Bauerntag
Kulmbacher Bauern kritisieren die Agrarpolitik
BBV-Kreisbäuerin Beate Opel und Kreisobmann Harald Peetz überreichten Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber einen getöpferten Erinnerungsteller aus Thurnau als Gastgeschenk.
BBV-Kreisbäuerin Beate Opel und Kreisobmann Harald Peetz überreichten Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber einen getöpferten Erinnerungsteller aus Thurnau als Gastgeschenk.
Foto: Stephan Herbert Fuchs
F-Signet von Stephan Herbert Fuchs Fränkischer Tag
Schirradorf – Kreisobmann Harald Peetz greift beim Bauerntag in Schirradorf die Landwirtschaftsministerin

Zur Generalabrechnung mit der Agrarpolitik in Deutschland hat der neue Kreisobmann Harald Peetz den Schirradorfer Bauerntag auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas genutzt. Peetz sprach von einer völlig verfehlten Agrarpolitik und ging vor allem mit Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hart ins Gericht. Der Kreisobmann sparte aber auch nicht mit Kritik an der bayerischen Politik und an Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Sie war die Hauptrednerin des Bauerntages.

Was die extreme Dürre in diesem Sommer angeht, so könne es im nächsten Jahr eigentlich nur noch besser werden. Für die Politik habe er diese Hoffnung allerdings nicht mehr. Vor allem Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir gebe ein „trauriges Bild“ ab. Der Minister sei immer auf Seiten der anderen, nie auf der Seite der Bauern. Mittlerweile würden die Bauern nicht mehr vom Landwirtschafts-, sondern vom Umweltministerium regiert. Aber auch in Bayern sei längst nicht mehr alles Gold, was glänzt, so Harald Peetz. Die Politik schiele nur mehr auf die Wähler in den Ballungszentren. Das flache Land gerate dabei in Vergessenheit.

„Grüne Ideologie“

Der Kreisobmann wehrte sich vor allen dagegen, dass überall grüne Ideologien durchgesetzt werden sollen. Artenvielfalt, Biodiversität oder Insektenschutz seien zwar richtig. Dabei gerate allerdings in Vergessenheit, dass die Bauern die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln sicherstellen. „Wenn ich die Produktion hier einschränke, dann mache ich mich vom Ausland abhängig“, sagte Harald Peetz. Niemand könne dann mehr für Umweltstandards, Tierwohl oder sachgerechten Pflanzenschutz garantieren.

Statt ständig neuer Auflagen und immer mehr Bürokratie bräuchten die Bauern eine zuverlässige Politik, die fest an ihrer Seite steht. Jeder Betrieb, der jetzt aufgibt, sei für immer verloren. Das Ende der Schweinehaltung sei bereits eingeläutet.

Kreisobmann Peetz ging Ministerin Kaniber aber auch direkt wegen deren Aussagen zur Anbindehaltung an. Diese sei „überflüssig wie ein Kropf“ gewesen und hätten nur Wasser auf die Mühlen der Tierhaltungsgegner gebracht. In Zukunft werde man noch froh sein, wenn man überhaupt noch Milch habe, egal aus welcher Haltungsform.

Disput über Anbindehaltung

Darüber hinaus würden in Deutschland ohnehin keine Anbindeställe mehr gebaut und die Anbindehaltung würde sowieso auslaufen. Das ließ die Ministerin so nicht auf sich sitzen. Einige Molkereien hätten schon damals keine Milch mehr aus Anbindehaltung angenommen. Als das bekannt wurde, habe sie es auch gesagt. „Mir war es wichtig, dass die bayerischen Bauern wissen, wohin die Reise geht“, sagte Kaniber. Darauf müssten sich die Bauern einstellen. Die Ministerin hatte im vergangenen Jahr in einer Regierungserklärung angekündigt, dass die ganzjährige Anbindehaltung so schnell wie möglich beendet werden muss.

Was die Beurteilung der Bundespolitik aus Sicht der Landwirtschaft anging, teilte die Ministerin allerdings die Meinung von Kreisobmann Peetz und fand dafür ungewöhnlich scharfe Worte. „Özdemir hat weder Interesse an, noch Verständnis für die Landwirtschaft“, sagte sie. „Die grünen Pazifisten kennen sich mittlerweile mit Panzern besser aus, als wir das jemals taten“, sagte Kaniber. An dem Thema Ernährungssicherheit hätten die Grünen dagegen kein Interesse.

Für Neubewertung

Die Ministerin plädierte für eine grundlegende Neubewertung des „Green Deals“ (Reduzierung der Netto-Emissionen von Treibhausgasen bis 2050 auf null), als auch der gesamten gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik. Die Situation habe sich mittlerweile völlig verändert. Nach jetzigem Stand würden die geplanten Flächenstilllegungen zu jeweils einem Drittel weniger Rindfleisch und Getreide führen. Zudem würde Özdemirs Ankündigung „öffentliches Geld nur noch für öffentliche Leistungen“ nichts anderes bedeuten, als 50 Prozent weniger Einkommen für die Bauern.

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