Feldfrüchte
Große Probleme beim Raps
Rapspflanzen bieten Bienen viel Nahrung.
Rapspflanzen bieten Bienen viel Nahrung.
Foto: Monika Schütz
Ummersberg – Landwirtschaftsfachleute erörterten in Ummersberg die aktuelle Situation für den Rapsanbau in Oberfranken.

Aktuell stechen wieder gelb leuchtende Felder ins Auge. Nach einem massiven Rückgang der Anbaufläche in den vergangenen Jahren scheint sich der Rapsanbau in Oberfranken wieder zu etablieren. Doch warum wurde der Anbau von Raps so unattraktiv, wenn er doch unzählig viele Verwertungsmöglichkeiten und pflanzenbauliche Vorteile bietet?

Eine Frage, auf die es viele Antworten gibt. Da wäre zum einen der Klimawandel: Immer wärmere und trockenere Wetterlagen, teils bis in den Herbst hinein, setzen der Blattfrucht arg zu. Während bei den Getreiden die Aussaat meist Ende September erfolgt, findet sie beim Raps bereits um den 15. August statt.

„Wenn tagelang kein Regen kommt, dann verdörrt er dir“, sagt der Landwirt Jürgen Finkel. Nachsäen sei nicht möglich. Seit 1976 bauen er und seine Familie diese alte Kulturpflanze an. Auf seinem Gutshof zwischen Itzgrund und Maintal fand heuer das jährliche Treffen des AELF (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und der Erzeugergemeinschaft für Raps Oberfranken (EZG) statt. Im jährlichen Wechsel besuchen dabei Fachleute, Mitglieder der jeweiligen Vorstände und des amtlichen Pflanzenschutzdienstes ausgewählte Höfe.

Familie Finkel bewirtschaftet einen solchen Hof. Seit dem die Finkels das Anwesen 1964 erworben haben, ist die Anbaufläche von anfangs 60 Hektar Land auf jetzt 400 Hektar gestiegen. Im Umkreis von rund zehn Kilometer Luftlinie wachsen hier die unterschiedlichen Feldfrüchte: Zuckerrüben, Raps, Mais, Wintergerste und Winterweizen. Und der Raps ist dabei kein Selbstläufer. Der Boden braucht eine gewissenhafte Fruchtfolge, das heißt, eine mindestens vier- besser fünfjährige Pause, bevor wieder Raps auf einem Feld gesät werden kann, auf dem schon Rapsbestand gewesen ist.

„Raps nach Raps einmal gemacht: Da geht nichts mehr“, weist Jürgen Finkel auf die enorme Anfälligkeit der Rapspflanze sowie auf die typischen Schädlinge hin. Käfer wie der Raps-Erdfloh und der Stängelrüssler können in geschlossenen Blüten große Schäden anrichten. Raps-typische Krankheiten könnten auftreten, etwa der Rapskrebs und die gefürchtete Wurzel- und Stängelfäule.

Doch auch politische Entscheidungen haben den Rapsbauern den Anbau in den vergangenen Jahre nicht leicht gemacht. Die immer strenger werdenden Düngemittelgesetze und die Verbote und Beschränkungen des Einsatzes von Unkrautvernichtungsmitteln, Insektiziden und Pilzmitteln haben zu einer deutlichen Reduzierung der Anbaufläche geführt. 

Erzeugergemeinschaft gegründet

„Von 23 000 Hektar im Jahr 2010 ging die Kurve nach unten bis zum Tiefpunkt im Jahr 2019 mit nur noch 9800 Hektar“, verdeutlichte Torsten Gunselmann vom BBV die Lage. Aktuell steige die Flächengröße wieder etwas. Denn die Landwirte reagierten. Sie schlossen sich zusammen zur Erzeugergemeinschaft für Qualitätssraps Oberfranken, einer mittlerweile 600 Mitglieder starken Organisation. Hier wird mit regionalen Partnern zusammengearbeitet, etwa mit Öl-Mühlen in Untersiemau und Kronach. Das Rapskorn hat einen Ölgehalt von rund 40 Prozent. Somit ist es eine der wichtigsten Öl-Pflanzen weltweit nach Palm und Soja, erklärte Klaus Siegelin von der EZG. Und weiter: In Deutschland werde Raps auf einer Fläche von 1,3 Millionen Hektar angebaut. Der Großteil der hier geernteten Körner gehe in die Verwertung als Bio-Diesel und spare so Treibhausgase ein. Rapsöl für die Verwendung als Speiseöl sei eines der wertvollsten Öle, vor allem durch den sehr hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und mehreren Linol-Säuren. Darüber hinaus falle der sogenannte Pressrückstand an, der als gentechnikfreies Eiweißfuttermittel in der Tierhaltung Verwendung finde.

Fallen für die Rapsschädlinge

Auch bei der Schädlingsbekämpfung sei man einen großen Schritt weiter. Bienenfreundlich werde mit Gelbschalen gearbeitet. Diese viereckigen Plastikschalen mit Gitter werden mit einer schwachen Lauge gefüllt. Während Bienen, Schmetterlinge oder andere Nutzinsekten draußen bleiben, fallen die Rapsschädlinge durch die Gitter. Schädlings-Fachmann Reinhard Ostermeier vom AELF Bayreuth sagt, damit habe man einen genauen Überblick über den Schädlingsbefall und könne schonend und umweltverträglich reagieren, Spritzmittel also geringstmöglich und nur bei Bedarf einsetzen.

Erstaunliche Fakten: Der Nektar eines Hektars mit Rapspflanzen reiche aus für 40 Kilogramm Rapshonig; die Pollen ernähren drei bis vier Bienenvölker. Aus demselben Hektar gewinne man Speiseöl für mehr als 3000 Halbliterflaschen sowie zweieinhalb Tonnen Rapsschrot (Proteinfutter). Das reiche für die Ernährung von drei Milchkühen pro Jahr.

Rapsöl habe die gleichen Omega-3-Fettsäuren wie Lachs. Die rund 1,5 Meter tiefe Pfahlwurzel der Pflanze helfe, den Boden zu stabilisieren. Während des einjährigen Anbaus werde der Ackerboden an elf Monaten von der Pflanze und ihrem enormen Blattwerk bedeckt.