Klimawandel
Hitze und Dürre setzen dem Wald stark zu
Die Trockenheit der vergangenen Jahre setzte vor allem dem Nadelholz zu. Ein Großteil dieser Bäume sind abgestorben und mussten verarbeitet werden.
Die Trockenheit der vergangenen Jahre setzte vor allem dem Nadelholz zu. Ein Großteil dieser Bäume sind abgestorben und mussten verarbeitet werden.
Foto: Matthias Einwag
Kloster Banz – Die Trockenheit der vergangenen Jahre macht dem Wald zu schaffen. Förster Sebastian Huth möchte deshalb neue Baumarten anpflanzen.

Hitze, Trockenheit und dann wieder Starkregen – extreme Wetterphänomene werden wohl in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zunehmen. Laut einer aktuellen Analyse in Auftrag der Bundesregierung sind viele Lebensbereiche vom Klimawandel bedroht. Durch klimatische Veränderungen wird es in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten wohl zunehmend mehr Schäden in den Kreisläufen der Natur, aber auch an der Infrastruktur und für das Wirtschaftssystem geben. Zu diesem Ergebnis kommt die Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland, die vor wenigen Tagen vorgestellt wurde.

Doch was bedeutet das für den Wald? Förster Sebastian Huth ist seit 2008 Betriebsleiter des Herzoglich Bayerischen Forstgutes Banz. Sein Revier umfasst 866 Hektar. Auf diesen Flächen stehen hauptsächlich Fichten, Buchen, Eichen und Lärchen. 45 Prozent Nadelhölzer, 55 Prozent Laubhölzer. Das jedoch ändere sich gerade dramatisch: Fichte und Kiefer leiden am meisten, sagt Huth. Der geringe Niederschlag in den vergangenen Jahren wirke sich aus. 2018 sei mit Abstand das trockenste Jahr gewesen: In diesem Jahr seien nur 360 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter von der der Wetterstation Unnersdorf registriert worden, deren Daten bis 1991 zurückreichen.

Der Holzpreis zieht wieder an

Welche wirtschaftlichen Folgen das für einen Forstbetrieb hat, fragen wir. Sebastian Huth: „Unsere Vorräte wurden in einer sehr kurzen Zeit abgebaut, wir mussten deutlich über dem nachhaltigen Hiebsatz ernten, weil die Bäume abgestorben waren. Wir mussten das Holz zu einem ungünstigen Preis auf den Markt bringen. Das war sogar defizitär.“ Im Moment sei jedoch eine Trendwende feststellbar, der Preis gehe steil nach oben, denn aus Deutschland werde sehr viel Holz exportiert. Inzwischen gebe es hierzulande einen großen Holzmangel. „Wir dürfen zur Zeit kaum Frischholz einschlagen, sondern nur Schadholz. Somit ist frisches Nadelholz eine Mangelware auf dem Markt, der Preis steigt wieder.“

Höherer Laubholzanteil wird angestrebt

Und was kann ein Förster tun, um den Wald zukunftstauglich zu machen? „Wir versuche, den Wald umzubauen“, antwortet der Förster. Angestrebt werde ein deutlich höherer Laubholzanteil, unter anderem mit Baumarten, die es in unseren Breiten bisher kaum gibt. Genaue Prognosen zum Klimawandel und zur steigenden Jahresdurchschnittstemperatur gibt es nicht: „Keiner kann uns sagen, ob es eineinhalb, zwei oder drei Grad mehr werden.“ Ziel sei es, „so viel Mischung auf die Fläche zu bekommen wie wir generieren können“. Die Naturverjüngung werde dabei integriert. Neue Baumarten wie Esskastanie und Douglasie würden eingebracht. es gebe Überlegungen, weiter Arten wie Baumhasel, Libanon-Zeder und Atlaszeder in ganz kleinen Stückzahlen mit einzubauen. Doch damit müsse man vorsichtig sein, denn mit diesen Arten gebe es keine Erfahrungswerte aus unseren Breiten. Dennoch möchte Sebastian Huth im Herbst 250 Zedern in den Banzbergen pflanzen.

„Wir versuchen weniger zu pflanzen, sondern mehr zu säen“, fährt Sebastian Huth fort. Verwendet werden sollen keine Pflanzen „aus dem Wellnessbereich der Baumschule, wo sie gedüngt und gegossen werden und wo die Feuchtigkeit kontrolliert wird“. Diese Pflanzen, die an optimale Lebensbedingungen gewöhnt sind, kommen mit den trockenen Waldböden nicht mehr zurecht. Stattdessen möchte Sebastian Huth nur die Bäume keimen lassen, die auf dem Standort zurechtkommen – im Banzer Wald ist das der staubtrockner Eisensandstein. Das führe zu einer natürlichen Selektion und hoffentlich zu widerstandsfähigen Wäldern.

Waldböden sind auf Jahre hin geschädigt

Dass viele Menschen meinen, nach den ergiebigen Regenfällen der vergangenen Wochen sei vieles wieder im Lot relativiert der Förster: „Der Boden ist nicht mehr in der Lage, das Wasser so zu halten wie früher. Das Porengefüge des Bodens ist nachhaltig zerstört. Bis das sich wieder aufbaut, dauert es mehrere Jahre mit normalem Niederschlag.“ Die Trockenheit habe dazu geführt, dass die Bäume Luft saugen statt Wasser. Das sei ein wenig so wie wenn ein Dieselmotor Luft in der Treibstoffleitung habe: „Dann kann man den Tank vollmachen, aber beim Motor kommt nichts mehr an.“

Was das Sterben alter Buchen angeht, ist Sebastian Huth inzwischen verhalten optimistisch. Buchen hätten eine breite genetische Veranlagung. Junge Buchen könnten sich zu einem gewissen Grad an die Klimaerwärmung gewöhnen„Die alten Bäume zwar nicht, die junge Generation aber schon, das sieht man in den Beständen schon.“

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: