Plakataktion
Gefrustet von rücksichtslosem Tun
Ein gutes Miteinander zwischen Bürgern und Bauern ist das Ziel einer Aktion des BBV. Kreisvorsitzender Michael Bienlein (links) und Kreisgeschäftsführer Hans-Jürgen Rebelein heften ein Plakat an einen Baum. Kreisbäuerin Marion Warmuth und der Weismainer Bürgermeister Michael Zapf schauen ihnen zu.
Ein gutes Miteinander zwischen Bürgern und Bauern ist das Ziel einer Aktion des BBV. Kreisvorsitzender Michael Bienlein (links) und Kreisgeschäftsführer Hans-Jürgen Rebelein heften ein Plakat an einen Baum. Kreisbäuerin Marion Warmuth und der Weismainer Bürgermeister Michael Zapf schauen ihnen zu.
Foto: Stephan Stöckel
Siedamsdorf – Der Bauernverband wirbt im Landkreis Lichtenfels plakativ für ein gutes Miteinander zwischen Bürgern und Landwirten.

Ein Schlagloch reiht sich an das nächste. Kreisobmann Michael Bienlein vom Bayerischen Bauernverband (BBV) bückt sich. Mit seinen Händen deutet er die Größe an, um die sein Acker in den vergangenen Jahren durch den zunehmenden Autoverkehr geschrumpft ist.

Autofahrer verbreitern den Feldweg  von Siedamsdorf zum Kordigast mit ihrer flotten Fahrweise. Mit seinen  Händen zeigt Michael Bienlein vor einem Schlagloch kniend die Größe, um die  sein Rotkleefeld geschrumpft ist.
Autofahrer verbreitern den Feldweg von Siedamsdorf zum Kordigast mit ihrer flotten Fahrweise. Mit seinen Händen zeigt Michael Bienlein vor einem Schlagloch kniend die Größe, um die sein Rotkleefeld geschrumpft ist.
Foto: Stephan Stöckel

Statt sich auf zwei Füßen zur „Steinernen Hochzeit“, einem beliebten Ausflugslokal auf dem Kordigast, zu begeben, nutzen immer mehr ihren vierrädrigen Untersatz. Der Feldweg ist aber nur für langsam fahrende landwirtschaftliche Fahrzeuge ausgelegt. Das hat Folgen, wie Bienlein erläutert: „Autofahrer, die etwas schneller unterwegs sind, räumen den Feinanteil des Splitts nach außen und mit der Zeit bilden sich Schlaglöcher.“ Über eine Autofahrerin, die einen seiner Äcker regelmäßig als Park- und Wendeplatz missbraucht hatte, kann Bienlein nur den Kopf schütteln. Erst als er ihr vor Augen geführt habe, dass hier der Roggen für ihr Brot entstehe, habe sie sich einsichtig gezeigt.

Zehn Prozent schwarze Schafe

Zwei Beispiele, die für den Bauernverband zeigen, dass das Verhältnis zwischen Bürgern und Bauern nicht immer störungsfrei sei. Alle Bürger über einen Kamm scheren wollen Bienlein, Kreisbäuerin Marion Warmuth, Kreisgeschäftsführer Hans-Jürgen Rebelein und der Weismainer Bürgermeister Michael Zapf jedoch nicht. „90 Prozent der Autofahrer, Hundebesitzer, Radler, Reiter und Wanderer verhalte sich vernünftig, aber leider gibt es auch zehn Prozent schwarze Schafe“, betont Rebelein.

Wiesen und Felder sind  keine Müllkippen. Die Fremdkörper können zerkleinert in das Tierfutter oder  die Nahrungsmittelketten gelangen.
Wiesen und Felder sind keine Müllkippen. Die Fremdkörper können zerkleinert in das Tierfutter oder die Nahrungsmittelketten gelangen.
Foto: BBV

An einem Baum unweit von Bienleins Acker in Siedamsdorf befestigen Bienlein und Rebelein ein Plakat, auf dem sie für ein gutes Miteinander zwischen Bürgern und Bauern werben. Erstere bitten sie, auf den Wegen zu bleiben, weder Hundekot noch Müll zu hinterlassen und dem land- und forstwirtschaftlichen Verkehr auf Wegen Vorfahrt zu gewähren.

„Mit der Aktion wollen wir die Bürger wieder einmal sensibilisieren“, sagt Landwirt Bienlein. Manche Menschen würden sich keine Gedanken darüber machen, welche Folgen zum Beispiel eine achtlos weggeworfene Glasflasche für den Landwirt und seine Tiere haben könne. Mit Glas- und Metallteilen verunreinigter Grasschnitt könne im Rindermagen zu Verletzungen und mitunter auch zum Tode führen, so Bienlein.

Hundekot in der Wiese nicht erwünscht

Magneten, die zur prophylaktischen Fremdkörpererkennung in den Netzmagen der Nutztiere eingeführt werden, bänden zwar Metall, nicht aber Glas, erläutert der Experte. Auch für Wildtiere bestehe eine Verletzungsgefahr. An die Hundebesitzer appelliert der Redner, darauf zu achten, dass ihre tierischen Freunde ihr Geschäft nicht auf der Wiese verrichteten. Rinder seien nämlich Pflanzenfresser. Im Hundekot wiederum befänden sich Bakterien, die diesen auf den Magen schlagen würden.

Felder und Wiesen sind keine  Müllkippen. Die Fremdkörper können zerkleinert in das Tierfutter oder die  Nahrungsmittelkette gelangen.
Felder und Wiesen sind keine Müllkippen. Die Fremdkörper können zerkleinert in das Tierfutter oder die Nahrungsmittelkette gelangen.
Foto: BBV

Während der Maisernte im Herbst verstecken Unbekannte immer wieder Metallteile auf Maisfeldern, was zu schweren Schäden am Mähdrescher oder Maishäcksler führt. Auch im Landkreis Lichtenfels hätten sich solche Vorfälle ereignet. Warum tun das Menschen? „Ich weiß nicht, was in diesen kranken Hirnen vorgeht. Vielleicht sind es militante Aktivisten“, mutmaßt Bienlein.

No-Go: Hunde, die nicht angeleint sind

Ein No-Go ist für Bienlein auch die Unsitte mancher Hundebesitzer, ihre Vierbeiner nicht angeleint über die Wiese laufen zu lassen. „Das Aufstöbern der Bodenbrüter kann zum Tode der Jungtiere führen“, stellt Bienlein fest. Als Landwirt liege ihm das Wohl aller Tiere am Herzen. Auch achtlos weggeworfene Zigarettenkippen sind eine Unsitte. Um diesem Übel vorzubeugen, hat sich die Stadt Weismain eine originelle Idee einfallen lassen. In der Touristinformation werden nach Auskunft von Bürgermeister Michael Zapf Dosen, in denen einst Luftgewehrkugeln aufbewahrt wurden, als Wanderaschenbecher verschenkt. Die Aktion des BBV ist nicht die erste ihrer Art. Auch Landwirte haben schon Hinweisschilder („Wiesen sind kein Hundeklo“) auf ihren Grundstücken aufgestellt – doch geändert hat sich nichts.