Theatersommer
Musikalische Liebeserklärung an das Frankenland
Sorgten mit Gesang, Instrumentalmusik und vor allem einer Hommage an die fränkische Mundart für Unterhaltung im Kurpark: Lorraine Bühl und Franz Zwosta.
Sie sorgten mit Gesang, Instrumentalmusik für Unterhaltung im Kurpark: Lorraine Bühl und Franz Zwosta.
Foto: Mario Deller
Bad Staffelstein – Lorraine Bühl und Franz Zwosta fühlen im Kurpark dem Franken sprachlich auf den Zahn. Und lüften dabei so manches Geheimnis des fränkischen Dialekts.

Nein, die knapp 30 Zuhörer, die sich in einem überdachten Bereich des Kurparks an diesem Donnerstagabend eingefunden haben zur Darbietung des Fränkischen Theatersommers, waren gewiss keine „Ziebala“.

Diese empfindliche Naturen bezeichnende Wortschöpfung fand bei der eineinhalbstündigen, aber ausgesprochen kurzweiligen Hommage an Franken und seine Mundart zwar keine Verwendung. Doch davon abgesehen begeisterten Lorraine Bühl und Franz Zwosta das Publikum getreu dem ausgegebenen Motto „Was Sie schon immer über Franken wissen wollten“ mit einem bunten Strauß an fränkischer Lebensart.

„Der allerschönsde Dialeggd“

Die unumstößliche Tatsache, dass der hiesige Dialekt das Sahnehäubchen der deutschen Mundart darstellt, besangen das Duo mit dem Eingangslied „der allerschönsde Dialeggd“. Was anschließend folgte, war eine höchst abwechslungsreiche Liebeserklärung an das schöne Frankenland mit seinen herrlich-kreativen Wortschöpfungen und an die hier lebenden Menschen. Was sich liebt, das neckt sich bekanntlich.

Neben fränkischen Kirchweihbräuchen und manch anderen Trümpfen, mit denen Franken punkten kann, durfte der „Hopfenblütentee“ als inoffizielles fränkisches Grundnahrungsmittel nicht fehlen. Am Ende etwas über den Durst getrunken hatte der im Mundartlied „Wie späd iss auf der Wärdshausuhr?“ besungene Gast. Posaune, Gitarre und Ukulele kamen als instrumentale Begleitung zum Einsatz sowie – bei fränkischen Weisen eigentlich unverzichtbar – natürlich auch die „Quedschn“ (zu hochdeutsch: Schifferklavier).

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Dass der Unterfränkin Lorrain Bühl das Tanzen im Blut liegt, konnten das Publikum unschwer erkennen. Nicht von ungefähr wurde Bühl bei Tanzwettbewerben mehrfach deutsche Meisterin sowie 2007 im Bereich „Moderner Tanz“ und 2016 in der Kategorie „Gesang und Tanz“ zwei Mal sogar Weltmeisterin.

Und da sind wir wieder beim Thema „Ziebala“: Dass es zu diesem Zeitpunkt immer noch nieselte und sie für die Darbietung aus Platzgründen den überdachten Bereich verlassen musste, tat ihrer sichtlichen Freude am Tanzen keinerlei Abbruch.

Das Lied vom „Muggnbadscher“

An lauen Abenden, wie es dieser einer hätte sein können, ärgern wir uns bisweilen über die „Schnoogn“, meinte Zwosta dann. Das war das Stichwort zum Lied über die segensreiche Erfindung des „Muggnbadschers“ , wie der Franke die Fliegenklatsche nennt. „Flieg doch zu, du blöder Schnoog, ward nur, bis ich dich erschlog!“

Weil es ja sein konnte, dass im Publikum auch Touristen oder „Reingeschmeckte“ sitzen könnten, die des Fränkischen (noch) nicht so mächtig sind, lieferte Lorraine Bühl beim Lied „Die Zuständ“ mit ulkiger Brille und gespielt hochnäsiger Mimik eine Simultanübersetzung ins Fränkische. „Die Sau frisst an Waas – das Mutterschwein tut sich am Weizen gütlich.“

Besonders die amüsante Art, wie fränkische Ausdrücke und Sätze in etwa im Wirtshaus spielende Geschichten oder Dialoge zwischen Mann und Frau eingebunden wurden, kam beim Publikum hervorragend an.

Lorraine Bühl und Franz Zwosta stimmten im Kurpark überwiegende heitere Töne an, jedoch hin und wieder auch einmal bewusst nachdenkliche Töne, so etwa beim Gedicht „Nochruf“ (Nachruf). In diesem spiegelt sich das Leben eines Verstorbenen wider, der zeitlebens von seinem Mitmenschen unfair und lieblos behandelt wurde. An seinem Grab bricht sich dann die schiere Scheinheiligkeit Bahn mit dem finalen Ausspruch „Grod denn hodds erwischt.“

„Ja, wo ist denn das Görchla“

Das Publikum erfuhr auch, was der Franke mit „Fregger“ meint und dass es kein Kompliment darstellt, als „Bimberlawichtig“ bezeichnet zu werden. Nach lang anhaltendem Abschlussapplaus durfte sich das Publikum noch über zwei Zugaben freuen.

„Wo is denn des Görchla, Görchla is fei ned daham. Des iss auf der Kerwa, frisst die ganzen Brodwörschd zamm.“ Der Regen dürfte den Zuhörern auf dem Nachhauseweg gar nichts mehr ausgemacht haben.