Chaos bei Corona-App
Falscher Impfstatus nach vermeintlichem Booster
Johnson-&-Johnson Geimpfte hatten mitunter beim zweiten Impftermin ein böses Erwachen: Ihr Impfschutz zählt nicht als Booster, sondern lediglich als Grundimmunisierung.
Johnson&Johnson-Geimpfte hatten mitunter beim zweiten Impftermin ein böses Erwachen: Ihr Impfschutz zählt nicht als Booster, sondern lediglich als Grundimmunisierung.
Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Coburg – Erst Johnson&Johnson, dann ein mRNA-Vakzin: Ist man damit geboostert? Wieso bestimmte Impfzertifikate für Verwirrung sorgen und was Experten raten.

Bettina H. (Name geändert) hat sich Mitte Dezember 2021 ihren Impf-Booster geholt. Dachte sie zumindest. Die Coburgerin hatte sich beim ersten Impftermin für Johnson & Johnson entschieden. Einmal gepikst, ist die Impfung erledigt, dachte sie damals. Doch so war es nicht.

Nachdem sie sich zum zweiten Termin im Dezember ihre Dosis Moderna abgeholt hat, ging Bettina H. davon aus, geboostert zu sein. Dann die Überraschung: "Mein Sohn wurde ein paar Tage später geimpft, auch er hatte zuerst Johnson & Johnson." Doch bei ihm zeigt das Impfzertifikat in der Handy-App 2 von 2 an, was bedeutet: Der Heranwachsende ist nicht geboostert. Seine Mutter laut App allerdings schon: Dort zeigt das Impfzertifikat 3 von 3 an.

Diese Person wurde zuerst mit Johnson & Johnson geimpft, anschließend mit Moderna. Die App zeigt 3 von 3, also fälschlicherweise einen Booster an. Die Zweitimpfung zählt "nur" als Grundimmunisierung.
Diese Person wurde zuerst mit Johnson & Johnson geimpft, anschließend mit Moderna. Die App zeigt 3 von 3, also fälschlicherweise einen Booster an. Die Zweitimpfung zählt "nur" als Grundimmunisierung.
Foto: Foto: Sandra Hackenberg

Zweimal das gleiche Vakazin, fast zeitgleiche Impftermine, aber ein unterschiedlicher Impfstatus. Wie kann das sein? Bettina H. hat nachgefragt: "Ich habe inzwischen vom Impfzentrum erfahren, dass dies wohl ein Fehler war." Inzwischen ist klar: Wer sich im vergangenen Jahr mit Johnson & Johnson hat impfen lassen und inzwischen ein weiteres Mal geimpft wurde, gilt nicht als geboostert.

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Obwohl diese Regel in Bayern bereits seit mehreren Wochen gilt - sie steht in der 15. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 14. Dezember -, wussten viele Geimpfte nichts davon - auch nicht alle Ärzte, die gegen das Corona-Virus impfen? "Das war zum Zeitpunkt meiner Impfung dann wohl in Coburg noch nicht bekannt", meint Bettina H..

Geändert wurde das fehlerhafte Zertifikat in ihrem Fall nicht. Allerdings hat das Landratsamt Coburg in der vergangenen Woche, nachdem wir über den Booster-Sonderfall mit Janssen berichtet haben, seine Homepage um einen entsprechenden Hinweis ergänzt.

Impfzertifikate sorgen für Verwirrung

Doch was bedeuten die irreführenden Impfzertifikate für die Betroffenen? Alleine im Kreis Coburg könnten derzeit hunderte Bürger betroffen sein. Hätte Bayern in diesen Tagen, wie andere Bundesländer, die 2-G-Plus-Regel in der Gastronomie eingeführt, wäre es spätestens dann an den Eingängen der Restaurants zu verdutzten Fragen wie "Wir haben das Gleiche geimpft bekommen. Warum brauche ich einen Test und du nicht?" gekommen.

 

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"Es herrscht ein vollkommenes Durcheinander", bestätigt der Coburger Pressesprecher des Bayerischen Apothekerverbandes, Hans-Joachim Schreeck. Das liege zum einen an den sich ändernden Empfehlungen der Stiko. Prinzipiell rät der Experte allen Geimpften: "Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich dreimal impfen lassen."

Hier wurde ebenfalls zuerst Johnson & Johnson, anschließend moderna geimpft. Hier zeigt das Zertifikat in der App die Grundimmunisierung an, was laut Stiko korrekt ist.
Hier wurde ebenfalls zuerst Johnson & Johnson, anschließend moderna geimpft. Hier zeigt das Zertifikat in der App die Grundimmunisierung an, was laut Stiko korrekt ist.
Foto: Foto: Sandra Hackenberg

Im Fall von Janssen (und auch Genesenen) gilt: Bei wem die Auffrischungsimpfung, also die zweite Impfung, drei Monate oder länger zurückliegt, der kann sich tatsächlich den Impf-Booster holen (siehe unten). Dann, so Scheeck, seien Geimpfte auf jeden Fall auf der sicheren Seite, egal wie sich die Empfehlungen der Stiko demnächst ändern.

Sich den dritten Piks abholen, macht für Geimpfte auch deshalb Sinn, weil sich ab dem 1. Februar die Gültigkeitsdauer der Impfzertifikate verkürzt. Wer noch keine Booster-, also dritte Impfung, hatte, der zählt dann nur noch für neun Monate als vollständig geimpft.

Müssen irreführende Zertifikate geändert werden? 

Nachträglich Impfzertifikate ändern lassen müssen die Betroffenen laut den Experten aber nicht. Einige Apps hätten schlicht Probleme damit, den Impfschutz korrekt anzuzeigen. "Apotheken, Impfzentren oder Arztpraxen stellen digitale Covid-19-Zertifikate aus. Dabei müssen die europäischen Vorgaben eingehalten werden, damit die Zertifikate interoperabel sind", erklärt der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands Thomas Dittrich.

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Auf den Impfzertifikaten werde die Nummer der aktuell verabreichten Dosis pro insgesamt erhaltener Impfdosen vermerkt, also zum Beispiel 3 von 3. Dittrich: "Weitere Zusatzvermerke wie "Booster" oder ähnliches sind nicht vorgesehen. Hier herrschen oft falsche Vorstellungen." Entscheidend seien auf dem Zertifikat nicht die verabreichten Dosen, sondern der aktive Impfstatus. "Wichtig ist, die Zertifikate nicht aus den Apps zu löschen oder die Papierform abzulegen, sondern alle Nachweise dabeizuhaben. Wir arbeiten intensiv an einer technischen Lösung."

Bis dahin sorgt so manches digitale Impfzertifikat für Verwunderung.

Genesen und geimpft?

Eine Auffrischungsimpfung nachzuweisen ist für diejenigen schwierig, die zuvor nicht zweimal geimpft wurden, zum Beispiel weil sie genesen sind oder mit dem Impfstoff von Janssen nur einmal geimpft wurden. Bei ihnen zeigen die gängigen Apps den Impfschutz nicht korrekt an.

Für Genesene gilt: Drei Monate nach negativem Corona-Test kann die Erstimpfung verabreicht werden, wieder drei Monate später die Zweitimpfung. Der Booster-Status greift 14 Tage nach der Zweitimpfung.

Geimpft, geimpft, genesen?

Wer nach zweifacher Impfung von einer Corona-Infektion genesen ist, wird seit Mittwoch den Geboosterten gleichgestellt. Auch diese Gruppe braucht bei 2G plus keinen negativen Testnachweis.

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