Vielfalt
Obermain-Region hat ungemein viel zu bieten
Regionales Mehl ist gefragt, doch in wie vielen Arbeitsschritten wird es eigentlich hergestellt? Müllermeister Andreas Ultsch (links) erklärt es fachkundig.
Regionales Mehl ist gefragt, doch in wie vielen Arbeitsschritten wird es eigentlich hergestellt? Müllermeister Andreas Ultsch (links) erklärt es fachkundig.
Foto: Monika Schütz
Bad Staffelstein – Der Staffelsteiner Genusstag wurde diesmal dezentral organisiert. Warum das vielen Erzeugern und Besuchern entgegenkam.

Zwei Jahre im Kurpark, danach zwei Jahre ausgelagert zu den Produzenten: Coronabedingt fand der Genusstag in diesem Jahr dezentral statt. Die einen freute es: Ein großer Teil der Direktvermarkter oder Teilnehmer des „Tags der offenen Tür“ waren nicht nur glücklich über das herrliche Spätsommerwetter, sondern auch, dass sie ihre Ware nicht erst in den Kurpark hintransportieren, dort aufbauen, im Bedarfsfall von zu Hause Nachschub holen und abends wieder abbauen und heimtransportieren mussten.

„Meine Bienenvölker hätte ich den Gästen im Kurpark so nicht so zeigen können“, meinte Imkerin Petra Menzl von der neuen Honigmanufaktur in Stadtmitte, „eine Auslagerung vom Kurpark ist nicht verkehrt“. So sah es auch Andreas Ultsch. Der Mühlen-Meister aus Gößmitz hatte dabei eher die Unbeständigkeit des Wetters im Blick: Für seine Produkte, ob verschiedene Mehle oder das Schau-Mühlrad mit den mehr als zehn Getreiden und Spelzensorten, wäre feuchtes Wetter sehr heikel.

140 Tomatensorten zu bestaunen

Gar nicht in Frage käme es für den Unterzettlitzer Schnapsbrenner Florian Leicht. Wie hätte er seine Gin-Schau-Brennerei dorthin transportieren sollen? Nächstes Beispiel: Eine Ausstellung mit mehr als 140 Sorten Tomaten im Kurpark? Die Grundfelder Tomaten-Frau Helga Dressel hätte gehörig organisieren müssen. Erstmals beim Genusstag dabei waren das Staffelsteiner Schäfer’s Café, der „Hopfenrebel“ am Ortsrand, die mittlerweile elfte Brauerei im Stadtgebiet, und „Adams Kaffeerösterei“.  

Hochprozentiges: Thermenkönigin Michelle I. schaute sich die Gin-Herstellung bei Brenner Florian Leicht an.
Hochprozentiges: Thermenkönigin Michelle I. schaute sich die Gin-Herstellung bei Brenner Florian Leicht an.
Foto: Monika Schütz

„Der Tag der offenen Tür kann ja nur stattfinden, wenn sich die Genussanbieter beteiligen“, freute sich Anne Maria Schneider. Die Leiterin des Kur- und Tourismus-Service weiter: „Die richten alles so schön her – ihre Produkte werden so lecker und appetitlich präsentiert!“ Und da hatte sie ausnahmslos recht: Hunderte Besucher waren am Sonntag teils schon weit vor 11 Uhr unterwegs, deckten sich mit regionalem Obst und Gemüse bei allein drei Verkäufern in Loffeld ein und nutzen die Gelegenheit, mit den Herstellern direkt ins Gespräch zu kommen.

Erfahren, wie Mehl gemahlen wird oder was man mit Dinkel alles backen kann, das zeigte Andreas Ultsch vor Ort an seinem riesigen Mahlwerk. „Die Leute sind seit Corona mehr zu Hause  – da wird dann auch mehr gebacken“, erklärte er.

Das Geheimnis des Gins

Die Menschen würden bewusster und sorgfältiger ihre Lebensmittel auswählen, wusste Hega Dressel. An ihrer Schautafel zeigte sie einprägsam die CO2-Werte bei regionalen und saisonalen Produkten. „Eigene Ernte ist am umweltfreundlichsten“, stellte sie klar. Fragen zur Tierherkunft und Vermarktung beantwortete Angelika Weidner. An ihrem Stand in Stublang gab es Hausgeschlachtetes und mehr. Keine Antwort gab es in Unterzettlitz auf die Frage von Thermenkönigin Michelle I.: Sie wollte von Florian Leicht das Geheimnis des Gins erfahren. Nur so viel verriet er, dass das hochprozentige Getränk neutralen Alkohol, Wacholderbeeren, Gewürze und Zitrone enthält. Keinerlei Geheimnisse gab es in Schäfer’s Cafe: Gerupfter, sämtliches Grillgut inklusive Beilagen und alle Biere stammen ausschließlich aus der Region. Pech nur für die ebenfalls regionalen Weißwürste: „Keine hat das 12-Uhr-Läuten gehört“, lächelte Mitarbeiterin Tanja Salewsky.

Was passiert nächstes Jahr?

Ob der ausgelagerte „Tag der offenen Tür“ im nächsten Jahr eine neue Auflage bekommen wird, oder wieder zentral im Kurpark stattfinden wird, ist noch unklar. „Das werden wir mit den Anbietern gemeinsam besprechen“, so der amtierende Bürgermeister Hans-Josef Stich. Doch wie würde dann etwa Susi Mayr ihre Krapfenbäckerei präsentieren können? Für manche, teils ortsunkundige Gäste wäre die Verlegung allerdings wünschenswert: Alles zentral an einem Ort, man kann an jedem Stand schauen, man kann bummeln und muss nicht von einem Anbieter zum nächsten hetzen, man braucht kein Auto und man kann nach einer hochprozentigen Probe mit dem Zug heimfahren, so einige Stimmen der Besucher. Es ist ein Vorteil, den Produzenten direkt zu Hause aufzusuchen und dort zu schauen, wie alles hergestellt oder gemacht wird, sagen die anderen.