Aktionstag
Was tun bei chronischen Schmerzen?
Auch das gehört zur multimodalen Schmerztherapie: ein vertrauensvolles Gespräch mit dem Arzt (Stefan Middeldorf).
Auch das gehört zur multimodalen Schmerztherapie: ein vertrauensvolles Gespräch mit dem Arzt (Stefan Middeldorf).
Foto: Monika Schütz
Bad Staffelstein – Dr. Stefan Middeldorf, Chefarzt der Schön-Klinik Bad Staffelstein, erläutert, wie eine erfolgversprechende Behandlung aussehen muss.

Am bundesweiten Aktionstag gegen den Schmerz beteiligte sich auch die Schön-Klinik. Chefarzt Dr. Stefan Middeldorf saß selbst als Berater am Telefon der Hotline, die von der Schmerzgesellschaft freigeschaltet war. Die kostenlose Patienten-Hotline war von 9 bis 18 Uhr erreichbar und nahm Anrufe aus ganz Deutschland entgegen. Die Aktion fand  heuer zum zehnten Mal statt.

„Das läuft so: Der Patient ruft die Hotline an und die Schmerzgesellschaft, die das organisiert, leitet den Anruf an die Experten weiter“, erläutert Stefan Middeldorf den Ablauf. Er selbst war auch in diesem Jahr wieder einer dieser Experten, die fachkundig Rat gaben, Fragen beantworteten und effektive Behandlungsmöglichkeiten aufzeigten.

Es gab sogar Anrufe aus dem Saarland

Schmerzen durch Osteoporose bei einer 92-jährigen Dame aus dem Saarland, die Anfrage einer besorgten Tochter, deren 83-jährige Mutter die Medikamente gegen die chronisch gewordenen Kopfschmerzen nicht mehr verträgt, und die Frage einer 62-jährgen Patientin aus Schleswig-Holstein wegen einer Fibromyalgie sind ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben.

 „Etwa 23 Millionen Deutsche (28 Prozent) berichten über chronische Schmerzen. Bei sechs Millionen Betroffenen sind die chronischen Schmerzen so deutlich ausgeprägt, dass sie sich im Alltag und im Berufsleben beeinträchtigt fühlen“, nennt Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. eine erschreckend hohe Zahl in seiner aktuellen Pressemitteilung.

„Zu einer guten und wirksamen Therapie gehört ein Konzept, das neben Arzneimitteln auch nicht-medikamentöse Therapien berücksichtigt“, sagt Stefan Middeldorf. Die Ursachen von Schmerzen sind vielfältig und sowohl physischer als auch psychischer Natur. Treten sie länger als drei Monate durchgehend auf, spricht man von „chronisch“. Die Behandlung chronischer Schmerzen erfolgt zunächst ambulant. Die Schön- Klinik hat dazu ein ambulantes Behandlungszentrum im MVZ in der Unteren Gartenstraße in Bad Staffelstein und mit Facharzt Dr. Markus Schneider jeweils montags eine ambulante Sprechstunde. Auch die Kliniken in Lichtenfels, Coburg und Bamberg bieten Schmerztherapien an. In der Staffelsteiner Schön-Klinik stehen allein acht Betten in der orthopädischen Abteilung nur für Schmerzpatienten bereit, ein deutlich größeres Kontingent in der hauseigenen Reha-Abteilung.

Wer alles für den Patienten zusammenarbeitet

Wie kommt man in die Klinik? Um als Patient in die Schön- Klinik zu kommen, gibt es mehrere Möglichkeiten: über den Hausarzt oder Facharzt, der zusammen mit dem Patienten einen Reha-Antrag stellt, oder mit einer Krankenhauseinweisung, die jeder niedergelassene Arzt vornehmen kann, so Middeldorf. Maßgeblich in die Behandlung eingebundene Berufsgruppen seien in der Klinik aber nicht nur die schmerztherapeutisch ausgebildeten Ärzte, sondern auch Psychotherapeuten, Physio- und Sporttherapeuten, Musik- und Ergotherapeuten sowie der Klinik-Sozialdienst und die Ernährungsberatung. Es ist die Summe der einzelnen Verfahren und Behandlungen, die erfolgversprechend ist. Regelmäßige Teambesprechungen, eine gemeinsame Beurteilung des Behandlungsverlaufes und ein individueller Behandlungsplan sollen das Kompetenzgefühl des Betroffenen und die Funktionsfähigkeit wieder herstellen.

Patient wirkt aktiv mit

Die multimodale Schmerztherapie mit ihrem ganzheitlichen und interdisziplinären Behandlungsansatz habe sich hier bewährt. Therapiebausteine gibt es viele: Neben der medikamentösen und Injektions-Therapie kommen hauptsächlich Behandlungsformen zum Einsatz, bei denen der Patient aktiv mitwirkt. Mit Sport und Entspannung, Musik, Bewegung, Krankengymnastik und Gesprächen wird der chronische Schmerz an „mehreren Fronten“  gleichzeitig bekämpft.  So lassen sich Operationen meist vermeiden, Ängste und Verunsicherungen können abgebaut werden.

Jeder Schmerz ist individuell

Dabei wird immer auch ein Auge auf das familiäre oder soziale Umfeld des Patienten geworfen. „Schmerz-Therapie ist eine Teamgeschichte!“, verdeutlicht Middeldorf die Notwendigkeit einer multimodalen Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen. So individuell wie der Mensch sei auch sein Schmerz. Der mag in der Lendenwirbelsäule oder im Nackenbereich sein, Migräne heißen, von einer rheumatischen Erkrankung herstammen, sich als Phantomschmerz zeigen oder als Fibromyalgie auftreten: Mit einem auf den Patienten abgestimmten Konzept unter Mithilfe von Fachärzten der Orthopädie, Neurologie, Chirurgie, der Inneren Medizin und aus den Bereichen Psychologie und Pflege soll die Stabilisierung des Wohlbefindens erreicht werden.