Auszeichnung
Jung hilft Alt im digitalen Wald
Leon Kunzmann hilft Friedrun Winkler beim Projekt von Mittelschule und Seniorenbüro dabei, ihr Smartphone besser zu verstehen.
Leon Kunzmann hilft Friedrun Winkler beim Projekt von Mittelschule und Seniorenbüro dabei, ihr Smartphone besser zu verstehen.
Foto: CT-Archiv/Rainer Lutz
Rainer Lutz von Rainer Lutz Coburger Tageblatt
Rödental – In Rödental halfen Schüler Senioren, die digitale Welt zu verstehen. Dafür gab es jetzt einen Preis vom Familienministerium.

Senioren wünschen sich, besser mit ihrem Smartphone oder Tablet umgehen zu können. Schüler können genau das in aller Regel sehr gut. Warum also nicht beide Generationen zusammenbringen? Das fragte sich Beate Speyer vom Seniorenbüro Rödental und startete gemeinsam mit der Mittelschule ein Projekt. Es wurde ein Erfolg, der jetzt mit einem Preis bedacht wurde. Der „Generationenpreis gemeinsam aktiv“ wurde am Bayerischen Familienministerium in München überreicht. Er ist mit 4000 Euro dotiert.

Beate Speyerer hatte schnell eine Gruppe von Senioren gefunden, die sich auf das Experiment einlassen wollten. Dann besuchte sie die Klasse der Mittelschule, aus der die jungen Dozenten kommen sollten. Schüler in der Rolle des Lehrers.Diese Umstellung ist gar nicht so leicht. „Am Anfang ging alles für die Senioren viel zu schnell“, sagt Klassenlehrer Tobias Friedrich damals. Das mussten die jungen „Digitaltrainer“ erst lernen. Vor allem Geschwindigkeit – also geringe Geschwindigkeit. Da mussten sich die Schüler schon sehr zurücknehmen. Es ist eben ein Unterschied, ob man einem Altersgenossen mal eben schnell was am Handy zeigt oder ob es darum geht, Senioren in eine Welt einzuführen, die für sie eben doch noch ziemlich fremd ist.

Am Ende waren aber alle Seiten überzeugt, ein wirklich gelungenes Projekt absolviert zu haben. Und das fanden auch die Juroren des Ministeriums.

Generationen verbinden

Mit dem Generationenpreis wurden Projekte in Bayern ausgezeichnet, die in besonderer Weise die verschiedenen Generationen zusammenbringen und so zum Austausch und Verständnis zwischen jüngeren und älteren Menschen beitragen. „Es wurden Projekte in Bayern ausgezeichnet, die in besonderer Weise die verschiedenen Generationen zusammenbringen und so zum Austausch und Verständnis zwischen jüngeren und älteren Menschen beitragen“, sagte Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf.

Die Ministerin weiter: „Der Preis zeigt: Die Generationen in Bayern halten zusammen! Ich bin überzeugt: Ein gutes Miteinander der Generationen macht unsere Gesellschaft stark. Dies ist in Zeiten der Krise und des Krieges besonders wichtig. Indem wir zusammenhalten, widerstehen wir den Feinden des Friedens, der Freiheit und der Demokratie und schützen unser Land gegen Bedrohungen von innen wie von außen. Der Generationenpreis ist daher mehr als nur eine Auszeichnung. Er ist Ausdruck unserer Kultur der Menschlichkeit und des Respekts.“

Beate Speyerer weiß die Auszeichnung zu schätzen: „Wir, das Seniorenbüro und das gesamte Team fühlen uns in unserer Arbeit sehr wertgeschätzt. Das motiviert uns sehr. Wir freuen uns schon, mit dem Geld neue Ideen umsetzen zu können.

Aufwendiges Projekt

Das Rödentaler Senioren-Jugend-Projekt war durchaus aufwendig aufgebaut. Die Lektionen starteten mit einem Überblick über die Möglichkeiten, die der Umgang mit Smartphones bietet, und Grundeinstellungen – etwa dem Verbinden mit dem WLAN, Einstellen des Klingeltones oder der Schriftgrößen. Insgesamt sind sechs Unterrichtstage angesetzt. 20 Schüler halfen 19 Seniorinnen auf dem Weg ins Internet mit seinen sozialen Netzwerken, Nachschlagewerken und Suchmaschinen. Sie zeigten den Weg zu Videotelefonie und Messengerdiensten, erklären, wie Fotos oder Videos erstellt und verschickt werden können. Am Ende hatten die Senioren weit mehr Nutzen von ihren Smartphones als zu Beginn. Tobias Friedrich und Beate Speyerer sind waren überzeugt, dass auch die Schüler bei der Aktion etwas lernen konnten – nicht über Smartphones, aber über das Leben. Unterstützt durch die Zukunftsstiftung Ehrenamt Bayern und die Bürgerstiftung Kerscher und der Zukunftsstiftung Ehrenamt Bayern ist diese Idee jetzt erfolgreich umgesetzt worden. Das Projekt war Teil der Zielsetzung des Seniorenbüros, ältere Menschen so lange wie möglich in die Lage zu versetzen, in den eigenen vier Wänden selbstbestimmt zu leben. Es folgten inzwischen weitere Projekte zur digitalen Welt – bis hin zum Kennenlernen virtueller Brillen, mit denen sich Erlebnisse wie ein Spaziergang in New York oder sogar ein Einsatz auf der Raumstation ISS dreidimensional erleben ließen.

 

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