Strafprozess
Streit an der Treppe eskalierte
In einem Prozess um Beleidigung und Körperverletzung hat das Amtsgericht Lichtenfels eine Bewährungsstrafe verhängt..
In einem Prozess um Beleidigung und Körperverletzung hat das Amtsgericht Lichtenfels eine Bewährungsstrafe verhängt..
Foto: Marco Meißner, Archiv
Lichtenfels – Das Amtsgericht Lichtenfels verurteilte einen 56-jährigen Mieter wegen Beleidigung und Körperverletzung.

Vor allem wegen gefährlicher Körperverletzung wurde am Mittwoch am Amtsgericht Lichtenfels ein 56-jähriger Mann aus dem östlichen Landkreis zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Tat ging offenbar ein Zerwürfnis mit der Vermieterpartei voraus. Für Rechtsanwältin Regina Taubert ein schwer nachvollziehbares Urteil. Sie sprach in ihrem Plädoyer von „so vielen Zweifeln an der Täterschaft“ ihres Mandanten, dass sie forderte, einen Freispruch in Betracht zu ziehen.

Der Angeklagte wirkte ruhig und redete bedachtsam. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe wies er von sich. „Ne, ne, ne, bei dem, was Sie mir vorwerfen, war ich nicht dabei“, erklärte er gegenüber dem Gericht, dem Matthias Huber vorstand.

Es ging um den 26. Januar dieses Jahres. Gegen 14.45 Uhr klingelte es an der Wohnungstür des Angeklagten, und als der Mittfünfziger die Tür öffnete, sah er den Mann seiner Vermieterin vor sich stehen. Was dann geschah, sollte sich laut Staatsanwalt Harun Schütz so abgespielt haben, dass der Angeklagte den zu ihm hoch gestiegenen Mann die Treppe hinunterschubste, wobei er noch hernach versucht habe, ihm Fußtritte gegen den Kopf zu geben. Das alles sei auch unter massiven Beleidigungen geschehen. Für Schütz erfüllte das den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung.

Das Opfer, ein 58-jähriger Mann, der im Haus Reparaturarbeiten vornahm, sprach mitunter in schwer verständlichem Deutsch. Doch so viel war klar: Er wiederholte den Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Regina Taubert führte für ihren Mandanten an, dass dieser den Mann an der Tür nicht mit so viel Gewalt, aber doch darum von sich stieß, weil dieser ihm – ohne Maske auf dem Gesicht – zu nahe gekommen sei. Doch was veranlasste den 58-Jährigen, die Treppen zum Angeklagten hochzusteigen. Es sei darum gegangen, dass immer dann, wenn er wegen Reparaturen ein Klopfgeräusch verursachte, auch vom Mieter oben ein nachahmendes Klopfgeräusch zu hören war.

Abgesehen davon beteuerte der Zeuge, dass er sehr wohl eine Maske getragen habe.

Auch seine Ehefrau, welche die eigentliche Vermieterin ist, wurde in den Zeugenstand gerufen. Zwar war sie beim eigentlich angeklagten Vorfall nicht dabei, doch sollten ihre Aussagen dem Gericht Indizien zur Lageeinschätzung liefern. Demnach habe der Angeklagte immer wieder versucht, den Mietzins zu drücken. Dem wiederum hielt Taubert entgegen, dass ihm dann und wann kein Strom zur Verfügung stand. Ist der abgestellt worden? Vielleicht gar aus Schikane?

Die Sache mit der Stromversorgung sollte undurchsichtig bleiben, aussagekräftiger schienen hingegen Fotoaufnahmen zu sein, welche Schürfwunden an Beinen und Armen des 58-Jährigen zeigten. Und noch etwas sollte das Gericht zur Überzeugung bringen, dass die Vermieterseite weniger das Problem gewesen sein mochte. In der „Zusammenschau“, so Richter Huber, sei doch auffällig, dass dem Mieter nie gekündigt wurde, obwohl er den Mietzins zu drücken suchte. Zudem hat Huber bei den Aussagen des Opfers und seiner Ehefrau „wenig Belastungseifer“ ausgemacht. Auch das sollte die Glaubwürdigkeit dieser Partei stützen.

Dass eine Bewährungsstrafe ausgesprochen wurde, war nicht verwunderlich, da der 56-Jährige bis dato nie mit dem Gesetz in Konflikt kam. Dennoch werden ihm seine Bewährungsauflagen etwas abverlangen. Für die Dauer von zwei Jahren ist er einem Bewährungshelfer unterstellt und 50 gemeinnützige Arbeitsstunden wird er überdies ableisten müssen.

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