Wirtschaft
In Thurnau entstehen 400 neue Arbeitsplätze
So soll das neue Werk in Thurnau aussehen. Architekt Tassilo Ranner zeigte dem Gemeinderat die geplante Gestaltung mit dem Eingangsbereich von Nordosten aus gesehen.
So soll das neue Werk in Thurnau aussehen. Architekt Tassilo Ranner zeigte dem Gemeinderat die geplante Gestaltung mit dem Eingangsbereich von Nordosten aus gesehen.
Foto: Visualisierung: ait
F-Signet von Sonja Adam Fränkischer Tag
Thurnau – Das Kasendorfer Unternehmen ait siedelt sich in der Nachbargemeinde Thurnau an und investiert eine zweistellige Millionensumme.

Für Thurnau ist die geplante Ansiedelung der Firma ait-deutschland ein Riesengewinn. Und so mussten die Mitglieder des Marktgemeinderats auch nicht lange überlegen, ob sie dem Bauantrag des in Kasendorf beheimateten Unternehmens zustimmen sollten.

Direkt an der Autobahnzufahrt

Einstimmig und in Rekordtempo gaben Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) und die Räte grünes Licht für das Projekt im Gewerbegebiet direkt an der Autobahnausfahrt Thurnau-Ost.

Weil es sich um eines der größten Vorhaben in der Region handelt, besiegelten es Bernreuther und ait-Geschäftsführer Marco Roßmerkel mit einem Handschlag. „As soon as possible“ soll laut Roßmerkel, selbst ein Thurnauer, der Spatenstich erfolgen. Der Mutterkonzern habe die Investition für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag bereits genehmigt.

Fast vier Hektar Fläche

Auf einem 37.001 Quadratmeter großen Grundstück direkt neben der Spedition Emons im Gewerbegebiet möchte ait einen neuen Produktionsstandort für Wärmepumpen errichten. Das Gebäude soll 19.766 Quadratmeter groß werden. Acht 60 Meter lange Produktionsstraßen sollen im Innern dafür sorgen, dass sich die Zahl der produzierten Wärmepumpen und der Umsatz des Unternehmens verdoppelt.

„Die Wärmepumpe ist das Heizsystem der Zukunft. Die Bundesregierung plant eine Wärmepumpenoffensive“, erklärte der Geschäftsführer. Die Firma ait-deutschland gehört zum Nibe-Konzern, einem international tätigen Energieunternehmen mit Hauptsitz in Schweden. Schon jetzt ist ait in Europa Marktführer bei der Wärmepumpentechnik.

Doch das Unternehmen hat Großes vor: Schon 2026 sollen doppelt so viele Wärmepumpen hergestellt werden. Mit dem Werk in Thurnau entstehen 400 neue Arbeitsplätze. „Die größte Herausforderung, die wir stemmen müssen, wird es sein, Mitarbeiter zu finden und in den Ort zu holen“, erklärt Roßmerkel.

Standort Kasendorf bleibt erhalten

Sein Geschäftsführerkollege Volker Einhäuser betonte, dass der Produktionsstandort Kasendorf natürlich erhalten bleibt. „Aber wir haben keine Möglichkeit, uns dort weiter zu entfalten. Wir brauchen, um weiter zu wachsen, eine klare Hallenstruktur, die auf die Marktbedürfnisse abgestimmt ist.“

Architekt Tassilo Ranner präsentierte die Planungen. In Thurnau entstehe ein funktionales, klar strukturiertes neues Gebäude, das komplett mit Photovoltaik bestückt werde. Aus Sicherheitsgründen muss das Grün im Umfeld an einigen Stellen durchbrochen werden – dafür falle es auf dem Parkplatz oder in nicht sicherheitsrelvanten Bereichen üppiger aus.

Brücke zur Produktverladung

Im Gebäude sind laut Ranner ein Hochregallager, ein Technikanbau und eine Kantine integriert. Nicht Gegenstand des Bauplans sei ein Brückenkonzept, das die Logistik sicherstellen soll. Über eine Anbindung an die Nachbarfirma Emons solle die komplette Produktverladung erfolgen.

Großen Wert legt Marco Roßmerkel auf die Nachhaltigkeit des Gebäudes. „Wir sind schließlich alle dafür verantwortlich, dass es auch unseren Nachkommen gut geht“, sagte er. Der Plan sieht im Wesentlichen drei Abweichungen von den ursprünglichen Festsetzungen für das Gewerbegebiet vor. So wird die Grundflächenzahl geringfügig überschritten.

Dies ist laut Architekt vor allem wegen der getrennten Verkehrsführung von Autos und Lastwagen nötig. Außerdem werde die Baugrenze geringfügig überschritten. Die Abweichungen vom Grünordnungskonzept sollen durch die Anlage von hochwertigen Grünflächen und eines Biotops ausgeglichen werden.

Erdtank für Kältemittel

Martin Sedlmair erläuterte die bereits mit der Feuerwehr abgesprochene Planung hinsichtlich des Feuerschutzes. Auf dem Gelände wird ein Erdtank für Kältemittel angelegt.

„Das Vorhaben hat eine Dimension, wie sie noch nie dagewesen ist“, merkte Veit Pöhlmann (FDP) an. „Das ist ein Riesenprojekt. Die Synergie mit Emons gefällt uns sehr“, betonte Erwin Schneider (FW-ÜWG).

Überglücklich zeigte sich auch Bernreuther: „Wir sind stolz, dass bei uns ein Produkt verwirklicht wird, das in Sachen Klimaschutz als Game-Changer gelten könnte. Auch die Verbindung zum Logistiker passt wunderbar.“

Das Werk soll im ersten Quartal 2024 in Betrieb genommen werden.

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