Test
Das Kulmbacher Klinikum simuliert den Blackout
Technikchef Horst Wettermann vor dem größten der Generatoren, die im Klinikum Kulmbach dafür sorgen, dass auch bei einem Stromausfall alles reibungslos weiterläuft.
Technikchef Horst Wettermann vor dem größten der Generatoren, die im Klinikum Kulmbach dafür sorgen, dass auch bei einem Stromausfall alles reibungslos weiterläuft.
Klinikum Kulmbach
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Kulmbach – Bei einem sogenannten Schwarztest über mehrere Stunden hat das Krankenhaus wertvolle Erkenntnisse gewonnen.

Komplexe Technik im Wert von mehreren Millionen Euro garantiert am Klinikum Kulmbach, dass im Falle eines Stromausfalls der Betrieb unter eingeschränkten Bedingungen weiterlaufen kann. Die medizinische Versorgung von Patienten muss auch bei einem Stromausfall gewährleistet sein.

Zur Überprüfung, ob auch alles so funktioniert, wie man das geplant hat, gab es vor Kurzem einen sogenannten Schwarztest. Einmal im Jahr, unbemerkt von den meisten Patienten und Besuchern und meist nur für kurze Zeit, ist das Pflicht. Dieses Mal sind sowohl das Klinikum Kulmbach als auch die Fachklinik Stadtsteinach über mehrere Stunden vom Netz genommen worden. Dann hatten die unterbrechungsfreie Notstromversorgung und die gewaltigen Dieselaggregate ihren großen Auftritt.

Plötzlich wird es dunkel

Horst Wettermann und sein Team sind am Klinikum Kulmbach für die Technik zuständig. An einem Abend um 20 Uhr haben sie Ernst gemacht. Bis nach Mitternacht wurde das Klinikum vom öffentlichen Stromnetz abgehängt.

Als die 20.000 Volt Stromeinspeisung unterbrochen wurde, wurde es plötzlich dunkel und still im Klinikum. Doch nicht lang. Erwartungsgemäß 13 Sekunden später hatten die drei Notstromaggregate bereits ihre volle Leistung erreicht. Anlagen und Beleuchtung sprangen wieder an. Die abgeschaltete Stromeinspeisung haben Techniker genutzt, um die Transformatoren und die Schaltanlagen zu warten.

Alle Vorgaben erfüllt

Währenddessen machte sich ein weiteres Team auf den Weg zu den Stationen, um zu prüfen, ob die wichtigen Steckdosen unter Spannung stehen. Auch die Beleuchtung der Flucht- und Rettungswege im Notstrom-Modus wurde überprüft, ebenso die Funktion der Fluchttüren. Am Ende stand fest: Das Klinikum und die Fachklinik Stadtsteinach erfüllen die baurechtlichen Vorgaben für die Notstromversorgung.

Während in bestimmten Bereich kurze Unterbrechungen vorkommen können, darf das an anderen Stellen natürlich nicht geschehen, etwa im OP oder auf der Intensivstation. Dort übernimmt bei einem Ausfall umgehend eine Batterieversorgung die Beleuchtung unterbrechungsfrei. Die Überprüfung ergab: Alle medizinisch notwendigen Geräte waren an den richtigen Steckdosen und einsatzbereit. Auch die Feuerwehraufzüge, die Brandmeldeanlage und die Löschwasserversorgung standen auf Bereitschaft, berichtet Horst Wettermann.

Drei Notstromaggregate

Laut dem Technik-Chef ist die Leistungsfähigkeit der Generatoren entscheidend. Im Klinikum stehen drei Stück zur Verfügung. Zum Betrieb werden 30.000 Liter Heizöl vorgehalten. Das schafft im Volllastbetrieb und bei einem Verbrauch von etwa 120 Litern pro Stunde eine Laufzeit von etwa zehn Tagen.

Im Neubau Süd gibt es 5000 Liter bevorratetes Öl für das große Aggregat. Bei einem Verbrauch von 80 Litern pro Stunde garantiert das einen Volllastbetrieb von 2,5 Tagen. Den Begriff Volllast müsse man hier aber eher theoretisch sehen, erklärt Wettermann, da im Falle eines Stromausfalls natürlich alle nicht zwingend notwendigen Behandlungen ausgesetzt werden.

Techniker rund um die Uhr da

Wenn der Strom plötzlich ausfällt, dann gehen auch in einem Krankenhaus erst einmal alle technischen Anlagen auf Störung. Doch rund um die Uhr ist ein Techniker im Haus, der schnell alles wieder zum Laufen bringt, was laufen muss. Patienten, die gerade einen Eingriff haben, müssen sich nicht sorgen, versichert Wettermann. Untersuchungen im MRT beispielsweise werden bei Stromausfall dagegen abgebrochen und müssen wiederholt werden, da diese Großgeräte für eine Überlastung der Notstromaggregate sorgen würden.

Für Wettermann ist das Ergebnis des neuesten Stresstests positiv ausgefallen. Mit Tests wie diesem lerne das Team der Klinikumstechnik und gewinne wichtige Erkenntnisse darüber, wie sich welche Anlagen verhalten, wenn plötzlich der Strom weg ist.

Tagelanger Blackout nicht denkbar

Brigitte Angermann Geschäftsführerin des Klinikums Kulmbach, die während des Schwarztests zusammen mit ihrem Stellvertreter Andreas Hacker selbst im Haus unterwegs war, um sich einen Eindruck zu verschaffen, zeigt sich ebenfalls zufrieden. „Der Test wurde in diesem Jahr nochmals unter ganz anderen Aspekten betrachtet, war doch ein tagelanger Blackout, wie er gerade diskutiert wird, bisher kaum denkbar. Diese Schwarztests sind für uns von großer Bedeutung, schließlich müssen wir wissen, dass wir in einem Notfall gut aufgestellt sind.“ Klar sei aber auch: Sollte der Strom über längere Zeit ausfallen, können auch in Kulmbach nur akute Notfälle behandelt werden, so Angermann.

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