Wallfahrt
„Oberfränkische Marientour“ nimmt Fahrt auf
Gute Laune trotz grauen Himmels herrschte bei der feierlichen Segnung des ersten Radpilgerwegs Oberfrankens. Mit von der Partie waren unter anderem (von links) Weihbischof Herwig Gössl nebst Ministrantin, Romanus Scholz und ADFV-Landesverband-Geschäftsführerin Petra Husemann-Roew (verdeckt), Staatsministerin Melanie Huml und die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner.
Gute Laune trotz grauen Himmels herrschte bei der feierlichen Segnung des ersten Radpilgerwegs Oberfrankens. Mit von der Partie waren unter anderem (von links) Weihbischof Herwig Gössl nebst Ministrantin, Romanus Scholz und ADFV-Landesverband-Geschäftsführerin Petra Husemann-Roew (verdeckt), Staatsministerin Melanie Huml und die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner.
Foto: Mario Deller
Prächting – An der Prächtinger Hankirche segnete der Bamberger Weihbischof Gössl den neuen Radpilgerweg, der 580 Kilometer durch den Bezirk führt.

Radfahren ist „in“, und viele Radler kommen beim Pilgern zu sich und zur Ruhe. Beides schließt sich nicht aus, ganz im Gegenteil. So kam eines zum anderen. Auf Initiative des Erzbistums Bamberg und in gelungener Kooperation mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sowie der regionalen Entwicklungsagentur „Oberfranken offensiv“ und den Kommunen und Tourismusorganisationen entstand die Idee eines oberfränkischen Radpilgerwegs. Nun erfuhr die „Oberfränkische Marientour“, so der offizielle Name, in und an der Hankirche bei Prächting die feierliche Segnung mit Weihbischof Herwig Gössl.

„Von Anfang an begeistert“

Zum Auftakt konnte die Veranstaltung wegen des regnerischen Wetters nicht wie geplant im Freien stattfinden; sie nahm ihren Auftakt wetterbedingt in der Hankirche. Das tat der feierlichen Stimmung aber keinen Abbruch. „Die Idee, nicht nur zu Fuß zu pilgern, sondern auch auch mit dem Fahrrad von Pilgerstätte zu Pilgerstätte zu reisen, finde ich wunderbar und hat mich von Anfang an begeistert“, meinte etwa Melanie Huml (CSU), die bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und oberfränkisches Mitglied im Landeskabinett des Freistaats. Der Bezirk habe für (Rad-)Reisende ja auch viel zu bieten, so Huml, die die gute Zusammenarbeit von „Oberfranken Offensiv“ mit dem ADFC hervorhob. Dass es nun eine oberfränkische Pilgerroute für Radler gebe, bezeichnete sie als „geniale Idee“.

Domkapitular Martin Emge ging anschließend auf die Entstehungsgeschichte der „Oberfränkischen Marientour“ ein. Gedanklicher Ausgangspunkt hierfür war der ebenfalls konzipierte Marienwanderweg, der seinerseits am Sonntag, 15. August (Mariä Himmelfahrt), seine offizielle Eröffnung erfahren wird. Türen und Herzen aller, die dabei ins Boot geholt wurden, waren laut Emge offen, als es an die Umsetzung der Idee eines oberfränkischen Pilgerradwegs ging. Es sei, so der Geistliche weiter, hervorragend gelungen, den Fränkischen Marienwanderweg und die die Radler ansprechende „Oberfränkische Marientour“ zu verzahnen. Emge sprach von einer „organischen Einheit nach dem Motto ,Zwei Projekte – ein Ziel’“. Er findet es schön, wie hier eine alte Wallfahrtsidee weiterentwickelt werde, und zitierte den früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer: „Wallfahrtsorte sind die heimlichen Hauptstädte.“ Genauso wie vorher Melanie Huml dankte auch er allen, die zur gelungenen Realisierung des oberfränkischen Marienpilgerradwegs beitrugen, also den Mitarbeitern des Projektreferats des Erzbischöflichen Ordinariats, dem ADFC, „Oberfranken Offensiv“ und den an dem Projekt beteiligten Kommunen.

Wie weiter verlautbart wurde, ist der neue Marienradweg „Oberfränkische Marientour“ als Pilgerradweg konzipiert. Er weist eine Länge von 580 Kilometern auf. Der hierzu herausgegebene Flyer schlägt zehn Etappen vor. Start und Endpunkt ist Bamberg. Entlang der Route liegen 52 Heiligtümer, welche Zeugnis ablegen über die fränkische Marienverehrung, davon 40 Marienwallfahrtsorte.

Auch die Hankirche Maria Unbefleckte Empfängnis – der Vorgängerbau zog laut der übermittelten Historie bereits im 16. Jahrhundert die Wallfahrer an – darf da freilich nicht fehlen und zählt neben der Veitsbergkapelle und der Basilika Vierzehnheiligen zu den insgesamt zwölf Fotos auf dem Flyer. Die Radstrecke führt im übrigen neben befestigten Wegen auch über Forst- und Schotterwege und ist außerdem durchgängig mit dem Logo des „Fränkischen Marienwegs“ beschildert.

In der Pandemiezeit habe das Projekt sogar noch eine neue Dimension erfahren, erläuterte beim Festakt die Geschäftsführerin des ADFC-Landesverbands Bayern, Petra Husemann-Roew. Das Fahrrad werde noch häufiger genutzt. Dass Radfahren im Trend liege, veranschaulichte sie anhand von Erhebungen zum Jahr 2020. Danach haben im Vorjahr 5,4 Millionen Bundesbürger einen Radurlaub unternommen. Aber auch die Naherholung, die Erkundung der Heimatregion per Zweirad sei ein wichtiger Aspekt, sagte sie.

„Oberfranken macht dies sehr gut“

Hinzu komme, fuhr die ADFC-Sprecherin fort, dass Radreisende tendenziell immer besser informiert seien und Details zu Strecken sowie Sehenswürdigkeiten und markanten Punkten wünschten. „Oberfranken macht dies sehr gut“, lobte Husemann-Roew den Bezirk in dem Zusammenhang. Außerdem, so betonte sie, sollten bei Radtourenangeboten auch immer die Besonderheiten der jeweiligen Region hervorgehoben werden, was die nun konzipierte „Oberfränkische Marientour“ auch auszeichne. Entschleunigung, Rückbesinnung auf das Wesentliche, zur Ruhe kommen – das alles sei heute wichtiger denn je, sprach sie einen wichtigen Punkt an. „Deshalb ist der Oberfränkische Radpilgerweg so ein lobenswertes Projekt, das der ADFC gerne mit unterstützt“, erklärte sie.

Auch Weihbischof Herwig Gössl, der zum feierlichen Anlass eine kurze Andacht zelebrierte, konnte das Projekt nur gutheißen. „Wenn wir in Gedanken des Grübelns gefangen sind, besteht immer die Gefahr, beim Sinnieren über alles Mögliche hinabzurutschen ins Sorgenmachen. Pilgern, egal ob als Wanderer oder eben mit dem Fahrrad, bietet die Möglichkeit, alles einmal sacken zu lassen und den Kopf wieder frei zu bekommen. Pilgern heißt, unterwegs sein und dabei getragen sein von Gottes Liebe“, unterstrich der Weihbischof.

Im Anschluss an die Andacht – mittlerweile hatten sich die grauen Regenwolken rechtzeitig verzogen – ging es wieder nach draußen, wo der Weihbischof im Beisein der Ehrengäste und einiger Prächtinger Bürger vor der Hankirche den oberfränkischen Marienpilgerradweg den kirchlichen Segen spendete. Dabei wurde feierlich das Schild hoch gehalten, das die Radler künftig auf den Tourenpunkt Hankirche hinweisen soll.

Wer nun Lust aufs Radpilgern durch Oberfranken bekommen hat, gelangt beispielsweise über die Internetseite von „Oberfranken Offensiv“ (erreichbar unter www.oberfranken.de) über die dortigen Links „Projekte“ und „Aktivregion“ auf das Informationsportal des oberfränkischen Marienradwegs. Dort gibt es die Route zum einen als GPX-Track mit QR-Quote, aber auch die Möglichkeit, den Flyer herunterzuladen. Bei der Geschäftsstelle von „Oberfranken Offensiv“, Maximilianstraße 6, 95444 Bayreuth, Telefon 0921/52523, ist der gedruckte Flyer zur „Oberfränkischen Marientour“ mit Informationen zu den zehn Teiletappen sowie den 52 Marienkirchen und Wegkreuzen erhältlich. Die Tourismusbüros in den Kommunen in Oberfranken sollten als wichtige Kommunikationsschnittstelle hier ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

Die zehn Etappen sind: Bamberg - Marienberg/Schönstattzentrum (43 km), Marienberg – Eggenbach (59 km), Eggenbach – Glosberg (64 km), Glosberg – Marienweiher (58 km), Marienweiher – Bayreuth (75 km), Bayreuth – Gößweinstein (78 km), Gößweinstein – Pinzigberg (57 km); Pinzigberg – Bärnfels (47 km), Bärnfels – Weilersbach (56 km) und

Weilersbach – Bamberg (43 km).

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