Regenrückhalt
Wirsberg und sein Wasserproblem
Zusammen mit dem Anlieger Werner Herrmann (Mitte) verweisen Bürgermeister Jochen Trier (vorne) und Verwaltungsangestellter Norbert Specht auf das jetzige Bachbett der „Koser“, das einen kanalförmigen Verlauf hat, über 18 Kubikmeter pro Sekunde der...
Zusammen mit dem Anlieger Werner Herrmann (Mitte) verweisen Bürgermeister Jochen Trier (vorne) und Verwaltungsangestellter Norbert Specht auf das jetzige Bachbett der „Koser“, das einen kanalförmigen Verlauf hat, über 18 Kubikmeter pro Sekunde der „Schorgast“ zuführt und an der Brücke beim Posthotel über 40 Kubikmeter pro Sekunde erreicht.
Foto: Werner Reißaus
F-Signet von Werner Reißaus Fränkischer Tag
Wirsberg – Der Ort hat kaum Retentionsflächen, um ein Hochwasser zu bändigen. Statt auf teure Schutzmauern setzt der Bürgermeister auf eine andere Lösung.

Das große Thema in der Sitzung des Marktgemeinderates nach der Sommerpause war am Dienstagabend die Verordnung des Landratsamtes über das Überschwemmungsgebiet an der „Großen Koser“, die erstmals durch Bürgermeister Jochen Trier (FW) vorgestellt wurde. Wie das Gemeindeoberhaupt in diesem Zusammenhang bekanntgab, laufen mit dem Wasserwirtschaftsamt Hof und dem Landratsamt Kulmbach weiterhin Gespräche über kostengünstigere Regenrückhalteeinrichtungen für die Bereiche „Kosertal“ und „Schorgasttal“, um die mit rund elf Millionen Euro geplanten Schutzmauern im „Schorgasttal“ reduzieren oder vermeiden zu können.

Im Gespräch mit unserer Zeitung gab der Bürgermeister die weiteren Schritte bekannt, die die Marktgemeinde hinsichtlich der Verordnung über das Überschwemmungsgebiet an der „Großen Koser“ unternehmen will.

Enge Tallage

Jochen Trier: „Fakt ist, dass der Ort Wirsberg allein keine bis sehr wenige Retentionsflächen bietet, die das Wasser zurückhalten. Allein mit der engen Tallage, die eine Art Kessel darstellt, sind keine Möglichkeiten für einen Wasserrückhalt vorhanden. Das Wasserwirtschaftsamt Hof hat jetzt die ,Koser’ bis zum Beginn der Wohnbebauung von Wirsberg aufgenommen, und wer die Örtlichkeit kennt, der sieht, dass die Fortsetzung nichts weiter wie ein Kanal ist, der auf beiden Seiten etwa zwei Meter hoch und das Bachbett etwa drei bis vier Meter breit ist. Man kann sich ja dann einfach ausrechnen, wenn hier in der Sekunde über 18 Kubikmeter Wasser ankommen sollen, dann wird es schwierig, dass es dieses Bachbett packt. Die Problematik ist, dass nicht nur Wasser kommt, sondern durch die Fließdynamik wird viel mitgerissen und das verursacht den Schaden, denn durch die Kraft des Wassers werden auch Stauungen entstehen.“

Gefahr durch Stauungen

Bürgermeister Jochen Trier zog in diesem Zusammenhang einen Vergleich mit den Unwetterschäden im Ahrtal: „Das Wasser allein hätte dort die Schäden vermutlich allein nicht verursacht. Es seien Stauungen entstanden und dann sei irgendwann der Tsunami-Effekt da gewesen. Trier: „Wir wollen mit diesen Berechnungen nicht den Teufel herbeischwören, aber vollkommen aus der Welt sind sie nicht, und dass die Wetterkapriolen immer extremer und auch häufiger werden, das hat inzwischen jeder begriffen. Wir sind in der Gemeinde vom Gefühl her auf einem guten Weg, weil wir wirklich versuchen, auch zu liefern. Das heißt, dass wir versuchen, bereits in der Fläche des Kosertales Wasser zu puffern, also in Richtung Einöde und Marienweiher, unterhalb von Cottenau.“

Gespräche mit Nachbargemeinden

Dazu müssten natürlich auch die Nachbarkommunen bereit sein, und Bürgermeister Trier hat, wie er feststellte, auch bereits Gespräche mit den Nachbarbürgermeistern von Marktleugast, Marktschorgast und Stammbach geführt: „Sie würden uns, wenn es geht, bei der ganzen Sache unterstützen. Wir würden die Rückhaltemaßnahmen primär für Wirsberg machen, aber nicht nur, sondern davon würden auch die Unterlieger der  Schorgast’ profitieren.“

Für Bürgermeister Jochen Trier wäre es ein Ansatz, Wasser am Entstehungsort zurückzuhalten, damit es dort auch versickern kann, denn der Boden würde es seiner Meinung nach hergeben.

Versickern statt Kanalisieren

In diesem Zusammenhang bringt Trier auch die Grundwasserneubildung in Nordbayern in die Diskussion, denn sie sei um ein Vielfacher schlechter als im Süden: „Das wäre zumindest einmal eine Idee, dass man Wasser durch Versickern bindet und nicht erst auf Wirsberg kommen lässt. Wenn jede Kommune was macht, wäre auch dem Nachbarn mit geholfen.“ Die vom Wasserwirtschaftsamt Hof vorgeschlagene Lösung mit dem Bau einer Mauer entlang der „Schorgast“ hält Bürgermeister Jochen Trier allein schon wegen der horrenden Kosten für inakzeptabel: „Wir bauen damit den nächsten Kanal in Wirsberg auf, kanalisieren wieder, um es dem Nachbarn möglichst schnell wieder zuzuführen.“

Das Wasserwirtschaftsamt hat für das Projekt geschätzte Kosten von elf Millionen Euro ermittelt, doch Bürgermeister Trier räumt ein, dass die Fachbehörde für Gespräche und auch Alternativen offen ist. Der Mauerbau würde am Zusammenfluss von „Koser“ und „Schorgast“ beginnen und die Ertüchtigung des Bachbettes würde bis unterhalb des Betriebsgelände der Textilwerke Kneitz gehen, denn auch dort müsste der vorhandene Damm noch erhöht werden.

Eine einfache Rechnung

Bürgermeister Trier macht eine einfache Rechnung auf: „Man müsste ermitteln, was das Bachbett maximal leisten kann und dementsprechend müssten Retentionsflächen geschaffen werden. Ein Ansatz wäre meines Erachtens auch die stiefmütterlich behandelten Straßengräben, in denen ich auch Wasser zurückhalten kann, ohne dass es jemanden schadet.“

Was Bürgermeister Jochen Trier bei seinen Gedanken wichtig ist: „Warum muss es kompliziert sein, wenn es vielleicht einfacher auch geht?“

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