Seuche
Tierheim: Für acht Tiere kam jede Hilfe zu spät
Diese Babykatze scheint mittlerweile über den Berg zu sein.
Diese Babykatze scheint mittlerweile über den Berg zu sein.
Foto: Angelika Enzmann
Jochen Nützel von Jochen Nützel Bayerische Rundschau
Kulmbach – Im Kulmbacher Tierheim grassierte ein Virus, dem einige Babykatzen zum Opfer gefallen sind. Eingeschleppt wurde der Erreger offenbar von außen.

Die Tierheimtür ist geschlossen, kein Einlass möglich. Angelika Enzmann, die stellvertretende Leiterin der Einrichtung, bittet um Verständnis, dass das wohl auch noch in den nächsten Tagen so bleiben wird. Denn im Tierheim grassierte eine Seuche, die mittlerweile acht Katzenbabys das Leben gekostet hat: Parvovirose (siehe Infobox). Die gute Nachricht ist: Mittlerweile scheint das Team das Virus im Griff zu haben. „Wir gehen trotzdem auf Nummer sicher, denn wir wollen keinen Rückschlag riskieren und kein Risiko für unsere anderen Tiere eingehen“, sagt Angelika Enzmann.

Durchfall und Erbrechen

Wer die Seuche ins Tierheim eingeschleppt hat, lässt sich nur vermuten. Naheliegend ist die jüngste Aufnahme mehrerer Katzen aus einer offenbar unkontrollierten Privathaltung. Es handelte sich um elf Babykatzen. „Das heimtückische an der Infektionserkrankung ist: Man sieht es den Tieren nicht gleich an, ob sie den Erreger in sich tragen. Viele haben ihn, aber er bricht nicht aus. Die Katzen können putzmunter sein – und nur wenige Stunden später leiden sie an den typischen Symptomen wie blutigem Durchfall und Erbrechen. Das kann dann rasend schnell gehen. Sehr oft überleben das die Katzen nicht.“ Für Menschen hingegen ist laut Enzmann das Virus ungefährlich.

Acht Jungkatzen sind der Seuche bisher zum Opfer gefallen. Das Tierheimteam hat die Hygienemaßnahmen nochmals verschärft, um eine Ausbreitung zu verhindern. Offenbar mit Erfolg, wie die stellvertretende Tierheimleiterin berichtet: „Es sind keine weiteren Todesfälle dazugekommen. Und bei den Testungen hat sich gezeigt: Alle waren ohne Befund. Das ist ein gutes Zeichen, dennoch wollen wir den Publikumsverkehr noch einschränken.“ Nicht betroffen ist die Hundeabteilung, auch die Gassigeher können wie gehabt ihre Vierbeiner ausführen. Solche Viruswellen können in einem Tierheim immer mal wieder die Runde machen, sagt Angelika Enzmann. In Ködnitz war man in den vergangenen Jahren zum Glück davon verschont geblieben. Doch Gewissheit gibt es nicht, dass das so bleibt.

„Impfen ist unabdingbar“

Deswegen verweist die stellvertretende Leiterin einmal mehr auf die Wichtigkeit von Impfungen wie auch Kastrationen. „Kommt es nicht zu ungezügelten Überpopulationen, kann sich so eine Seuche auch nicht so leicht und so weit verbreiten. Und die entsprechenden Impfungen gegen Katzenseuchen sollten für jeden Halter selbstverständlich sein, selbst für die, die Hauskatzen haben, denn auch sie kann es treffen.“ Das Tierheim führt regelmäßige Kastrationsaktionen durch, ist dafür aber auf Spenden angewiesen. Wer unterstützen möchte: Alles Weitere dazu findet sich online auf der Homepage kulmbacher-tierheim.de.

Hintergrund: Parvovirose

Der Erreger 
Bei der Parvovirose handelt es sich um eine Virusinfektion. Sie wird bei Katzen durch das Feline Panleukopenie-Virus (FPV) ausgelöst. Dieses Virus vermehrt sich in schnell teilenden Zellen der Wirtstiere, also insbesondere im Dünndarm, in der Milz und im Knochenmark.  Nur spezielle Desinfektionsmittel können das Virus zuverlässig abtöten, denn es übersteht sogar Temperaturen bis 70 Grad. 

Die Übertragung
Infizierte Katzen scheiden eine große Menge Viren über den Kot aus. Die Ansteckung erfolgt über dessen Aufnahme, durch kontaminiertes Futter, Spielzeug oder Kleidung. Ungeborene Katzenwelpen können das Virus im Mutterleib übertragen bekommen.

Die Symptome
Die Erkrankung verläuft meist akut. Infizierte Tiere zeigen Appetitlosigkeit, Apathie und haben Fieber, gefolgt von Erbrechen und schwerem, teils blutigem Durchfall, der zur Dehydrierung führen kann. 

Die Behandlung
Eine antivirale Therapie gegen die Katzenseuche gibt es nicht. Wichtig sind strenge Hygienemaßnahmen, erkrankte Tiere müssen von anderen isoliert werden. Zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts benötigen die Patienten intravenöse Infusionen, dazu kann der Tierarzt ein Breitband-Antibiotikum verabreichen, um eine Ausbreitung von Bakterien zu verhindern. 

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