Kein Nachfolger
Die nächste Apotheke in der Region macht dicht
Die Kasendorfer Brunnen-Apotheke ist geschlossen.
Die Kasendorfer Brunnen-Apotheke ist geschlossen.
Foto: A.Hartmann
Apotheken
Alexander Hartmann von Alexander Hartmann Bayerische Rundschau
Kulmbach – Jetzt ist auch die Brunnen-Apotheke in Kasendorf im Landkreis Kulmbach Geschichte. Die Folgen sind dramatisch - besonders für die Kunden.

Sind Apotheken auf dem flachen Land ein Auslaufmodell? Man kann den Eindruck gewinnen, wenn man einen Blick in den Raum Kasendorf/Thurnau wirft. 2017 hat Hans-Otto Meyer die Thurnauer Marktapotheke in der Bahnhofstraße geschlossen.

Mit 73 ist er nach 44 Jahren Apothekerdasein in den Ruhestand gegangen - einen Nachfolger hat er nicht gefunden. In Thurnau gibt es seitdem nur noch die Schlossapotheke, deren Kundenkreis sich jetzt erweitern könnte, denn vor wenigen Tagen hat auch die Brunnen-Apotheke im vier Kilometer entfernten Kasendorf dichtgemacht. Aus vielerlei Gründen, wie Apotheker Gert Clemens im Gespräch mit der Bayerischen Rundschau mitteilt.

Nach 29 Jahren ist Schluss

Clemens hat die Apotheke 29 Jahre geführt, in den vergangenen Monaten altersbedingt einen Nachfolger gesucht, wie Hans-Otto Meyer aber keinen gefunden. In der Apotheke wären hohe Investitionen erforderlich gewesen. Schon zu Jahresbeginn hätte die Telematikinfrastruktur für E-Rezepte stehen müssen. Clemens hätte dafür die EDV-Anlage erneuern müssen.

Was die Suche nach einem Nachfolger laut Clemens zusätzlich erschwert hat: Die alles andere als rosigen wirtschaftlichen Aussichten für Apotheker auf dem flachen Land. Mittelfristig hätte zudem ein barrierefreier Eingang errichtet werden müssen, den es noch nicht gibt, der inzwischen aber Vorschrift ist. Clemens hatte die Apotheke dank einer Ausnahmegenehmigung bis dato weiter führen können, denn für Altapotheker gilt der Bestandsschutz. Es seien viele Unwägbarkeiten gewesen, die den Interessenten, den es gab, abgeschreckt hätten.

Das finanzielle Wagnis

Das finanzielle Wagnis, eine Apotheke zu führen, gehen immer weniger ein, wie Hans-Peter Hubmann weiß, der Apotheken in Kulmbach betreibt und Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes ist. Die überbordende Bürokratie, immer neue, auch EU-weite Vorgaben und die Online-Konkurrenz machten den Pharmazeuten seit Jahren schwer zu schaffen. Statt das wirtschaftliche Risiko als selbstständiger Apotheker mit hohem Arbeits- und Zeitaufwand einzugehen, würden viele Studenten Jobs in der Pharmaindustrie oder in Kliniken suchen.

Der Apotheken-Schwund

Die Folgen sind dramatisch: 2020 wurden deutschlandweit nur noch 18 753 öffentliche Apotheken gezählt. Das sind mehr als 2600 weniger als noch zehn Jahre zuvor. Es ist ein Negativtrend, der auch vor dem Landkreis Kulmbach nicht Halt macht. In den letzten zehn Jahren wurden laut Hubmann sechs Apotheken geschlossen. Derzeit gebe es noch 15, wovon sich zehn im Kulmbacher Stadtgebiet befinden. Das Stadtsteinacher Oberland gilt als apothekenfreie Zone.

Hans-Peter Hubmann spricht von einer besorgniserregenden Entwicklung. Wie er mitteilt, geht man davon aus, dass eine Apotheke 4000 bis 4500 Bürger versorgt. Der Thurnauer Raum gelte deshalb nach der Schließung in Kasendorf schon als "leicht unterversorgt".

Kommen Botendienste?

Wie man die Versorgungssituation verbessern könnte? Hubmann hält es für möglich, dass andere Apotheker Botendienste leisten, den Kasendorfern die Medikamente ins Haus liefern. Diese Dienste würde als reguläre Zusatzversorgung honoriert. Zwar würden nur 2,50 Euro pro Lieferung gewährt. "Das ist nicht viel, aber das ist für uns Apotheker besser, als dass Kunden online bestellen."

"Ein herber Verlust"

Die Schließung der Brunnen-Apotheke sei ein herber Verlust für Kasendorf, betont Bürgermeister Norbert Groß ( CSU), der schon Anfang des Jahres erfahren hatte, dass Gert Clemens aufhören will. Dessen Schritt sei aus wirtschaftlichen Gründen nachvollziehbar. Die Gemeinde habe, weil im jetzigen Geschäft die Barrierefreiheit fehlt, mit dem Gedanken gespielt, beim in Auge gefassten Umbau des "Goldenen Anker" Räume für eine neue, barrierefreie Apotheke mit einzuplanen.

Das sei eine Option, die nach wie vor bestehe, sagt Groß, der hofft, dass in naher Zukunft doch noch ein Nachfolger für Gert Clemens gefunden wird. Auch wenn die Rahmenbedingungen in der Branche nicht rosig seien, ist Groß davon überzeugt, dass Kasendorf nach wie vor ein attraktiver Standort für eine Apotheke sein kann.

Eine Einschätzung, die Hans-Peter Hubmann teilt, der sich wie Groß vorstellen kann, dass sich ein Pharmazeut in einer neuen Apotheke auf dem "Anker"-Areal niederlässt.

 

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