Ringen
ACL-Neuzugang: Erfolge liegen in den Genen
Der Ungar Zsombor Gulyas (oben), der die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt hat, will mit dem AC Lichtenfels an seine Erfolge anknüpfen.
Der Ungar Zsombor Gulyas (oben), der die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt hat, will mit dem AC Lichtenfels an seine Erfolge anknüpfen.
Foto: Archiv/ACL
Lichtenfels – Der Ungar Zsombor Gulyas kommt zu den Eagles Lichtenfels. Der 28-Jährige hat – wie sein Vater – eine sagenhafte Siegesbilanz.

Mit den Neuverpflichtungen von Niklas Ohff, Max Schwabe und Karl Marbach zieht sich schon jetzt eine Leipziger Achse durch den Bundesliga-Kader der Lichtenfelser Eagles. Komplettiert wird diese nun von Freistil-Ass Zsombor Gulyas. Der gebürtige Ungar wird die Ringer-Mannschaft des AC Lichtenfels künftig in den mittleren Gewichtsklassen unterstützen.

„Ich habe 2019 in Sachsen als Landestrainer angefangen“ erzählt der 28-jährige „seither funktioniert es gut, Trainer zu sein und selbst Sport zu machen“. Das bestätigt seine Bilanz. Vor zwei Jahren verbuchte Gulyas sieben Siege in acht Saisonkämpfen für den FC Erzgebirge Aue – einen davon gegen den ACL. Im November 2019 gewann er im Bundesliga-Kellerduell in der 75-Kilogramm-Klasse gegen Johannes Lurz vorzeitig und trug so zum knappen 14:12-Sieg der Sachsen in der AC-Halle bei.

69 Siege in 77 Kämpfen

Nach der coronabedingten Pause im vergangenen Jahr will der Freistiler in diesem Jahr wieder angreifen. Nimmt man die Einsätze in der ersten und der zweiten Bundesliga zusammen, kommt der Neuzugang auf einen beachtlichen Rekord von 69 Siegen in 77 Einsätzen. „Mein Ziel wäre, bei Lichtenfels bis 100 hoch zu gehen“ führt Gulyas aus. Dass er seine gute Bilanz dabei halten will, versteht sich von selbst.

Zsombor Gulyas trug 2015 bei der Europameisterschaft in Baku das Nationaltrikot Ungarns. In der kommenden Saison will er als Deutscher für die Eagles Lichtenfels Punkte sammeln.
Zsombor Gulyas trug 2015 bei der Europameisterschaft in Baku das Nationaltrikot Ungarns. In der kommenden Saison will er als Deutscher für die Eagles Lichtenfels Punkte sammeln.
Foto: ACL

Diese Statistik hat sich der Ungar über Jahre aufgebaut. Seit 2010 ringt Gulyas in Deutschland, angefangen beim damaligen Südbadener Verbandsligisten KSW Wollmatingen, zu dem er über seinen Vater István kam. „Er hat damals lange dort gerungen und nur einmal verloren – in 14 Jahren“. Und auch das Trainer-Gen hat der Sohn wohl geerbt. Vater István ist seit 20 Jahren ungarischer Freistil-Bundestrainer.

Einbürgerung läuft

Zsombor wollte aber höherklassig ringen, was er zunächst 2013 in der 2. Liga Nord beim AC Werdau tat. Heute blickt er auf sieben Jahre in den höchsten deutschen Ligen zurück, lebt in Deutschland, hat das Abitur abgelegt und arbeitet hier. Aktuell bemüht sich Gulyas um seine Einbürgerung. „Ich habe alle meine Papiere abgegeben und hoffe, dass ich auch vom Spitzenverband etwas Unterstützung bekomme“, sagt der Freistiler, der bis Ende 2024 als sächsischer Landestrainer eingeplant ist. „Mir ist es wichtig, wenn ich schon die Sprache spreche, hier wohne und an einer umfangreichen Integration und für den deutschen Leistungssport arbeite, am Ende auch ein Teil Deutschlands zu sein. Aber die Bürokratie ist langsam.“ Nicht nur Gulyas hofft, dass die Einbürgerung zeitnah funktioniert.

Deutscher Pass von großem Vorteil

„Wenn er Deutscher wäre, wäre das auch für uns gut“, sagt Heiko Scherer, Mannschaftsführer des AC Lichtenfels. Schließlich ist die Nationalität des Sportlers ausschlaggebend für die Punktezahl, die der Aktive in die Aufstellung einbringt. Bei Gulyas wären das dann einer (mit deutschem Pass) oder eben fünf Punkte als Ungar. Das beeinflusst das wöchentliche Rechenspiel.

„Aber wenn nicht, dann ist es halt so – deswegen bekommen wir ihn genauso unter“, sagt Scherer, der im Herbst zusammen mit Daniel Luptowicz versuchen wird, mit den maximal 28 verfügbaren Punkten für die zehn Ringer umfassende Aufstellung die effizienteste Mannschaft für jeden Kampftag zusammenzustellen.

Neuzugang ist optimistisch

Der Bundesliga-Saison blickt Gulyas optimistisch entgegen: „Wir haben einen guten Kader, damit ist viel möglich. Dafür müssten aber unsere besten Leute für die wichtigen Kämpfe erreichbar sein.“ Gerade vor dem Hintergrund, dass im Kader der Eagles viele Sportler stehen, die mit Nationalmannschaften unterwegs sind, wird das – zusammen mit der unsicheren Reisesituation wegen der Pandemie – die Einsatzmöglichkeiten einzelner Aktiver im Kader beeinflussen.

Dass die Saison stattfinden kann, steht für den Leipziger aber außer Frage, schließlich schreiten die Impfungen voran. Der Sportbetrieb an sich, wie ihn auch andere Sportarten wieder aufgenommen haben, sollte möglich sein. Die Vorfreude, in ein paar Monaten mit dem Lichtenfelser Team aktiv zu sein, ist ungetrübt, zumal Gulyas dann mit seinen Leipziger Freunden wie Karl Marbach, Max Schwabe oder Niklas Ohff Erfolge feiern will.