Kulturpreis
Iraner Abdollahi: „Sprache ist für mich Heimat“
Der iranische Schriftsteller Ali Abdollahi (links) wurde mit dem mit 10 000 Euro dotierten Chamisso-Publikationsstipendium der Friedrich-Baur-Stiftung ausgezeichnet; rechts im Bild sein Mentor Michael Krüger, der den Preisträger vorstellte.
Der iranische Schriftsteller Ali Abdollahi (links) wurde mit dem mit 10 000 Euro dotierten Chamisso-Publikationsstipendium der Friedrich-Baur-Stiftung ausgezeichnet; rechts im Bild sein Mentor Michael Krüger, der den Preisträger vorstellte.
Foto: Stephan Stöckel
Burgkunstadt – Der iranische Schriftsteller Ali Abdollahi wurde mit dem Chamisso-Publikationsstipendium der Friedrich-Baur-Stiftung ausgezeichnet.

Für den iranischen Lyriker Ali Abdollahi ist Sprache mehr als nur eine Form der Kommunikation. „Sie ist für mich Heimat“, erklärte er im Gespräch mit dieser Zeitung.

In des Schriftstellers Brust schlagen nach eigener Aussage zwei Herzen: Das eine schlägt für das Farsi, wie das Persische im Iran amtlich heißt, und das andere für die deutsche Sprache. In seiner zweiten sprachlichen Heimat, dem Deutschen, darf sich der 53-jährige, der eigene Gedichte bislang nur auf Farsi verfasst hatte, in den nächsten vier Jahren nach Herzenslust kreativ austoben. Das mit 10 000 Euro dotierte Chamisso-Publikationsstipendium der Friedrich-Baur-Stiftung macht es möglich.

Michael Krüger als Mentor

Begleitet wird der Dichter, der in Birjand in der Provinz Chorasan das Licht der Welt erblickte, von einem Mentor, den die Bayerische Akademie der Schönen Künste bestimmt hat. Es handelt sich um den Schriftsteller, Übersetzer, langjährigen Verlagsleiter des Carl-Hanser-Literaturverlages und ehemaligen Präsidenten der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Michael Krüger. Er überreichte am Sonntagabend in der Alten Vogtei den renommierten Preis an den iranischen Schriftsteller, der derzeit in Berlin lebt.

Abdollahi hat laut Wikipedia vier Gedichtbände veröffentlicht, die zu den gefragtesten Werken moderner iranischer Lyrik zählen. Von dieser Zeitung darauf angesprochen, wie er darüber denke, einen so renommierten Preis in einer Kleinstadt wie Burgkunstadt zu erhalten, meinte Abdollahi: „Früher gab es literarische Zentren wie zum Beispiel Paris. Im Zeitalter des Internets spielen diese nur noch eine untergeordnete Rolle. Jeder kann sich heutzutage unabhängig vom Wohnort kreativ entfalten.“

Das Ergebnis von Abdollahis kreativer Entfaltung bekamen die Zuhörer gleich in zwei Sprachen zu hören. Der Künstler trug mehrere seiner Gedichte in seiner Muttersprache Farsi vor. Krüger verlas danach die deutsche Übersetzung. Mit seiner bilderreichen Sprache zog er die Zuhörer in seinen Bann.

Metaphern für Unrechtsregime

In seinen Versen über die Proteste nach der iranischen Parlamentswahl im Jahr 2009 („Wutrede mit verschlossenem Mund“) wurden Tiere wie bissige Hunde oder Nachtfalter zu Metaphern für die Schergen des islamischen Unrechtsregimes, die in den Gefängnissen folterten.

Im Gespräch mit Krüger verriet Abdollahi, was einst seine Leidenschaft für die deutsche Literatur, Philosophie und Sprache geweckt hatte. In der Schule habe er eine schlechte Übersetzung von „Also sprach Zarathustra“ gelesen. „Das weckte in mir das Interesse, es besser zu machen.“

Nach einem Studium der deutschen Sprache und Literatur in Teheran wurde er zum Übersetzer deutschsprachiger Literatur ins Persische. Dazu zählen Werke von Bertolt Brecht, Friedrich Nietzsche oder Franz Kafka.

Gegenüber dieser Zeitung räumte der Preisträger offen ein, dass er seine lyrische Ader in Deutschland viel besser entfalten könne als in seinem Heimatland, wo die Meinungsfreiheit eingeschränkt sei und es wirtschaftliche Probleme gebe.

Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung von Roman Burka, der als einer der bekanntesten europäischen Virtuosen auf der arabischen Laute, der Oud, gilt. Einem breiten Publikum wurde er in Deutschland durch den Song „Yasmine“ bekannt, den er mit der Popband „Ich und Ich“ und dem ägyptischen Sänger Mohamed Mounir eingespielt hatte. In der Alten Vogtei tauchte der Künstler mit seinen Instrumentalstücken die 30 Besucher fernab von orientalisch angehauchter Pop-Musik in ein Wechselbad der Emotionen, das von getragener Schwermut über aufbrausende Intensität bis hin zu freudigen Tönen reichte.