Bekämpfungsaktion
Experte rückt Raupen im Schutzanzug zu Leibe
Wie hier in Altenkunstadt erfolgt derzeit vielerorts die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners.
Wie hier in Altenkunstadt erfolgt derzeit vielerorts die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners.
Foto: Dieter Radziej
Altenkunstadt – Der Eichenprozessionsspinner, ein Nachtfalter, hat mit seiner grau-bräunlichen Farbe eher ein unscheinbares Aussehen. Doch der Schein trügt.

Seine Raupen, insbesondere deren Brennhaare, sind aber für Menschen gesundheitsgefährdend und können eine entzündliche Hautreaktion auslösen. Der Eichenprozessionsspinner hat eine besondere Vorliebe für die Eichen, hierzulande auch die Stiel-, Trauben- und Roteichen, wobei er Einzelbäume genauso gerne besiedelt wie ganze Wälder. Vor allem von Ende Juli bis Anfang September ist er recht aktiv, denn in diese Zeit, meist im warmen Monat August, fällt sein Hochzeitsflug. Unmittelbar danach legt das Weibchen 100 bis 200 Eier ab. Diese überdauern selbst strenge Winter, bevor im Mai und Juni die Raupen schlüpfen und mehrere Larvenstadien durchlaufen. Sie entwickeln dabei nicht nur ihre Brennhaare, sondern beginnen auch, die Blätter der Bäume bis auf deren Mittelrippe aufzufressen. Dies geschieht vor allem während der Nacht. Die Raupen, die in Familienverbänden leben, formieren sich dabei zu regelrechten „Prozessionen“, wodurch sie ihren Namen erlangt haben. Sie richten immense forstliche Schäden an, vor allem, indem sie die Eichen anfälliger machen für sekundäre Schädlinge. Tagsüber und zur Häutung ziehen sie sich meist in ihre schützenden Nester, die wie ein Gespinstballen aussehen, zurück. Diese befinden sich vor allem an dicken Ästen oder gut getarnt zwischen der Rinde von Bäumen.

Schilder warnen eindringlich vor dem Kontakt.
Schilder warnen eindringlich vor dem Kontakt.
Foto: Radziej

Abstand halten

Wer gegenwärtig aufmerksam durch die Landschaft wandert, der bekommt, so auch in der Gemeinde Altenkunstadt, entsprechende Hinweisschilder, wie an der Ortsverbindungsstraße nach Prügel, zu sehen. Sie warnen eindringlich davor, die Umgebung dieser Bäume aufzusuchen.

Danny Fischer aus einem Kulmbacher Baum- und Gartenpflege-Fachbetrieb ist derzeit mit der – umweltfreundlichen – Beseitigung der Schädlinge betraut – natürlich ausgestattet mit der nötigen Schutzkleidung. Denn in diesem Monat schlüpfen, nach einer entsprechenden Puppenruhe, die Falter – und der Fortpflanzungszyklus nimmt von Neuem seinen Lauf.

Erfreulich ist die Tatsache, dass Eichenprozessionsspinner auch natürliche Feinde wie Schlupfwespen, Raupenfliegen und eine ganze Reihe von Vögeln wie beispielsweise die Blaumeise, den Kuckuck, den Specht und Käfer haben.

Die Raupen sind in den Gespinstnestern gut getarnt.
Die Raupen sind in den Gespinstnestern gut getarnt.
Foto: Radziej

Sind diese nicht mehr in der Lage, die Schädlinge an einem befallenen Baum zu beseitigen, ist der Mensch gefordert. Selbst mit Pflanzenschutzmitteln aus Hubschraubern wurde dabei schon vorgegangen. Es gab zudem Versuche, die Nester abzuflammen, sie abzusammeln und abzusaugen. Bei den Maßnahmen muss der Einfluss auf das gesamte Ökosystem abgewogen werden. Vor allem auf öffentlichen Plätzen und im Umfeld von Siedlungsgebieten steht der Schutz des Menschen im Vordergrund. Bekannt sind mittlerweile auch ölhaltige Spritzmittel, die kaum mehr schadstoffhaltig sind, oder Substanzen enthalten, die die Raupen veranlassen, sobald sie diese verzehrt haben, ihre Fraßtätigkeit einzustellen.