Glosse
Eine Frühlingsgeschichte
Auf dem Brett übers Wasser gleiten und die Welt mit neuen Augen sehen …
Auf dem Brett übers Wasser gleiten und die Welt mit neuen Augen sehen …
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Lichtenfels – Wir sind umgeben von Zeichen. Vielleicht. Aber man muss sie auch zu lesen verstehen. Womöglich.

Zwei Fragen sind es, die Sabrina von je her beschäftigen: Gibt uns das Leben Zeichen oder bilden wir uns das alles nur ein? Aber vor einer Woche ging Sabrina unter die Mystikerinnen, denn sie fasste Vertrauen in die Worte einer Freundin, die sehr esoterisch ist. Immer wieder stößt diese bei den Kennzeichen vorbeifahrender Autos auf die Initialen ihres beknackten Freundes, fasst das als irgendwie positives Zeichen auf und verlässt den Deppen nur deshalb nicht. Und diese Frau riet nun also Sabrina, im Leben mehr auf Zeichen zu achten.

Ein neues Geschäftsfeld?

Mit diesem Ratschlag gut versorgt, ging Sabrina neulich an ihrem freien Tag mit sich und einer Idee schwanger etwas spazieren. Derzeit erwägt sie nämlich, sich ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen und wägt ab, wägt noch mal ab, tendiert mal dazu und mal hierzu.

Nun aber wollte es der Zufall oder wer auch immer, dass sie am Baggersee einer Bekannten begegnete, die Stand-Up-Paddling betreibt. Die beiden Mädels begrüßten einander freudig und erkundigten sich nach dem gegenseitigen Befinden. Dabei kam Sabrinas Befinden aufs Tapet und somit auch ihre Geschäftsidee. „Ich weiß nicht, ob ich das machen soll oder nicht“, erklärte Sabrina zu ihrem möglichen Vorhaben. Und die Freundin hatte auch einen Rat parat: „Komm', steige aufs Board und fahre über den See. Nichts macht dir den Kopf so frei wie Stand-Up-Paddling.“

Erst knien, dann aufstehen

Dann gab sie Sabrina eine Einweisung dazu, wie man dieses Brett samt Paddel überhaupt bedient. Erst solle Sabrina auf Knien über den See paddeln und dann könne sie ja aufstehen, erklärte die Freundin. So geschah es und Sabrina kniete sich hin und paddelte los. Drei Züge links, drei Züge rechts und so, wie ihr geheißen ward.

Während Sabrina so paddelte, hatte sie Zeit, sich etwas umzusehen. So fiel ihr Blick auf den Schriftzug auf dem Board und dort stand: „Ride, explore your world“ (Fahre hinaus, entdecke deine Welt). Ui, dachte sich Sabrina und beschloss, das als Zeichen zu sehen und das Wagnis eines neuen Geschäftsfeldes eingehen zu wollen. Sie verbrachte noch eine ganze Weile paddelnd auf dem Board, besah sich Landschaft und Natur, schloss die Augen und atmete tief durch.

Gut gelaunt ins Wasser fallen

Dann versuchte sie auch aufzustehen, verlor aber kurz die Kontrolle, fiel gut gelaunt ins Wasser und weiß seitdem, dass die heimischen Baggerseen auch in der ersten Juniwoche schon warm sind. Sie fühlte sich frei und irgendwie gut aufgehoben. Das Leben hatte ihr mit dem „Fahre hinaus, entdecke deine Welt“ ganz offensichtlich ein ermutigendes Zeichen geschenkt.

Am Abend dann ließ sie das Erlebte gedanklich noch mal Revue passieren. Dabei fiel ihr aber auf, dass auf dem Board nicht nur was vom Entdecken der Welt stand, sondern dass sie ja auch ganz schön baden ging. Da waren sie wieder, die beiden Fragen: Gibt uns das Leben Zeichen oder bilden wir uns das alles nur ein?

Der Depp und seine Initialen

Und die Moral von der Geschichte? Sabrinas Freundin ist immer noch mit ihrem Deppen zusammen. Der hat zwar neulich den gemeinsamen Jahrestag vergessen, aber weil ihr am selben Tag auch ein Coburger Auto mit seinen Initialen im Kennzeichen entgegenkam, hofft sie auf Besserung.