Glosse
Die Schwimmbaderleuchtung
Im Freibad liegen Sport und Erkenntnis nicht weit voneinander entfernt – weiß Markus Häggberg.
Im Freibad liegen Sport und Erkenntnis nicht weit voneinander entfernt – weiß Markus Häggberg.
Foto: Rinklef
Lichtenfels – Es ist schon eigenwillig, wo und wann ein Leben Erfüllung finden kann. Das muss man erst mal verkraften.

Neulich war ich mal wieder in Lichtenfelser Schwimmbad. Mich zieht es dann immer in das kleinere Becken, weil das Wasser dort einfach wärmer ist. Aber das ist nicht der einzige Grund. Es ist nämlich so, dass ich seit Jahren von der Vorstellung beherrscht war, wonach sich unter all den Lichtern über dem Schwimmbecken die Sternbilder der nördlichen Welthalbkugel befinden. Darum schwamm ich ja immer auf dem Rücken und suchte die Decke nach dem Großen Wagen und dem Nordpolarstern ab.

Aber so oft ich auch ins Schwimmbad und ins Warmwasserbecken ging, nie habe ich dort mein Lieblingssternbild gefunden. Wie ich so auf dem Rücken liege und nach oben stiere, kommt so ein herrenloses Schaumstoffschwimmkissen auf mich zugeschwommen. Ich schnappte es mir und während ich weiter die Decke im Blick behielt, gnibbelte ich gedankenverloren an ihm herum. Dabei habe ich eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Wenn man nämlich mit nassen Daumen darüber streift, kann man täuschend echt ein Geräusch erzeugen, dass nach Delfinlauten klingt. Ich weiß das sehr genau, weil ich früher immer sehr zuverlässig Flipper geschaut habe. Wenn dann auch noch das Timing passt und man zeitlich genauso lange quietschend am Schaumstoff rumgnibbelt, wie man auch Grimasse zieht, lässt sich den anderen Leuten im Becken aus angemessener Entfernung glatt vorgaukeln, dass man selbst Delfinsprache beherrscht.

Wie ich also so gedankenverloren gnibbelnd an die Decke starre, da leuchten plötzlich Lichter auf, die mir all die Jahre an dieser Stelle nie aufgefallen waren. Ergriffen sah ich, wie sie das Sternbild des Großen Wagens bildeten und ich hatte es entdeckt. Endlich und nach all den Jahren. Und obgleich es doch ein schönes Gefühl war, machte es mich auch ein wenig traurig. Denn ich bin erst 49 Jahre alt und habe jetzt keine Ziele mehr.