Beitrag für Frieden
Emotionale Momente in Coburger Partnerstadt
OB Dominik Sauerteig beim Festakt in Oudenaarde; neben ihm sein belgischer Amtskollege Marnic De Meulemeester.
OB Dominik Sauerteig beim Festakt in Oudenaarde; neben ihm sein belgischer Amtskollege Marnic De Meulemeester.
Foto: coburg.de
Coburg – Im Zweiten Weltkrieg standen sich Soldaten aus Coburg und Oudenaarde gegenüber. Heute pflegen beide Städte eine enge Partnerschaft.

Der inoffizielle Auftakt zum Jubiläum „50 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Coburg und Oudenaarde“ war zwar kurios, rückblickend aber vergleichsweise unspektakulär: Im vergangenen Dezember brachte die Stadt Coburg einen Baum in die belgische Partnerstadt, damit er auf dem dortigen Marktplatz als Weihnachtsbaum erstrahlen konnte.

Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs

Sechs Monate später hat sich die Welt verändert. Entsprechend emotionaler fielen verschiedene Programmpunkte aus, die jetzt beim offiziellen Jubiläumswochenende in Oudenaarde auf dem Programm standen. So durfte die Delegation des Coburger Stadtrats unter anderem an der Zeremonie teilnehmen, mit der an das Ende des zweiten Weltkriegs vor 77 Jahren erinnert wurde.

Überschattet wurden diese Erinnerungen von den allgegenwärtigen Bildern aus der Ukraine. Dort, mitten in Europa, geschehen 77 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erneut schreckliche Verbrechen. Um so mehr war es vielen Rednern wichtig, zu betonen, wie sehr es manchmal auch auf kleine Gesten wie eben eine Städtepartnerschaft zwischen einer Stadt in Flandern und einer Stadt in Franken ankommt.

50 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Coburg und Oudenaarde; hier: Festakt in Belgien.
50 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Coburg und Oudenaarde; hier: Festakt in Belgien.
Foto: coburg.de

Teilnehmer der von Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) angeführten Delegation berichten, dass sie sehr bewegt waren über die große Herzlichkeit und Wärme, mit der man empfangen wurde.

Sehr beeindruckt dürften die Coburger auch gewesen sein, als während einer Abendveranstaltung plötzlich der belgische Premierminister Alexander de Croo erschien. Das wurde als große Wertschätzung für die Städtepartnerschaft zwischen Coburg und Oudenaarde gewertet. Die Festrede bei dieser Abendveranstaltung hielt mit der Gouverneurin von Ostflandern, Carina van Cauter, eine weitere politische Persönlichkeit.

Coburger OB betont „Band des Friedens“

OB Sauerteig betonte in seiner Rede die Bedeutung dieser Verschwisterung: „Wo sich einst Kriegsfeinde gegenüberstanden, verbindet heute ein Band des Friedens und der Freundschaft beide europäischen Städte.“

Das Entstehen der Städtepartnerschaft zwischen Coburg und Oudenaarde hat direkt mit den Ereignissen zwischen 1939 und 1945 zu tun: Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war das deutsche 95. Thüringer Infanterieregiment, dem auch viele Soldaten aus Coburg angehörten, für einige Monate in Oudenaarde einquartiert. Somit standen sich auf dem Schlachtfeld Menschen aus Coburg und Oudenaarde gegenüber.

Dass es gelungen ist, diese Feindschaft zu überwinden und heute eine sehr freundschaftliche Städtepartnerschaft zu pflegen, wird auch in einem Offenen Brief dokumentiert. Verfasst haben ihn die Teilnehmer der Coburger Delegation.

50 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Coburg und Oudenaarde; hier: Festakt in Belgien.
50 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Coburg und Oudenaarde; hier: Festakt in Belgien.
Foto: tpa

Der Offene Brief hat folgenden Wortlaut:

„Eine ganz besondere Freundschaft

Gerade in diesen unruhigen Zeiten, in denen mitten in Europa ein Krieg tobt, sind es vor allem die kleinen Gesten, die so wichtig geworden sind. Als Delegation des Coburger Stadtrats besuchten wir aus Anlass des 50-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläums das belgische Oudenaarde.

Uns empfingen offene Arme, eine bemerkenswerte Herzlichkeit und Wärme – kurz Freunde. Vier Tage lang haben wir eine beeindruckende Gastfreundschaft erlebt. Nicht nur die offiziellen Feierlichkeiten und das tolle Besuchsprogramm haben uns die Wertschätzung unserer belgischen Freunde vor Augen geführt. Der Besuch des belgischen Premierminister Alexander de Croo während der Abendveranstaltung am Samstag und die Festrede der Gouverneurin von Ostflandern, Carina van Cauter, haben uns gezeigt wie wichtig nicht nur den politischen Entscheidungsträgern in Belgien diese Städtepartnerschaft ist.

„Ein sehr emotionaler Moment“

Dass wir an der Zeremonie des Befreiungstages, der auch 77 Jahre danach, an das Ende des 2. Weltkrieges erinnert, nicht nur teilnehmen dürften, sondern aktiv eingebunden wurden, war für uns alle ein sehr emotionaler Moment. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine, hat er uns vor Augen geführt, wie fragil unser Europa ist.

Wir alle sind fest überzeugt davon, dass nur durch die Pflege von Freundschaften und dem ständigen Austausch der „europäische Gedanke„ und damit Frieden und Freiheit in Europa weiterleben werden. Genau dazu tragen Freundschaften wie die zwischen Oudenaarde und Coburg bei. Entstanden zwischen Feinden, die sich zu Beginn des 2. Weltkrieges, als das deutsche 95. Thüringer Infanterieregiment mit vielen Coburger Soldaten für einige Monate in Oudenaarde einquartiert war, auf dem Schlachtfeld gegenüberstanden.

Viele Jahre später, im Jahr 1971, wurde der belgischen Stadt am Rande der Ardennen die Hand gereicht. Aus Feinden wurde Freunde und seit inzwischen 50 Jahren pflegen beide Städtepartnerschaftsvereine, Privatpersonen und auch die Verwaltungen, mit vielen gegenseitigen Besuchen diese Beziehungen. Bei einem Besuch auf dem deutschen Soldatenfriedhof Menenwald (hier sind mehr als 48.000 deutsche Soldaten bestattet), wurde uns knallhart vor Augen geführt, wie schrecklich die Folgen eines Krieges sein können. Ebenso klar, wurde uns aber bewusst, was eine Städtepartnerschaft leisten kann, oder wie es Coburgs Ehrenbürger und Altoberbürgermeister Norbert Kastner ausdrückte: „Der entscheidende Unterschied zwischen damals und heute ist: Freunde schießen nicht aufeinander!“

Für eins starkes Europa

Das für uns unvergessliche Wochenende in Oudenaarde hat uns gezeigt, dass es nicht schwer ist etwas für Frieden und Völkerverständigung zu tun. Eine lebendige Freundschaft über Landesgrenzen hinweg, ist ein wichtiger Baustein im Fundament eines starken Europas. Als teilnehmende Stadträte an der Delegationsfahrt nach Oudenaarde werden wir auch in Zukunft alles dafür tun, dass wir unsere internationalen Freundschaften mit unseren Partnerstädten weiter pflegen und ausbauen.“

Unterzeichner des Offenen Briefs sind:

OB Dominik Sauerteig und Martin Lücke (beide SPD), Jürgen Heeb (Städtepartnerschaftsbeauftragter und Pro Coburg), Frank Völker (CSB), Kevin Klüglein (Grüne), Maximilian Forkel (CSU/JC) und Thomas Apfel (Pro Coburg)

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