Geschichte
Das Ende einer Puppen-Manufaktur
Elfleins Geburtshaus in Neustadt.
Elfleins Geburtshaus in Neustadt.
Foto: Isolde Kalter
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Neustadt bei Coburg – Riss ein Schiff eine Puppen-Firma aus Neustadt mit in die Tiefe?

Was geschah mit der Fracht eines Neustadter Puppenherstellers aus dem frühen 20. Jahrhundert? Die Heimatforscherin Isolde Kalter hat sich auf die Spuren eines Ereignisses gemacht – und sucht weitere Hinweise.

DIE bayrische Puppenstadt: Neustadt.
DIE bayrische Puppenstadt: Neustadt.
Foto: Foto: Nicolas Armer/dpa

Kleine Betriebe, durchschnittlich mit zwei Beschäftigten, waren die Regel in der Neustadter Spielwarenherstellung der 20er und 30er Jahre. Drücker, Arm- und Beinanstreicher, Augeneinsetzer, Wimpernmacherinnen, Puppenfriseusen, Puppenschuh- und Hutmacher: sie alle arbeiteten in Kleinstbetrieben. Wer sich Puppenfabrikant nennen konnte, zeigte damit an, dass er mehrere Personen mit verschiedenen Tätigkeiten in seiner „Manufaktur“ beschäftigte (der Begriff „Manufaktur“ bedeutet, dass arbeitsteilig, aber im Gegensatz zur Fabrik noch kaum mit Maschinen gearbeitet wird). Mit diesem Titel schmückte sich nachweislich in den 30er Jahren Adam Elflein.

Elflein (in Uniform) mit Familie.
Elflein (in Uniform) mit Familie.
Foto: Isolde Kalter

Adam Elflein wurde am 20.7.1888 als Sohn des Papiermachédrückers Heinrich Ferdinand Elflein und dessen Ehefrau, Anna Magdalena geb. Hofmann, in Neustadt geboren. Er wohnte und arbeitete in der Brunnenstraße 12, Ecke Rosenstraße. Am 25.2.1912 heiratete er die aus Kemmaten stammende Luise Bauer (* 19.12.1885). Auf dem Foto, das ihn in bayerischer Uniform wohl anlässlich seiner Einberufung zum Militärdienst im Ersten Weltkrieg zeigt, sieht man ihn schon mit zwei kleinen Kindern.

Kriegs-Krise

Der Erste Weltkrieg wurde vielen Puppenherstellern zum Verhängnis. Importverbote der gegnerischen Staaten einerseits und der Aufbau entsprechender Produktionen im Ausland andererseits verkleinerten den Absatzmarkt drastisch. Adam Elflein hielt durch, 1934 wie auch 1937 erscheint er in den Adressbüchern als Puppenfabrikant. Doch dann geschah etwas, das zur Folge hatte, dass Elflein nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch nebenbei im Gartenhäuschen seiner Profession nachging.

Unterlagen darüber, wodurch sein Betrieb zu Grunde ging, gibt es leider nicht mehr. In der Familie hält sich die Erzählung, dass Elflein eine ganze Jahresproduktion seiner Puppen bei einem Schiffsunglück auf der Fahrt nach Amerika verlor, wohin er sie nicht selbst, sondern über einen Sonneberger Kaufmann geschickt hatte. Leider sind der Zeitpunkt wie auch der Name des Schiffes nicht bekannt, es heißt nur ungefähr, das sei vor dem Zweiten Weltkrieg geschehen.

War es die „Isis“?

Forscht man nach der Havarie eines Frachters im entsprechenden Zeitraum, findet man neben Kohlen- und Stahltransportern eigentlich nur einen Untergang mit „gemischter“ Ladung: es handelt sich um den Schiffbruch der „Isis“ in der Nacht vom 8. auf den 9. November 1936. Allerdings erwähnt das Neustadter Tageblatt in seinen Berichten zur Katastrophe vor der englischen Küste bei Land“s End mit keinem Wort einen Zusammenhang mit Neustadt, und am Jahresende besteht der Rückblick auf die Entwicklung der Neustadter Wirtschaft nur aus den üblichen Lobesworten für die nationalsozialistische Führung.

Es wäre ja eigentlich zu erwarten, dass von dem Schiffsunglück nicht nur ein Betrieb in der Region betroffen war. Die Heimatpflegerin bittet daher alle Neustadter und Sonneberger Leser, in deren Familien sich vielleicht ähnliche Berichte oder sogar Belege zu dieser Geschichte sowie Informationen zur Puppenfabrik Elflein oder zu den Frachtabläufen erhalten haben, sich bei ihr zu melden: telefonisch unter 09568 7326 oder per E-Mail unter isolde.kalter@neustadt-bei-coburg.de.

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