Nach Tod des Chefs
Mitarbeiter führen Mainleuser Firma selbst weiter
Die Mitarbeiter der Firma Elektro Frank (von links): Rüdiger Bauer, Tommi Matysiak, Azubi Kevin Escher, Alexander Zeitler, Matthias Hahn und Martina Rödel. Sie konnten ihr Unternehmen retten und in diesem Jahr das 60.  Firmenjubiläum feiern
Die Mitarbeiter der Firma Elektro Frank (von links): Rüdiger Bauer, Tommi Matysiak, Azubi Kevin Escher, Alexander Zeitler, Matthias Hahn und Martina Rödel. Sie konnten ihr Unternehmen retten und in diesem Jahr das 60. Firmenjubiläum feiern.
Foto: Uschi Prawitz
Die Firma Elektro Frank in Mainleus gehört seit Jahren  den Beschäftigten.
Die Firma Elektro Frank in Mainleus gehört seit Jahren den Beschäftigten.
Foto:
F-Signet von Ursula Prawitz Fränkischer Tag
Mainleus – Der Chef, der seinen Beschäftigten das Unternehmen vererbt: In Mainleus ist das wahr geworden - und ein Erfolg.

Die Mitarbeiter der Firma Elektro Frank GmbH fühlen sich - auf die vergangenen drei Jahre rückblickend - wie in einem Film. "Der ehemalige Firmeninhaber Wolfgang Frank war sehr krank - und wir Mitarbeiter machten uns Sorgen um die Nachfolge und die Weiterführung des Unternehmens", erklärt Martina Rödel, Mitarbeiterin in der Verwaltung. Als sie merkte, dass es dem Chef zunehmend schlechter ging, schaltete sie den Anwalt seines Vertrauens ein, der schließlich das Gespräch mit ihm suchte.

"Wir alle hatten Angst, keiner hatte eine Unterschriftenvollmacht, wir wussten nicht einmal, wie wir im Falle seines Ablebens die Löhne bezahlen sollten", erinnert sie sich. Wolfgang Frank verfasste auf den anwaltlichen Rat hin ein Nottestament - zum richtigen Zeitpunkt, denn wenige Wochen später starb er.

Testament zugunsten der Mitarbeiter

In diesem Nottestament bekundete der ehemalige Chef sein Vermächtnis: Die langjährigen Mitarbeiter sollten die Firma erben und weiterführen. Eine Generalvollmacht, die auf Martina Rödel und Tommi Matysiak ausgestellt worden war, half dem Team über die erste Zeit der Unternehmensfortführung.

"Dass diese Phase aber zwei Jahre dauern sollte, hätte keiner von uns gedacht", sagt Matthias Hahn, der inzwischen Geschäftsführer des Unternehmens ist. Seit 24 Jahren arbeitete er im Betrieb, fing kurz nach seiner Lehre bei Elektro Frank an. Seine aktuelle Position bekleidet er allerdings erst seit einem Jahr, denn erst als das Testament für rechtskräftig erklärt wurde, konnte auch das Vermächtnis vollzogen werden.

Ziel: Arbeitsplätze retten

Der Anwalt hatte zwar mit Wolfgang Frank die Angelegenheit in trockene Tücher gebracht, aber die eigentlichen Erben des Verstorbenen zweifelten die Rechtmäßigkeit des Testaments an und zogen vor Gericht.

Für die Mitarbeiter stand mit dem Tod des Inhabers fest: "Wir wollen unsere Arbeitsplätze retten." Was Wolfgang Frank noch alleine gemacht hatte, verteilten sie nun auf mehrere Schultern. "Es geht nur gemeinsam", sagt Matthias Hahn.

Natürlich hätten sie sich reiflich überlegt, ob sie diesen Schritt tatsächlich wagen sollten, schließlich habe es auch Schulden gegeben. "Aber wir haben in die Hände gespuckt und die Sache in Angriff genommen." Skepsis begleitete das Team dennoch in der Anfangszeit, "ich war aber froh, dass es weiter ging, und inzwischen klappt es besser als zuvor", sagt Alexander Zeitler, mitarbeitender Gesellschafter.

Nachwuchs fehlt

Allerdings habe auch die Firma Elektro Frank mit dem großen Problem der Branche zu kämpfen: dem Nachwuchs. "Wir sind viel unterwegs auf Montage, arbeiten auch in der Münchener Gegend, das wollen die wenigsten machen."

"Es war eine wilde Zeit", erinnert sich Martina Rödel heute. Inzwischen hat sich das Team gefunden, "wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir uns künftig ausrichten, welche Geschäftsfelder wir bedienen wollen", sagt Tommi Matysiak, ebenfalls mitarbeitender Gesellschafter. Man kenne die Stärken und Schw

ächen des Partners durch die langjährige Zusammenarbeit gut. "Also haben wir uns besser organisiert und einiges modernisiert." Von Photovoltaik etwa habe der alte Chef nichts wissen wollen, das mache man jetzt auch mit.

Nach drei Jahren Berg- und Talfahrt steht das Mitarbeiterteam von Elektro Frank nun da und darf sich über das 60. Firmenjubiläum freuen. Mit der Reparatur von Fahrrädern habe 1961 Karl Frank begonnen und die Firma dann weiter zu einem Elektrogerätehandel mit Reparaturservice ausgebaut. "Heute machen wir alles rund um Strom", nur den früher angeschlossenen Laden für Elektrogeräte betreibe man nicht mehr, der lohne sich nicht für die Firma.

Freude beim Bürgermeister

Ihre Arbeitsplätze haben die engagierten Fachleute nicht nur gerettet, sondern sie sind bestrebt, das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Auch für die übrigen Mitarbeiter, denn für sie soll künftig sogar in eine Betriebsrente einbezahlt werden.

Grund zur Freude auch für die Marktgemeinde Mainleus. "Als Bürgermeister bin ich um jeden Handwerksbetrieb dankbar, der da ist und erhalten werden kann", sagt Bürgermeister Robert Bosch (CSU) zur Situation der Firma Elektro Frank. Das Ergebnis des Engagements der Mitarbeiter sei ein Betrieb, der Bestand habe. "Es ist gut, wenn ein Stab übergeben werden kann."

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: