In Box ausgesetzt
Kulmbach: Kätzchen zum Sterben zurückgelassen
Die beiden ausgesetzten Kätzchen werden in der Quarantänestation des Tierheims aufgepäppelt.
Die beiden ausgesetzten Kätzchen werden in der Quarantänestation des Tierheims aufgepäppelt.
Foto: Jochen Nützel
Jochen Nützel von Jochen Nützel Bayerische Rundschau
Kulmbach – Ein Burghaiger entdeckt vor seiner Laube eine Transportbox, aus der es miaut. Zum Vorschein kommen zwei Kätzchen – ausgesetzt ohne Wasser und Futter.

Die Quarantäne des Tierheims hat seit ein paar Tagen zwei neue Insassen, die dem Tod wohl nur knapp von der Schippe gesprungen sind. Die schwarzen Fellknäuel schauen Heimleiterin Carina Wittmann aus funkelnden Augen an und beschweren sich, dass sie (schon wieder) hinter Gitter sitzen müssen.

Doch die Vierbeiner können froh sein, dass sie noch am Leben sind: Sie wurden in Burghaig ausgesetzt, in einer kleinen Transportbox vor einer Gartenlaube abgestellt wie Schuhe, die keiner mehr haben will. Bei 32 Grad, ohne Wasser und Futter, ohne Decke.

„Wer macht so etwas?“ Carina Wittmann schüttelt den Kopf. „Es sind eben keine abgetragenen Kleider, die man wegwirft, sondern Lebewesen.“

Lob für sein Handeln verteilt sie an den Burghaiger Grundstücksbesitzer, der nicht lange fackelte und die Kätzchen im Tierheim abgab. Warum die Tiere ausgerechnet vor seiner Tür abgelegt wurden? Darauf kann sich der Mann, der ungenannt bleiben will, keinen Reim machen. Der Kulmbacher stand mit besagter Transportbox plötzlich vorm Eingangstor des Tierheims und berichtete den Vorfall.

Rechtzeitig entdeckt

Wie lange die Kätzchen in ihrer misslichen Lage ausharren mussten, lässt sich nicht rekonstruieren. „Die Schlitze dieser Box sind relativ schmal, da staut sich die Hitze schnell im Inneren. Es war auf jeden Fall Glück, dass sie rechtzeitig entdeckt worden sind. Ohne Versorgung hätten sie nicht lange durchgehalten“, sagt Carina Wittmann.

Die Vierbeiner werden derzeit aufgepäppelt. „Sie sind zwar sehr dünn, aber ansonsten in erstaunlich guter Verfassung, haben weder Flöhe noch Milben. Wir vermuten, dass sie aus Wohnungshaltung stammen.“ Es handelt sich bei den beiden um Katzen der Gattung Europäisch-Kurzhaar. Sie werden in den nächsten Tagen noch im Tierheim bleiben und können dann, sobald sie sich stabilisiert und an Gewicht zugelegt haben, zur Vermittlung freigegeben werden. Dann sind auch die nötigen Impfungen erfolgt.

Da die Kätzchen jedoch Geschwister sind und sehr aneinander hängen, werden sie nur als Paar vermittelt.

Tierschutzverein verlangt keine Gebühr

Carina Wittmann weist in diesem Zusammenhang nochmals darauf hin, dass es keine Option ist, ein Tier seinem Schicksal zu überlassen. „Es kann Situationen geben, die es nötig machen, sich von einem Tier zu trennen, sei es Krankheit oder eine finanzielle Notlage. Davor ist niemand gefeit. Der Tierschutzverein verlangt als einer der ganz wenigen in Deutschland keine Gebühr dafür, wenn bei uns ein Tier abgegeben wird. Wir bieten das bewusst kostenfrei an, um genau solche Fälle wie jenen der beiden Kätzchen vermeiden zu helfen. Aber solche Fälle häufen sich leider.“

Vernachlässigung von Tieren ist eine Straftat

Gemäß Paragraf 3, Absatz 3 Tierschutzgesetz (TierSchG) ist es verboten, ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen.

Das bedeutet: Wer eine Katze aussetzt, macht sich strafbar. Ein Bußgeld von 25.000 Euro kann die Folge sein. Dieses Bußgeld kann bereits anfallen, wenn man das Tier – beispielsweise während der Urlaubszeit – auf sich allein gestellt zu Hause zurücklässt und sich nicht um eine angemessene Pflege des Tieres kümmert.

Es geht aber noch drastischer: Sollte ein ausgesetzter Hund verhungern, da er ohne jegliche Versorgung an einem Baum auf einem Rastplatz angebunden wurde, drohen dem Halter wegen Tierquälerei sogar Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren.

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