Obermain-Therme
Ein schwer auszurottendes Übel
In der Obermain-Therme reservieren immer wieder Badegäste stundenlang Liegen durch das Ausbreiten ihrer Handtücher, obwohl sie diese Liegen gar nicht benutzen.
In der Obermain-Therme reservieren immer wieder Badegäste stundenlang Liegen durch das Ausbreiten ihrer Handtücher, obwohl sie diese Liegen gar nicht benutzen.
Foto: Matthias Einwag
Bad Staffelstein – Es ist eine Unsitte, Liegen mit Handtüchern zu belegen, so dass sie von anderen Badegästen nicht benutzt werden können.

Es ist ein Ärgernis in Hallenbädern, am Strand, in Freibädern und in der Obermain-Therme: Aufgestellte Liegestühle werden von Badegästen mit Handtüchern reserviert, obwohl diese das Möbel stundenlang nicht nutzen. Neu hinzukommende Gäste finden wegen dieser Rücksichtslosigkeit keinen Platz.

Einer Frau aus Ludwigshafen ging es in einem Ruheraum der Obermain-Therme so. Der Redaktion schrieb sie, dass sie seit 46 Jahren immer wieder nach Bad Staffelstein komme, um hier Urlaub zu machen und die Therme zu besuchen. Vor wenigen Tagen musste sie sich sehr ärgern: „Ich habe 2,5 Stunden gewartet, dass eine Liege im Ruheraum frei wird. Auf einem Drittel der Liegen lagen nur Handtücher.“ Sie bat daraufhin einen Bademeister, dafür zu sorgen, dass die regelwidrig mit Badetüchern reservierten Liegen freigeräumt werden.

Rücksichtnahme erbeten

Trotz einer Lautsprecherdurchsage habe sich niemand angesprochen gefühlt, eine Liegen frei zu machen, fährt die Frau fort. Im Mail an die Redaktion schreibt sie: „Der Bademeister wollte mir nicht behilflich sein, weil ich die Einzige sei, die sich beschweren würde und sich alle anderen Besucher damit arrangieren würden. Es gäbe schließlich noch mehr Vorschriften, die auch nicht eingehalten würden. Mein Fazit: Die Rücksichtslosigkeit siegt. Und das finde ich sehr bedenklich.“

Sie schlägt deshalb vor, die Therme sollte zum Beispiel Rentner einstellen, die sich darum kümmern, ungenutzte Liegen zu räumen. Wenn nicht gehandelt werde, müsse sie wohl oder übel bei ihrem nächsten Besuch ebenso rücksichtslos agieren wie die anderen Menschen. Überspitzt formuliert: „Beim nächsten Mal, wenn viele Besucher zu erwarten sind, komme ich ganz früh, stürme ungeduscht den Ruheraum und reserviere mir eine Liege für die ganze Zeit, in der ich im Bad bin. Ist doch mir egal, ob viele andere Besucher nicht in den Ruheraum können, obwohl sie genauso viel bezahlt haben wie ich. Ich gehöre jetzt schließlich zu einer großen Mehrheit. … Die Vorschriften sollen ja nur die Doofen blenden, die daran glauben.“

Personal räumt Liegen

Seitens der Thermen-Leitung ist das Problem erkannt. Die Marotte, eine Liege zu reservieren, sei leider schwer auszurotten, sagt Werkleiter Hans Josef Stich. Das Personal sei angewiesen, die Handtücher von den Liegen zu räumen, wenn Engpässe entstanden sind. Das werde auch gemacht: „Unsere Leute räumen die Liegen ab, doch zehn Minuten später sind diese Liegen wieder mit Handtüchern belegt.“

„Generell stehen genug Liegen für alle Gäste zur Verfügung, aber es halten sich nicht alle an das Gebot, nicht benötigte Liegen zu räumen“, sagt Stich. Leider gebe es bei vielen den Reflex, als erste Tat im Bad ein Handtuch zu platzieren. Er rät davon ab, dass Gäste zur Selbstjustiz greifen und die verwaisten Liegen abräumen. „Wir kündigen das Abräumen der nicht genutzten Liegen über Durchsagen an, das Personal geht dann in Zweierstreifen durch und räumt die Handtücher ab.“ Es gebe jedoch immer wieder Uneinsichtige, die über Sinn und Zweck dieser Regel diskutieren und die darauf bestehen, ihre Liege weiter zu reservieren. „Das hat’s schon immer gegeben, und es wird wohl leider nicht auszurotten sein“, resümiert Stich. Das sei so ähnlich wie bei Familien- und Behindertenplätzen, die auch häufig von Unberechtigten in Anspruch genommen werden.

Wegen der Pandemie ist der Zutritt in die Obermain-Therme weiterhin auf die Hälfte der Kapazität (936 Besucher gleichzeitig) beschränkt.ME

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