Gedenkort geplant
Stolpersteine auch für Holocaust-Überlebende
Die Stolperschwelle für die jüdische Schule in der Hohen Straße ist eine von sechs, die es in ganz Deutschland gibt. Das Coburger Tageblatt ist einer der Paten für diese Messingschwelle: Schulleiter Hermann Hirsch war Lehrer und Theaterkritiker fürs Tageblatt.
Die Stolperschwelle für die jüdische Schule in der Hohen Straße ist eine von sechs, die es in ganz Deutschland gibt. Das Coburger Tageblatt ist einer der Paten für diese Messingschwelle: Schulleiter Hermann Hirsch war Lehrer und Theaterkritiker fürs Tageblatt.
Foto: Simoen Bastian
Simone Bastian von Simone Bastian Coburger Tageblatt
Coburg – 119 Stolpersteine erinnern bereits an Coburger Juden. Nun plant die Stadt einen besonderen Gedenkort. Eine entscheidende Frage ist aber noch offen.

Für Alfred und Margarete Plessner liegen bereits zwei Stolpersteine im Pflaster vor der Mohrenstraße 9b. Im Herbst sollen – wenn alles klappt – zwei weitere dazu kommen: Für Wolfgang und Horst Plessner, die Söhne des Paares.

Anders als ihre Eltern überlebten sie den Holocaust. Ihre Eltern Margarete und Alfred wurden 1941 deportiert, also aus ihrer Wohnung vertrieben und aus Coburg fortgebracht. Beide starben in Riga: Ermordet, wie es auf den messingfarbenen Würfeln im Boden heißt.

Horst und Wolfgang Plessner war die Flucht gelungen

Den beiden Söhnen Horst und Wolfgang Plessner war 1939 die Flucht gelungen: Horst konnte noch in die USA auswandern, Wolfgang floh auf einem Öltanker zunächst nach Guatemala, später in die USA. Beide gründeten Familien, und die Nachfahren stehen heute wieder mit Coburg in Kontakt. Sie werden auch, Stand jetzt, Patenschaften für die zwei Stolpersteine übernehmen.

Mohrenstraße 9b in Coburg
Mohrenstraße 9b in Coburg. Hier sollen im Herbst 2022 weitere Stolpersteine verlegt werden.
Foto: Simone Bastian

Nicht nur für ermordete Juden

Das markante Doppelhaus an der Itz war der letzte Wohnsitz, den die Familie noch zusammen bewohnte. 1939 musste das Ehepaar Plessner seine Wohnung verlassen und siedelte in die Mohrenstraße 32 über, zur Familie des Arzts Emil Gutmann.

Weitere Stolpersteine in der Lossaustraße 5

Auch für ihn, seine Frau Sofie und die Töchter Helene und Margarete sollen in diesem Herbst Stolpersteine gesetzt werden, sagt Johanna Rosenzweig, vom Kulturamt der Stadt Coburg. Vier weitere werden Familie Alkan gewidmet, die in der Lossaustraße 5 wohnte: Augenarzt Reinhold Alkan, Ehefrau Johanna, den Töchtern Marianne und Senta.

Die ersten der inzwischen 119 Stolpersteine in Coburg galten den Menschen, die 1941 von hier deportiert wurden. 37 waren es insgesamt. 26 wurden am 27. November 1941 mit einem Sammeltransport aus Franken nach Riga gebracht, fünf kamen am 24. April 1942 nach Izbica und sechs am 9. September 1942 ins KZ Theresienstadt.

Von denen, die Coburg vorher verlassen hatten, wurden 24 ebenfalls deportiert und größtenteils ermordet. Im Jahr 1933, als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, hatten noch 233 Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt gelebt.

Zentrales Denkmal für Coburger Juden

Der Coburger Stadtrat hat entschieden, dass allen, die wegen des NS-Regimes die Stadt verlassen haben, Stolpersteine gesetzt werden. Die Nachfahren, die mit der Stadt in Kontakt sind, wünschen sich darüber hinaus einen zentral gelegenen Gedenkort. Der werde noch gesucht, sagt der zuständige Dritte Bürgermeister Thomas Nowak (SPD).

Gedenkstätte auf dem Marktplatz?

Ende April sollen die Nachfahren in einer Videokonferenz ihre Meinung zum möglichen Standort sagen. Eine Idee sei, das Denkmal auf dem Marktplatz unterzubringen – vielleicht in den Boden eingelassen.

Ein anderer möglicher Standort sei die Spitalgasse, wo sich jüdische Kaufhäuser befanden. Dort sollen übrigens 2023 vier Steine gesetzt werden: Für die Familien Fechheimer und Blüth, die Inhaber des Kaufhauses Fechheimer (später „Mohren“).

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