Brauchtum
Einkauf für die „Hündla“
Geschafft: Das Mehl ist im Korb, die Szene ist im Kasten – Elli ist erleichert.
Geschafft: Das Mehl ist im Korb, die Szene ist im Kasten – Elli ist erleichert.
Foto: Monika Schütz
Kleukheim – Für ein besonderes Gebäck aus Kleukheim interessierte sich ein Kamerateam des BR und traf dabei Elli Schmitt in der Ultsch’n Mühle.

„Ich mach’ Hündla, die wer’n  aus Roggenmehl, Weizenmehl und Hutzelbrüh in Schmalz rausgebacken. Davor wer’n sie ausgenudelt und geradelt. Die muss ’mer mögn.“ Wer das hört oder liest, befindet sich unverkennbar im Fränkischen. Im Vergleich zu dieser Spezialität aus Kleukheim sind die „Haarischen“ aus Weismain oder die „Blöchla“ aus Teuschnitz ja schon fast ein bisschen langweilig. Und doch sind selbst diese Begriffe manchen Einwohnern nicht mehr ganz geläufig. Kein Wunder, sind es doch allesamt ganz besondere Backwaren, die nach langer Tradition gebacken werden.

Oft werden die Rezepte nur innerhalb der Familien weitergegeben. Auch die Namen der Backwerke sind oft so speziell, dass man selbst im Nachbarort den Begriff nicht kennt oder zuordnen kann. Das hat auch der BR-Redakteur Matthias Supé erfahren müssen. Doch nun kennt er sich aus, wenigstens ein bisschen: „Wir sind doch jetzt in der Gegend, wo die Hasen Huesn haasen, oder wie sagt ihr hier?", versucht er, Licht ins Dunkel der Dialekte zu bringen. Nicht ganz einfach für einen waschechten Münchner.

„Haarische“ und „Blöchla“

„Haarische“ sind geschnittene Hasen in der Gegend um Weismain, „Blöchla“ sind hohle Gebäckstücke, die – um einen Stiel gewickelt – gebacken und dann von der Form abgestreift werden. Man kennt sie in der Kronacher Gegend und in Teuschnitz. Doch „Hündla“?

An diesem Dezembertag sollten er und sein Team noch ein paar weitere Kuriositäten aus Oberfranken kennenlernen. „Ich bin die Elli Schmitt mit zwei harte T“, begrüßte ihn eine gut gelaunte Elisabeth Schmitt vor der Mühle. Zwei harte T?

Die Kleukheimerin hatte sich an diesem Vormittag auf den Weg nach Gößmitz gemacht, um dort in der Ultsch’n Mühle die Hauptzutaten für ihre „Hündla“ zu besorgen. Wegen ihr war das BR-Fernsehteam an diesem Tag schon früh um 8 Uhr in München gestartet. Plan der Oberbayern: ein Interview und Filmbeitrag mit Frau Schmitt zum Thema Traditionsbäckerei. „Wir sind auf der Suche nach alten, fast vergessenen Spezialitäten“, schwärmt Matthias Supé. Den Hinweis auf Frau Schmitt bekam das Fernseh-Team, als es vor nicht so langer Zeit einen Beitrag in Weismain drehte. „Da ging es um die Haarischen“, lacht Matthias Supé. Nun will er einen weiteren Beitrag für seine Sendung „Zwischen Spessart und Karwendel“ drehen und stellt das Schmalzgebäck aus Kleukheim vor.

Die Hutzelbrüh

Nur wenige Zutaten braucht es: Roggenmehl und Weizenmehl im Verhältnis zwei zu eins, Fett und selbst angesetzte Hutzelbrüh. Diesen Sud aus gedörrtem Obst (Äpfel, Birnen und Zwetschgen) stellt die Bäckerin Elli selbst her, ebenso die Dörrfrüchte, die sie schon im Herbst gedörrt hat. Das Rezept ist schon sehr alt, verrät sie, schon ihre Großeltern und natürlich auch ihre Eltern hätten „Hündla“ gebacken. „Die nahmen die Männer mit in den Wald, wenn sie dort arbeiteten, so hatten sie immer etwas zum Reinbeißen“, erzählt Elli. Doch nicht alles, was gebacken wird, darf auch verspeist werden. Und genau das ist es, was den Namen „Hündla“ ins Spiel bringt: Der Teig wird zu Figuren geformt, etwa einem Hund, einem Huhn mit Nest, einer Breze, einem „Schneckla“ oder einem „Fleck“. Jede Figur hat eine symbolische Bedeutung, erfährt man von Bäckerin Elli. Der „Hund“ ist das Symbol für den treuen Hofhund, der das Anwesen bewacht. Das alles und viel mehr erzählt die Kleukheimerin dem Filmteam.

Sendetermin: 8. Januar

Sehen kann man den Bericht über sie und ihr Rezept – übrigens auch, wie sie die Hutzelbrühe in ihrer Küche in Kleukheim selbst herstellt – in der Sendung voraussichtlich am Samstag, 8. Januar, in der Reihe „Spessart und Karwendel“ im Bayerischen Fernsehen um 17.45 Uhr.