Ferienprogramm
Ohne Scheu den Bienen zugeschaut
Die Bienen blieben ganz ruhig auf der von der Imkerin gezeigten Wabe und ließen sich bedenkenlos aus der Nähe betrachten.
Die Bienen blieben ganz ruhig auf der von der Imkerin gezeigten Wabe und ließen sich bedenkenlos aus der Nähe betrachten.
Foto: Mario Deller
LKR Lichtenfels – Das Imkerehepaar Schmidt und Tausende der fleißigen Insekten gewährten Einblicke in ihre wichtige Arbeit.

Elektrisches Licht, Fernseher, Navi, in manchen Haushalten selbstfahrende Rasenmäher – allerhand Annehmlichkeiten beschert uns der unaufhaltsame technische Fortschritt. Doch auch im 21. Jahrhundert haben wir nicht alles allein in der Hand. Ein auf dem ersten Blick unscheinbares, aber bei näherem Hinsehen höchst beeindruckendes Beispiel ist die Herstellung von Honig. Hier ist der Mensch auf die unermüdliche Arbeit der Bienen angewiesen. Bei der Pfingstferienprogramm-Veranstaltung am Bienenhaus bei Banz erfuhren Kinder mehr darüber und die Zeit verstrich wie im Flug.

Um Honig nutzen zu können, braucht es Imker wie Kerstin und Helmut Schmidt. Das Ehepaar aus Redwitz gab acht Jungen und Mädchen mit deren Eltern einen spannenden Einblick in die Imkerei.

Kerstin Schmidt ist Bienenfachwirtin und Bienensachverständige sowie für die Umweltstation in Weismain tätig. Auch ihrem Ehemann ist, wenn er von der Imkerei redet, die Leidenschaft anzumerken. „Wer regiert das Bienenvolk?“ Auf diese Frage von Kerstin Schmidt schnellten viele Finger nach oben. Diesen Part übernimmt natürlich die Königin, die, wie die Teilnehmer erfuhren, im Sommer am Tag bis zu 2000 Eier legt. Begleitend vom Summen tausender Bienen, die unbeirrt ihrer Arbeit nachgingen, beleuchteten Kerstin und Helmut Schmidt die verschiedenen Facetten der Imkerei und die Lebensweise von Arbeiterinnen, Drohnen und Königin.

„Die Biene ist unser drittwichtigstes Haustier, ohne sie gäbe es keine Beeren und kein Obst“, verdeutlichte Kerstin Schmidt, nannte Pollen als wichtiges Eiweißfutter für die kleinen Larven und erläuterte mit ihrem Ehemann die Utensilien, die beim Imkern zum Einsatz kommen.

Die Imkerei hat viele interessante Facetten. Hier betrachtet ein junger Teilnehmer einen Holzrahmen, der den Tieren das Ausleben ihres natürlichen Bautriebes ermöglicht.
Die Imkerei hat viele interessante Facetten. Hier betrachtet ein junger Teilnehmer einen Holzrahmen, der den Tieren das Ausleben ihres natürlichen Bautriebes ermöglicht.
Foto: Mario Deller

Beispielsweise bauen die Bienen auf so genannten Mittelwänden aus Wachs die vorgeprägten Zellen aus. Diese dienen sowohl als Brutraum für den Nachwuchs als auch als „Vorratsbehälter“ für Honig und Pollen.

Wenn eine Biene gestochen hat…

Unaufgeregt gingen die beiden Kenner der Materie auch auf das Thema Bienenstiche ein. Auch für Erwachsene hilfreich ist der Hinweis, dass die Biene nach dem Stich nicht nur den Stachel verliert. In der menschlichen Haut stecken bleibt zusammen mit dem Stachel nämlich zusätzlich eine Giftblase mit einem Muskel, der das Gift in den menschlichen Körper pumpt. „Deshalb ist es keine gute Idee, den Stachel mit einer Pinzette heraus zu ziehen, dadurch drückt man das Gift ja erst rein“, merkte Kerstin Schmidt an. Die bessere Vorgehensweise sei, den Stachel mit dem Fingernagel wegzuwischen. Darüber hinaus empfahl sie den Kindern, wenn sich ihnen eine Biene nähert, nicht panisch herumzufuchteln, denn dadurch fühlt sich das Tier bedroht. Bei der Ferienprogrammveranstaltung hatten die Kinder und ihre Eltern aber nichts zu befürchten. Das Ehepaar bringt eine Menge Erfahrung in der Imkerei mit. Zur Anwendung kam zudem ein sogenannter Smoker: Durch den von diesem Handgerät ausgestoßenen Rauch bleiben die Bienen ruhig.

Die Scheu – wenn sie denn überhaupt bei den Kindern anfänglich vorhanden gewesen sein sollte – war bald einer großen Neugier gewichen. Überhaupt liegt die Imkerei wieder im Trend, wie Helmut Schmidt im Gespräch am Rande berichtet. Während früher ältere Imker mit relativ vielen Völkern dominierten, sind in den vergangenen Jahren zunehmend junge Menschen in die Imkerei eingestiegen. Die Anzahl der in Bayern gehaltenen Bienenvölker wuchs von 2010 bis zum Vorjahr um stolze 55 000 an auf 258 000.

Schließlich ging es zur Verköstigung des Honigs; auf Oblaten wurde dieser zum Probieren gereicht. Gut möglich, dass an diesem Freitagnachmittag ein Kind nicht nur kulinarisch auf den Geschmack gekommen ist: Wer sich für die Imkerei als Hobby interessiert, möge sich an an einen örtlichen Imkerverein wenden und kann dann an theoretischen und praktischen Kursen teilnehmen.