglocke im Geläut der Windheimer Wallfahrtskirche Mariä Geburt gedient. Doch Ende der 1990er Jahre wurde dieses gegen ein neues ausgetauscht.

Ein Teil des alten Geläuts wurde eingeschmolzen, vermutet Thomas Reuß vom Windheimer Gemeindeteam. Die große Hauptglocke jedoch zog 2001 nach Bad Bocklet um, auf Initiative des damaligen Küsters Mahlmeister, der das Vorhaben gemeinsam mit Marianne Hoffmann-Fritsch umsetzte, die bis 2005 Geschäftsführerin der Klinik war.

Einweihungsfeier 2001

Margareta Albert, die in den Hescuro Kliniken schon seit über 40 Jahren im Bereich Gästemanagement tätig ist, erinnert sich: „Marianne Hoffmann-Fritsch war eine im Glauben tief verwurzelte Frau.“ Die Glocke widmete sie dem Gedenken an ihren Mann Hans Fritsch, der die Bad Bockleter Kurklinik von 1974 bis zu seinem Tod im Jahr 1997 leitete. „Die Einweihung in der Klinik nahm am 10. Juli 2001 der damalige Pfarrer Hans Thurn vor“, erzählt Margareta Albert.

Mit von der Partie waren unter anderem Thurns Vorgänger Pfarrer Armin Ammersbach sowie Pfarrer Johannes Markert und Pfarrer Anton Uhl. Die Glocke trug einen Blumenkranz, es gab Musik und anschließend noch einen Empfang. Fotos aus dem Archiv von Margareta Albert belegen die Ereignisse.

Interesse aus Thüringen

Da stand sie nun, die Glocke, im Lichthof der Klinik, gute zwei Jahrzehnte lang, halb unter einer Treppe, mit der Zeit immer weniger beachtet. Vor wenigen Wochen nun wurde Interesse aus Thüringen signalisiert, die Glocke einem anderen Zweck zuzuführen. Ursprünglich sollte sie im Glocken-Stadtmuseum Apolda unterkommen. Da aber momentan der Platz fehlt, hatten die Thüringer eine andere Idee: Wir stellen sie an den Ilmtal-Radweg.

Als Hinweis auf die Glockengießerstadt

Der befindet sich im Weimarer Land, wo Steffen Hiller das „Röhrencamp“, eine touristische Unterkunft, betreibt. „Ganz in der Nähe ist auch der Napoleon-Wanderweg, der an die Doppelschlacht Napoleons bei Jena und Auerstedt von 1806 erinnert“, erzählt der Mitarbeiter der Transportfirma. Dort soll die Glocke nun Radler und wandernde Touristen auf die Glockengießerstadt Apolda hinweisen.

Schließlich wurde die Ex-Windheimer und nun auch Ex-Bad-Bockleter Glocke 1922 in der Glockengießerei Ulrich & Weule - Großmeister zu Apolda hergestellt. Die Gießerei wurde 1949 von der DDR enteignet und später aufgegeben, ist auf der Plattform Wikipedia nachzulesen.

„Wir werden die Glocke im Frühjahr im Freien aufstellen, damit sie jeder sehen kann“, sagt Steffen Hiller. Momentan überlegt er noch, ob er einen kleinen Kirchturm dafür bauen wird oder die Glocke an einem Stahlpfeiler hängend ausstellt. „Sie bekommt auf jeden Fall ein Dach“, versichert er. Damit sie noch viele Jahre bewundert werden kann.

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