Auftritt
Und Rosie hat immer noch ein Telefon
Mia san a bayrische Band: Die Spider Murphy Gang beim Auftritt im Rosengarten
Mia san a bayrische Band: Die Spider Murphy Gang beim Auftritt im Rosengarten
Foto: Werner Diefenthal
Bad Staffelstein – Die Spider Murphy Gang hat es immer noch drauf – was sie beim Gastspiel in Bad Staffelstein nachhaltig unter Beweis stellte.

Ein Konzert der besonderen Art gab es im Rosengarten. Die Spider Murphy Gang spielte unplugged, also nur mit Instrumenten, für die man keinen Stecker benötigt. „Ausverkauft“ hieß es schon Tage vorher auf den gängigen Internetseiten der Ticketverkäufer. Als jedoch dunkle Wolken über Bad Staffelstein aufzogen, umwölkten sich auch die Gesichter der Veranstalter. Doch zuerst strömte der Regen vom Himmel, dann die Besucher in den Kurpark. Nur vereinzelt blieben die Stühle, die man mühsam trockengewischt hatte, frei. Um Punkt 19 Uhr betrat die Band die Bühne, wurde begeistert empfangen. Das schien dann auch den Wettergott zu besänftigen, denn der Regen hörte auf und ließ sich auch bis zum Ende des Konzertes nicht mehr blicken. So stand einem zünftigen Rock ’n’ Roll Abend nichts mehr im Weg.

„Mai san a bayrische Band“, das war jedem klar. Und die Band schien aus circa 900 Mitgliedern zu bestehen, wenn man dem Gesang Glauben schenkte. Gemeinsam zog man sich die „Rock ’n’Roll Schuah“ an, sang und tanzte – natürlich corona-konform. Gute Laune war angesagt, vor allem, wenn Sänger Günther Sigl und Gitarrist Barny Murphy sich gegenseitig auf den Arm nahmen, dabei aber auch den Rest der Band mit durch den Kakao zogen.

Weiter gut aufgelegt spielte man sich durch die langjährige Bandgeschichte. Der Name der Band leitet sich aus der zweiten Strophe des „Jailhouse Rock“ von Elvis Presley ab, dem man mit „It’s alright Mama“, seinem ersten Lied, Tribut zollte. Dieses mündete dann in „Schickeria“, einer imaginären Nobelkneipe in Schwabing. Und hier zeigten die Musiker, was in ihnen steckt und was man alles auch aus akustischen Instrumenten herausholen kann. Brillante Soli von Ludwig Seuss am Klavier oder Otto Stanioli am Saxofon klangen aus der sauber ausgesteuerten Anlage, rissen die Besucher immer wieder zu spontanen Beifallsstürmen hin.

Vollblutmusiker unter sich

Doch auch die anderen Mitglieder der Band zeigten, dass sie wahre Vollblutmusiker sind. Spätestens beim fulminanten Schlagzeugsolo von Andreas Keller war jedem klar: man braucht keine elektronisch verstärkten Instrumente, um das Wummern im Bauch zu spüren. Willie Duncan, gebürtiger Schotte, zu dem Günther Sigl nur meinte „Er hat mit dem Brexit nix mehr am Hut, der hat jetzt die deutsche Staatsangehörigkeit“, hielt als Linkshänder die Gitarre richtig herum und überzeugte bei einem Solo. Richtig herum deshalb, weil seiner Meinung nach Rechtshänder sie falsch herum halten. Spielfreude und Intensität der Darbietungen ließen an diesem Abend wahrlich nichts zu wünschen übrig.

Ein weiteres Highlight war eine Coverversion des Chuck Berry Klassikers „Johnny B. Goode“ aus dem Jahr 1959, welches im Gegensatz zum Original hier in einem getragenen, eher reggaelastigen Arrangement vorgetragen wurde.

„Skandal“ als Zugabe

Als Zugabe durfte selbstverständlich ein Lied nicht fehlen. Aus dem Jahr 1981 stammt es und war damals ein Skandal. Nicht nur im Titel, sondern auch und vor allem wegen des Vokabulars. Einige Radiosender weigerten sich wegen des zum Teil etwas anstößigen Textes, wie man es zu dieser Zeit sah, das Lied zu spielen. Dennoch spülte gerade „Skandal im Sperrbezirk“ die damals noch recht unbekannte Band 1981 im Umfeld der „Neuen Deutschen Welle“ an die Spitze der Hitparaden. Auch heute kennt jeder immer noch Rosies Nummer.

Vor der letzten Zugabe wurde Sänger Günther Sigl ein wenig melancholisch, als er auf die schwierige Zeit zu sprechen kam, die alle Musiker und Künstler gerade erleben. Aber er machte Hoffnung. „Für uns ist jeder Tag Weihnachten, wenn wir wieder vor euch spielen dürfen. Wir sind wieder da!“, rief er ins Publikum, das frenetisch applaudierte. „Aber was wären wir ohne euch? Nichts!“, fügte er noch als Dank hinzu. So kann man das letzte Stück, „Herztropfen“ – wohl auch als Hommage an das Publikum.