Radler-Mord
Dritter Verdächtiger sitzt hinter Gittern
An der Stelle, an der der 26-jährige Radfahrer wohl zu Tode kam, wurden Bilder und Kerzen zur Erinnerung aufgestellt.  Foto: Gerhard Fischer
An der Stelle, an der der 26-jährige Radfahrer wohl zu Tode kam, wurden Bilder und Kerzen zur Erinnerung aufgestellt. Foto: Gerhard Fischer
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Bad Neustadt an der Saale – Ein weiterer Mann aus dem Umfeld des Opfers sitzt jetzt in U-Haft. Derweil ignorieren rechte Hetzer, dass die mutmaßlichen Täter Deutsche sind.

Im Fall des getöteten Radlers in Bad Neustadt geht es Schlag auf Schlag: Nun sitzt ein dritter Mann, ebenfalls aus Bad Neustadt, in Haft. Ihn schickte der Ermittlungsrichter wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Totschlag hinter Gitter - zusammen mit zwei anderen, die dem Vorwurf des gemeinschaftlichen Mordes ausgesetzt sind. Derweil zeigen Einträge in sozialen Medien, wie schnell sich rechte Kommentatoren das Verbrechen zu Nutzen machen.

Am Dienstagnachmittag erließ der Ermittlungsrichter die drei Haftbefehle. Ein 18-Jähriger und ein 21-Jähriger wurden wegen des Verdachts auf gemeinschaftlich begangenem Mord in U-Haft geschickt. Warum nicht auch der Dritte, ein 20-Jähriger? Ihm wird "nur" Beteiligung an einem Totschlag vorgeworfen. Der Leitende Oberstaatsanwalt Axel Weihprecht erklärt: "Das ist eine rein rechtliche Geschichte. Wenn ich jemanden vorsätzlich umbringe, ist es erst einmal Totschlag. Für einen Mord muss mindestens ein mordtypisches Merkmal dazu kommen. Bei dem einen Teilnehmer der Tat war das nicht der Fall." Mordmerkmale sind: niedrige Beweggründe wie Heimtücke oder Grausamkeit, Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs, Habgier oder die Verdeckung einer anderen Straftat.

Tat im Drogen-Milieu?

Das Trio zeigt sich "zum Teil geständig", sagt Andreas Laacke, Pressesprecher der Polizei in Würzburg. Auch wenn die drei laut Aussage von Axel Weihprecht weiterhin zum Motiv schweigen, wird hinter mehreren vorgehaltenen Händen davon gesprochen, dass das Motiv im Bereich Drogen zu finden ist.

Am Montag, 22. November, entdeckten Fußgänger auf einem Radweg zwischen Hohenroth und Bad Neustadt die Leiche eines 26-Jährigen. Zunächst sah es für die hinzugerufene Polizei nach einem Verkehrsunfall aus, der Mann lag direkt neben seinem Fahrrad. Doch dann wurden Stichwunden entdeckt - eine Obduktion bestätigte dann, dass der Mann erstochen worden war.

Noch am Montag klickten die Handschellen für einen 18- und einen 21-Jährigen, sie wurden in einer Wohnung in Bad Neustadt festgenommen. Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Schweinfurt laufen derweil unvermindert weiter, um den Ablauf der Tat lückenlos aufzuklären. Derzeit lägen allerdings keine Hinweise auf weitere Personen vor, die an der Tötung des 26-Jährigen beteiligt gewesen sein könnten, heißt es aus einer gemeinsamen Presseerklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

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Fotos von Festnahme im Netz

Seit Montag kursieren im Internet und auf mittlerweile vielen Handys Fotos, die unmittelbar nach der Festnahme geschossen worden sein müssen. Sie zeigen drei junge Männer auf einer Gartenmauer sitzend, die Hände mit Handschellen im Rücken gefesselt, daneben mehrere Zivilpolizisten. Keines der Gesichter, die im Profil gut zu erkennen sind, wurde unkenntlich gemacht - obwohl es sich bei dem einen der dreien lediglich um einen Zeugen handelt. Und obwohl keiner der Tatverdächtigen bislang verurteilt worden ist.

Dieses Foto wieder einzuholen ist ein Ding der Unmöglichkeit, es wird weiter auf vielen Handys und in vielen Internet-Foren geteilt werden - und könnte unter Umständen das Leben von zumindest einem, dem Zeugen, nicht zum Besten beeinflussen.

Daneben nahmen etliche die grausame Tat zum Anlass, in den Sozialen Netzwerken gegen Ausländer zu hetzen. "Deutschland ist bunt", postete beispielsweise einer voller Zynismus. Wie vielen war es auch ihm augenscheinlich egal, dass die Polizei bereits in ihrer ersten Pressemitteilung deutlich darauf hinwies, dass es sich bei den mutmaßlichen Tätern um Deutsche handelt.