Interview
Emmi Zeulner: Pflegebonus „absolut unzureichend“
Emmi Zeulner
Emmi Zeulner
Foto: Archiv/Matthias Hoch
Martin Kreklau von Martin Kreklau Bayerische Rundschau
Kulmbach – Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) kann den Ärger über die ungerechte Verteilung verstehen. Weshalb sie dennoch für die Ausschüttung in der aktuellen Form gestimmt hat, erklärt sie hier.

Sie waren selbst Krankenschwester – können Sie den Unmut von Medizinischen Fachangestellten, OP-Pflegern und Teilzeitkräften nachvollziehen?

Ja, denn es geht nicht um Almosen, sondern um Leistungsgerechtigkeit. Deswegen ist die grundsätzliche Idee eines Bonus auch richtig. Es ist leistungsgerecht und mehr als angebracht. Aber die Art und Weise wie der Bonus ausgeschüttet wird und welchen Personenkreis er umfasst, ist absolut unzureichend und entspricht einfach nicht der Belastung in der Klinikrealität.

Was waren Ihrer Beweggründe, dennoch für den Bonus zu stimmen?

Ich habe dafür gestimmt, weil es mir wichtig war, dass die Pflege profitiert, auch wenn der Adressatenkreis mir nicht weit genug war. Ich habe schon bei der ersten Bonus-Auszahlung dafür gekämpft, dass Hebammen, Medizinische Fachangestellte (MFA) und Rettungssanitäter mit bedacht werden, denn sie waren es, die im wahrsten Sinne des Worte „an vorderster Front“ die medizinische Versorgung mit gewährleistet haben. In Bayern konnten wir zumindest für die Rettungssanitäter im vergangenen Jahr einen Bonus erreichen. Leider wurde der im Frühjahr von der Union eingebrachte Antrag, auch die Rettungssanitäter, die MFAs und die zahnmedizinischen Fachangestellten mit in den Bonus einzubeziehen von der Ampelregierung abgelehnt.

Welche Lösung wäre die bessere/gerechtere gewesen?

Ich hätte eine Lösung bevorzugt, die die Verantwortung in die Hände der Kliniken vor Ort legt. Das heißt konkret, dass man es dem Betriebsrat überlässt, zum Beispiel über ein Stufensystem nach Berufsgruppe oder Tätigkeitsfeld den Bonus im Haus zu verteilen. Denn das Wissen über die Belastung liegt nun einmal nicht im Bundesgesundheitsministerium, sondern bei den Verantwortlichen vor Ort.

Weshalb wurde die vorige Lösung – die Krankenhäuser entscheiden selbst über die Verteilung – nicht beibehalten?

Hintergrund war die Forderung, zum Beispiel von der Linken, nach einer zentralen Vorgabe, so dass die Auseinandersetzung, wer vom Bonus profitiert, aus den Häusern herausgehalten wird. Ich weiß aber aus meinem Wahlkreis, dass – auch wenn die Entscheidung vor Ort nicht leicht gefallen wäre –, sich vor allem die Mitarbeitervertreter dieser Verantwortung selbstverständlich gestellt hätten.

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