Berufswelt
Vom Geflüchteten zur Fachkraft
Bashir Ahmad Tajik liebt es, Klöße zuzubereiten und zu essen. Aber auch das Zubereiten kleinerer Speisen und Salate gehört zu seinen Aufgaben, und das Bier-Zapfen beherrscht er ebenfalls schon gut.
Bashir Ahmad Tajik liebt es, Klöße zuzubereiten und zu essen. Aber auch das Zubereiten kleinerer Speisen und Salate gehört zu seinen Aufgaben, und das Bier-Zapfen beherrscht er ebenfalls schon gut.
Foto: Corinna Tübel
Baiersdorf – Der Iraner Bashir Ahmad Tajik absolviert in Baiersdorf die Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe.

Bashir Ahmad Tajik, der 2016 aus dem Iran flüchten musste, steht kurz vor der praktischen Prüfung seiner Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe. Der Videounterricht mit Theorie während des Lockdowns war für ihn belastend, doch mit viel Energie und Unterstützung durch das Team des Fränkischen Hofs und Ehrenamtliche zeigt der junge Mann, was möglich ist, wenn man seine Ziele erreichen will.

„Bashir, die Kloßmaschine“, nennen ihn die Mitarbeitenden des Fränkischen Hofs in Baiersdorf mit höchstem Respekt, „weil er sie so schnell und gut macht. Außerdem isst er sie sehr gerne!“

Bashir Ahmad Tajik gehört zum Familienbetrieb Fränkischer Hof in Baiersdorf auf eine Art und Weise wie wohl selten ein Auszubildender. Dabei hat der 22-Jährige, der zwar im Herat in Afghanistan geboren, aber im Iran aufgewachsen ist, seine Lehre zur Fachkraft im Gastgewerbe erst 2019 begonnen. Vor kurzem hat er die theoretische Prüfung hierzu an der Staatlichen Berufsschule Bamberg bestanden. Ein Erfolg, der mehr ist als ein Kreuz auf dem Papier. Denn hinter Bashir Ahmad Tajik liegen monatelange hartes Lernen in einer Sprache, die er zwar schnell nach seiner Ankunft in Deutschland gelernt hat, die aber im Fachjargon und im vorübergehenden Videounterricht „doppelt schwer“ für ihn ist, verrät er. „Wenn andere für einen Text eine halbe Stunde brauchen, brauche ich mindestens eine Stunde. Über Video konnte man auch nicht immer alles und so gut erklären wie persönlich.“

Wertvolle Unterstützung

Auch das Fach Englisch, für das er nur wenig Vorkenntnisse hatte, und Textaufgaben in Mathematik haben ihn gefordert. Unterstützung erhielt er von Christine Münch, Küchenchefin und Geschäftsführerin, sowie von Ausbilderin Simone Seidel, Kollegin Mandy Blaschzyk und in Form von Nachhilfeunterricht in Lichtenfels. Hierfür hatte sich unter anderem auch Kreis-Caritas-Geschäftsführer Thomas Geldner eingesetzt.

Doch er hat es geschafft – mit viel Energie und konkreten Plänen. Denn der 22-Jährige, den Krieg und Gewalt zur Flucht gezwungen haben, hat das Ziel, in ein paar Jahren sich weiter zum Hotelfachmann oder Koch zu qualifizieren – natürlich am Fränkischen Hof, denn der Familienbetrieb möchte Bashir Ahmad Tajik gerne behalten: „Er ist ein Allrounder, ich kann ihn überall einsetzen und weiß, er macht das gut.“

Etliche Praktika absolviert

Ihm selbst gefällt der Arbeitsbereich der Küche am besten. Bashir Ahmad Tajik hat sich gründlich umgeschaut: Im Rahmen vieler Praktika lernte er auch Tätigkeiten von Elektrikern, Krankenpflegern oder Kfz-Mechatronikern kennen. „Doch jetzt will ich erst einmal Geld verdienen und vielleicht irgendwann eine eigene Wohnung haben“, erzählt er stolz.

Derzeit lebt er in Altenkunstadt und lernt jede freie Minute für die Führerscheinprüfung, ehe er sich wieder im Restaurant auf die praktische Prüfung vorbereitet: Er hat sich für den Arbeitsbereich Küche entschieden um sein Können zu zeigen: In zwei Wochen wird er dort einfache Gerichte wie Schweizer Wurstsalat oder Obstsalat zubereiten, die anschließend bewertet werden.

Viel lieber würde er sicher Klöße oder einen leckeren Braten kreieren, denn Bashir Ahmad Tajik mag nicht nur Kalbsleber, Rinderzunge oder Rahmsoße für sein Leben gern. Er arbeitet mit dem Team des Fränkischen Hofs dort Hand in Hand: Er kennt die Abläufe, arbeitet sauber, ordentlich und selbstständig.

„Wenn mir vor zehn Jahren jemand erzählt hätte, ein Mann aus Jemen macht bei mir Klöße rein, dann hätte ich ihn belächelt“, verrät Simone Seidel. Manchmal sagt sie auch „Glöß nei“, doch der junge Mann versteht sie trotzdem. Obwohl ihm noch mehr Umgang mit Gästen im Service und am Empfang fehlt, habe er sich schnell an den Dialekt gewöhnt: „Jetzt geht fränkisch gut!“

Durch die Corona-Pandemie erlebte er lange Zeit auch keinen normalen Hotel- und Restaurantbetrieb mit. Außergewöhnliche Aktionen wie etwa das Wohnmobil-Dinner oder die Picknick-Kiste dagegen beweisen Kreativität und erfordern andere, nicht weniger aufwendige Arbeitsschritte.

Bleibe-Recht durch Ausbildung

Seine Familie, zu der er zwar Kontakt hat, die aber an anderen Orten im Iran und in Deutschland lebt, ist stolz auf ihn. Nun, nach voraussichtlichem Abschluss der Ausbildung um so mehr, denn sie war die Bedingung für sein Bleibe-Recht. „Wenn ich die Ausbildung abgebrochen hätte, wäre ich wahrscheinlich zurückgeschickt worden.“