Entwicklung
Kreis Lichtenfels nicht mehr kleinster in Bayern
Ein jährlicher Zuwachs von 100 bis 300 Personen ist wohl notwendig, um für den Kreis Lichtenfels dauerhaft eine positive demografische Entwicklung vorweisen zu können. Hierzu seien Bauplätze und Wohnraum, ein Leerstandsmanagement, attraktive Innenstädte und Kinderbetreuungseinrichtungen sowie eine gute Infrastruktur, Grundschulen und weiterführende Schulen, medizinische Versorgung sowie attraktive Arbeitsplätze erforderlich. Das Bild zeigt eine unbebaute Fläche im Staffelsteiner Stadtkern.
Ein jährlicher Zuwachs von 100 bis 300 Personen ist wohl notwendig, um für den Kreis Lichtenfels dauerhaft eine positive demografische Entwicklung vorweisen zu können. Hierzu seien Bauplätze und Wohnraum, ein Leerstandsmanagement, attraktive Innenstädte und Kinderbetreuungseinrichtungen sowie eine gute Infrastruktur, Grundschulen und weiterführende Schulen, medizinische Versorgung sowie attraktive Arbeitsplätze erforderlich. Das Bild zeigt eine unbebaute Fläche im Staffelsteiner Stadtkern.
Foto: Matthias Einwag
Lichtenfels – Der Landkreis Lichtenfels verzeichnet seit Jahren einen Bevölkerungszuwachs. Das Landesamt für Statistik wird für zu schlechte Prognosen kritisiert.

Zu einer sogenannten Hybrid-Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklung, Wirtschaft und In­frastruktur konnte Landrat Christian Meißner nur sechs Kreisräte im großen Sitzungssaal des Landratsamtes begrüßen, die anderen sechs Räte waren online zugeschaltet. Zum ersten Tagesordnungspunkt, zur demografischen Entwicklung im Landkreis Lichtenfels, stellte er fest, dass sich die Prognosen des Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung „glücklicherweise stets als wesentlich schlechter erweisen als es die tatsächliche Entwicklung aufzeigt“. Die Entwicklung der letzten Jahre sei positiv und der Landkreis Lichtenfels sei mittlerweile auch nicht mehr der kleinste Landkreis in Bayern. Dies sei jetzt Kronach.

Andreas Grosch gab mit einer Powerpoint-Präsentation einen umfangreichen Überblick über die Bevölkerungsentwicklung im Landkreis. Grundvoraussetzung hierfür sei die regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2039. Zunächst gab er einen Rückblick. Von 1972 bis 1986 war demnach ein starker Rückgang der Bevölkerung von 69 000 auf unter 65 000 zu verzeichnen, bevor es durch die Wiedervereinigung zu einem rasanten Anstieg auf knapp 71 000 bis zum Jahr 2002 kam, ehe es wieder bergab ging. Im Jahr 2015 konnte der seit 2002 andauernde Rückgang der Bevölkerung gestoppt werden. Es sei seitdem sogar ein leichter Anstieg zu beobachten. So sei die Zahl der Einwohner von 66 655 am 31.12.2015 auf 66 776 am 31.12.2019 gestiegen.

Die vom Landesamt für Statistik 2009 veröffentlichte Prognose für das Jahr 2028 sei ebenso wenig eingetreten wie die in den Jahren darauf. Die Bevölkerungsentwicklung im Landkreis sei stets wesentlich besser gewesen als die Prognose. So habe es gegenüber der 2009 veröffentlichten Prognose für das Jahr 2028, bezogen auf die Daten des Jahres 2019 (die Zahlen von 2020 liegen noch nicht vor), eine positive Abweichung um knapp 3000 Bewohner gegenüber der Vorausberechnung gegeben (Prognose: circa 63 800, Einwohnerzahl 2019: 66 776).

Positive Wanderungsbewegungen

Anhand einer Statistik für die Jahre 2009 bis 2019 zeigte Grosch auf, dass der durch die natürliche Bevölkerungsentwicklung (Sterbefälle, Geburten) hervorgerufene Bevölkerungsschwund durch positive Wanderungsbewegungen ausgeglichen werde. Ein jährlicher Zuwachs von 100 bis 300 Personen sei nötig, um dauerhaft eine positive demografische Entwicklung vorweisen zu können. Dafür seien Bauplätze und Wohnraum, ein Leerstandsmanagement, attraktive Innenstädte, Kinderbetreuung und Schulen (als Aufgabe der Kommunen) sowie eine gute Infrastruktur, weiterführende Schulen, medizinische Versorgung (Aufgabe des Landkreises) sowie attraktive Arbeitsplätze nötig.

Kreisrat Arnt-Uwe Schille (SPD) monierte die Berechnungen des Landesamtes für Statistik, die die tatsächliche Entwicklung der Bevölkerung in Ostoberfranken nicht richtig wiedergäben, da sie jedes Mal viel zu schlecht ausfielen. Dies könne negative Auswirkungen auf verschiedenen Gebieten haben. Der Landrat stimmte ihm zu und stellte klar, dass er sich in der Vergangenheit immer wieder für eine realistische Darstellung eingesetzt habe. Die Bevölkerungsentwicklung habe sich nie so schlimm nach unten bewegt, wie vom Landesamt prognostiziert worden sei. Das Amt korrigiere immer nur die Zahlen ein Stück weit, so dass sie stets negativer seien, als es der Wirklichkeit entspricht. Dies betreffe nicht nur Lichtenfels, sondern auch andere Städte in Ostoberfranken. Das Landesamt sollte sich überlegen, was es mit solchen Prognosen bewirkt. Wenn es immer heißt, „Oberfranken ist Schlusslicht“, dann wirke sich das nicht nur auf die Stimmung vor Ort aus, sondern auch auf die Investoren und Medien.

Georg Deuerling (FW) schlug vor, im Hinblick auf das Leerstandsmanagement den Kommunen etwas unter die Arme zu greifen.

Walter Mackert (CSU) sprach den Ausbau der Infrastruktur an. Der Trend gehe immer mehr dazu, dass die Leute in großen Städten arbeiten, aber im näheren oder weiteren Umland wohnen. Hierfür wäre eine Erweiterung des S-Bahnnetzes von Vorteil.

Auch Heike Kunzelmann (AfD) ging es um die Infrastruktur.

Corona: Tourismus stark beeinträchtigt

Beim nächsten Tagesordnungspunkt berichtete Markus Köhlerschmidt mit der Gästekarte und dem Rufbus über zwei Angebote des ÖPNV. Die Erweiterung des Kombitickets für Inhaber der Gästekarte solle ÖPNV und Tourismus näher zusammenbringen. So dürften Übernachtungsgäste von Bad Staffelstein seit dem 1. Januar 2020 kostenlos die Linie 1254 von Bad Staffelstein nach Kloster Banz nutzen. Seit 1. September 2020 sei die kostenlose Nutzung der großen Linie 1212 noch hinzugekommen, die nicht nur Bad Staffelstein mit der Kreisstadt verbindet, sondern auch über Orte wie Vierzehnheiligen, Klosterlangheim, Romansthal und Uetzing Gastronomie und Kultur verknüpfe. Von diesem bis 31.12.2024 laufenden Modellversuch trage der Landkreis ein Drittel und die Stadt Bad Staffelstein zwei Drittel der Kosten. Leider habe die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auf der Linie 1254 hätten trotzdem 147 Fahrten stattgefunden. Wichtig sei auch die Ausweitung des Bedarfsverkehrs (Rufbus) gewesen, machte Köhlerschmidt deutlich. Seit 1. September 2020 verkehrten Rufbusse auf zwölf Linien. Im Jahr 2020 seien bei 1077 Fahrten 2801 Fahrgäste befördert worden.

Andrea Musiol, Leiterin Tourismus/Regionalkoordination, hob in ihrem Sachstandsbericht hervor, dass gerade auch der Tourismus stark durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt worden sei. So habe es bei den Gästeankünften 2020 (121 379 Gäste) einen Einbruch von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr (212 977 Gäste) gegeben, während die Übernachtungen um 37 Prozent von 670 182 im Jahr 2019 auf 422 172 im Jahr 2020 zurückgegangen seien. Lediglich die Monate August und September 2020 hätten touristisch dem Vorjahresergebnis entsprochen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer habe 3,5 Tage betragen.

Als ihre Hauptaufgabe sieht Musiol die Vermarktung der Region. So würden über Print-Anzeigen oder Magazinbeilagen sowohl regional als auch deutschlandweit unterschiedliche Themen wie Erlebnistouren, Familienurlaub zwischen Main und Jura, Radmagazin in Franken und Franken Genießerland beworben. Eine immer größere Rolle spiele auch das Onlinemarketing. So komme der Tourismusblog gut an, ebenso wie die Beiträge auf TV Oberfranken. Schließlich nannte Musiol noch neue Printprodukte, die sehr nachgefragt würden, wie die Familienbroschüre, die Direktvermarkter-Broschüre, das Obermain-Jura-Magazin, die Radbroschüre, die Broschüre „Erlebnistouren“ und eine Übersichtskarte. In nächster Zeit sollen vor allem die Themen „Kelten am Obermain“ und „Mountainbike am Obermain“ beworben werden.

Natürlich sei auch die Bereitstellung der Infrastruktur wichtig, erklärte Andrea Musiol. Hier gehe es um die Überarbeitung der Wandermarkierungen, die Digitalisierung der Wanderwege und die Errichtung von Kulturerlebnistafeln.