Branche boomt
Der große Run aufs Rad
Heiko Kippes schraubt an einem Fahrrad in seiner Werkstatt.
Heiko Kippes schraubt an einem Fahrrad in seiner Werkstatt.
Foto: Milena Meder
Bad Kissingen – Seit Beginn der Pandemie sind Fahrräder beliebt wie nie. Doch noch immer stellt der Markt Kunden und Händler vor eine Geduldsprobe.

Lieferengpässe und steigende Preise gehören für viele Fahrradhändler mittlerweile zum Alltag. Auch die Händler bei uns in der Region haben damit zu kämpfen.

Händler harrt aus: Liefertermine lassen sich kaum vorhersagen

"Teilweise fehlt sogar noch die Frühjahrsware", berichtet Heiko Kippes, Inhaber des Fahrradladens Heiko's Radschuppen in Hammelburg. Von Lieferschwierigkeiten betroffen ist beinahe alles, was mit dem Fahrrad zu tun hat: "Von den Rädern selbst, über Bremsen bis hin zu Ketten und Schaltungen kann es alles sein", sagt der Zweiradhändler. Liefertermine lassen sich teils nur schwer festlegen - inzwischen sind Verschiebungen von bis zu einem Jahr Normalität.

Aktuell müssen Fahrradhändler ihre Bestellungen für Räder zwei Jahre im Voraus aufgeben. Bedeutet: Die Bikes für das Jahr 2023 wurden bereits vor über einem Jahr bestellt. Ähnlich läuft es mit der Ware für 2024 - eine Besserung der Situation ist nicht in Sicht. Und: Nicht nur die Verkäufer bekommen die Lieferprobleme zu spüren. Die Marke Cube arbeitet mittlerweile 15 Monate im Voraus. "Daher kommt die Ware kontinuierlicher, allerdings auch nicht immer pünktlich", sagt der Inhaber des Radschuppens.

Lücken im Sortiment

Viele Händler haben also trotz der frühzeitigen Vorbestellungen große Lücken im Sortiment, die sie voraussichtlich auch in diesem Jahr nicht füllen können. Und: Laut der dpa wird weiter eine hohe Nachfrage, auch wegen der steigenden Energiepreise, erwartet. 81 Millionen Fahrräder gibt es nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands in Deutschland. Käuferinnen und Käufer greifen immer tiefer in die Tasche: Der durchschnittliche Verkaufspreis lag vergangenes Jahr bei 1395 Euro - fast drei Mal so viel wie noch zehn Jahre zuvor.

Neue Strategie

Der Fahrradmarkt hat sich dem angepasst. Kippes beschreibt die Änderung folgendermaßen: Vor der Pandemie kamen die Kunden in sein Geschäft und suchten sich ein passendes Rad in der Ausstellung aus. Durch das lückenhafte Angebot ist das nun nicht mehr möglich. "Im Vergleich zu vorher habe ich nur noch weniger als die Hälfte in der Ausstellung stehen." Mittlerweile wird das Bike häufig im Katalog oder Internet ausgesucht und anschließend vom Händler bestellt. Begrenzte Kontingente der Verkäufer beim Hersteller können aber auch hier zu langen Wartezeiten führen. Es gilt die Devise: "Wer sich früh kümmert, hat bessere Chancen das zu bekommen, was gewünscht ist."

Wartezeiten schon bei Reparaturen

Nicht nur der Fahrradkauf gestaltet sich aktuell schwieriger, auch lange Wartezeiten auf einen Reparaturtermin sind nicht mehr ungewöhnlich. Die dpa spricht teils von mehreren Wochen Wartezeit bei manchen Reparaturen. Das konnte der Hammelburger in seinem Geschäft bis jetzt allerdings verhindern. "Mein Lagerbestand ist aktuell fünf Mal so hoch wie vor der Pandemie." Bestellt hat er seine Ersatzteile sonst drei bis vier Wochen im Voraus, mittlerweile rechnet er mit Lieferzeiten von einem Jahr. Durch Planung lassen sich Materialengpässe also noch vermeiden.

Aber: Die Rede ist hier nur von den gängigsten Verschleißteilen. Spezielle Komponenten haben die Verkäufer häufig nicht auf Lager, hier kann es also zu langen Lieferzeiträumen kommen. Auch untereinander helfen sich die Fahrradhändler im Landkreis. "Wir versuchen so gut es geht unter den Kollegen zu tauschen. Es kann aber auch passieren, dass es bestimmte Teile einfach nicht gibt", sagt Kippes.

Tipps vom Profi

Gute Pflege des Bikes hilft, eine Reparatur und somit auch die Wartezeiten zu vermeiden. "Das Rad sauber halten kann jeder problemlos von Zuhause", erzählt der Fahrradexperte. Er empfiehlt vor allem die Pflege von Schaltung und Kette. Auch regelmäßiges Ölen erhöht die Langlebigkeit des Zweirads. Keine Probleme sollten auch die Kontrolle des Reifenluftdrucks und lockere Schrauben machen.

Allgemein gilt: Das Fahrrad im Blick behalten erhöht die Langlebigkeit und verhindert den Gang zur Werkstatt. Vor jedem Ausflug empfiehlt Kippes seinen Kunden den sogenannten Klappertest. Dabei soll das Fahrrad aus ungefähr fünf Zentimeter Höhe auf den Boden fallen gelassen werden - normalerweise sollte man dabei keine ungewöhnlichen Geräusche hören. Falls doch, empfiehlt sich ein genauerer Blick auf das Rad. 

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