Gesundheits-Tipps
Heuschnupfen: Kein Aufatmen für Allergiker
Für Allergiker bricht derzeit wieder eine unliebsame Jahreszeit an.
Für Allergiker bricht derzeit wieder eine unliebsame Jahreszeit an.
Foto: Galitskaya, stock.adobe
Bad Kissingen – Niesanfälle, Nase putzen und geschwollene Augen - die Pollenzeit steht bevor. Die Redaktion hat nachgefragt, wie sich die Symptome lindern lassen.

Sonnenstrahlen, blühende Bäume und zweistellige Temperaturen - all das gehört für viele Menschen zum Frühling, auch wenn der kurzzeitig zum Winter wurde. Aber: Für mehr als 20 Millionen Allergiker in Deutschland beginnt damit die schlimmste Zeit des Jahres. Niesattacken, Nase putzen und tränende Augen werden zum Alltag.

Grund ist die hohe Pollenbelastung in dieser Jahreszeit. Ein Regenschauer sorgt bei Betroffenen häufig für Aufatmen - allerdings nur kurzfristig. Den Kontakt mit dem Blütenstaub zu vermeiden, ist beinahe unmöglich. Die Redaktion hat nachgefragt, welche Pollen diese Saison in der Luft zu finden sind, was eine Pollenallergie ist, welche Symptome auftreten und wie sie sich behandeln lassen.

Überreaktion des Immunsystems

Die Bad Kissinger Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Frau. Dr. med. Ryan Santiago Stiel beschreibt die Krankheit folgendermaßen: "Es handelt sich bei einer Pollenallergie um eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Proteine. Die Symptome sind sehr vielfältig." Von Atembeschwerden, Juckreiz der Nase oder Augen bis hin zu Hautrötungen ist vieles möglich.

Sie ähneln stark denen einer Infektionskrankheit. "Die Abgrenzung einer Allergie ist nicht einfach, die Symptome sind sehr individuell", macht auch Tilman Bayer, Fachapotheker für Allgemeinpharmazie von der Ludwig Apotheke in Bad Kissingen deutlich.

Pollenmessstation in Münnerstadt

Aufgezeichnet wird der Pollenflug in Deutschland unter anderem von der "Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst". Messstationen in ganz Deutschland liefern Informationen, welcher Blütenstaub zu welcher Tages- und Nachtzeit aktuell in der Luft fliegt.

Auch im Landkreis Bad Kissingen befindet sich eine dieser Messstellen - auf dem Dach des Thoraxzentrum Bezirk Unterfranken in Münnerstadt. "Bei Gräsern und Kräuterpollen sind die Schwankungen von Jahr zu Jahr nicht besonders groß", beschreibt Matthias Werchan, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung, die Situation.

Hier blieb die Zahl der Pollen in den vergangenen Jahren weitgehend konstant. Anders bei den Baumpollen: Hier sind besonders große Schwankungen in den einzelnen Jahren zu erkennen.

Esche und Birke kommen stark

Nach einer schwachen Saison der Birke im vergangenen Jahr, werden heuer wieder vermehrt Pollen des Baumes erwartet - eventuell sogar überdurchschnittlich viele. Die Zeichen deuten ebenfalls auf ein starkes Jahr der Esche hin. "Nach einem schwachen Jahr folgt oft ein stärkeres", erklärt Werchan.

Die Bäume hatten Zeit, sich zu erholen und produzieren im darauffolgenden Jahr wieder vermehrt Pollen. Eine verbindliche Aussage lässt sich allerdings nicht treffen. Ebenfalls die Umweltbedingungen haben einen großen Einfluss auf den momentanen Pollenflug . "Es ist immer abhängig vom Wetter", argumentiert Werchan. Sonne, Trockenheit, Wind und milde Luft sind gute Voraussetzungen für den Pollenflug der Bäume im Frühjahr.

Sowohl für die Buche, als auch für die Eiche, können noch keine Einschätzungen für die anstehende Saison getroffen werden, da die Blütezeit der beiden Baumarten noch nicht begonnen hat. Zur Information der Betroffenen über den aktuellen Pollenflug empfiehlt Werchan die Vorhersagen der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst sowie des Deutschen Wetterdienstes .

Immer mehr Allergiker

Allgemein lässt sich ein Anstieg der Belastung von Baumpollen über die letzten Jahre beobachten. Festgestellt haben das auch Ärzte und Apotheker: Parallel dazu macht sich auch eine Zunahme an Allergikern bemerkbar. "Aufgrund des Klimawandels, Essgewohnheiten und Schadstoffen lässt sich ein deutlicher Anstieg von Allergikern beobachten", stellt Stiel fest. "Eine Pollenallergie kann im Kindesalter das erste Mal auftreten, muss aber nicht", macht auch der Inhaber der Marbach Apotheke, Jonathan Schneider, deutlich.

Was tun bei Allergieverdacht

Beide Apotheker empfehlen Betroffenen die Anwendung von antiallergischen Nasensprays oder Augentropfen. Bei stärkeren Symptomen können auch Antihistaminika in Form von Tabletten helfen. Viele Allergiker lehnen diese allerdings ab. Grund dafür ist das häufige Auftreten starker Müdigkeit als Nebenwirkung, die den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigt. Das hat sich allerdings geändert: "Mittlerweile gibt es gut Ausweichmöglichkeiten, die weniger müde machen", erklärt Schneider.

Treten allergieähnliche Symptome zum ersten Mal auf, empfiehlt er dies dringend bei einem entsprechenden Arzt abzuklären. Nicht zu vergessen: "Oftmals entsteht auch ein großer Leidensdruck für die Patienten", beschreibt Bayer, der selbst mit einer Pollenallergie zu kämpfen hat.

Die Ärztin empfiehlt Patienten das regelmäßige Duschen, um die Pollen von Haut und Haaren abzuwaschen - vor allem abends vor dem Schlafengehen. Auch regelmäßige Nasenduschen und die nachfolgende Anwendung weicher Nasensalben können die Schleimhaut vor Allergenen schützen. "Nach einer sorgfältigen Untersuchung empfehle ich Allergie-Patienten je nach Diagnose zum Beispiel eine Hyposensibilisierung", sagt die Ärztin.

Dabei werden Allergiker einen gewissen Zeitraum mit den allergieauslösenden Stoffen konfrontiert, um die Abwehrzellen langfristig an die Allergene zu gewöhnen. Ähnliches rät auch der Inhaber der Marbach Apotheke: Die Tageskleidung auf keinen Fall im Schlafzimmer aufbewahrt werden. Ebenfalls die Stabilisierung des Immunsystems durch darmaufbauende Medikamente kann helfen.

Warum Honig helfen kann

Auch gewisse Hausmittelchen machen unter Allergikern immer wieder die Runde. Vor allem aber die Therapie mit Honig wird in letzter Zeit immer beliebter. Bei dessen Verzehr trainiert man das Immunsystem ähnlich wie bei einer Desensibilisierung. Zu beachten ist allerdings, dass es sich um Honig aus der Region handeln sollte - damit die Pollen enthalten sind, auf die der Körper allergisch reagiert. Belege, dass es funktioniert, gibt es dafür allerdings nicht. "Es gibt die Idee des Honigs sogar als Arzneimittel, das hilft aber lange nicht allen", ist Bayer der Meinung. Auch Schneider sieht das ähnlich: "Ich habe wenig Hoffnung, dass man bei starker Allergie nur damit klarkommt."

Die Ärztin empfiehlt die Einnahme von Zinktabletten. Es verringere die Freisetzung von Allergie verstärkenden Botenstoffen und dämpft somit eine überschießende Reaktion. "Ebenfalls kann Schwarzkümmelöl eingenommen werden, da es immunmodulierend wirkt." Die Einnahme und individuelle Dosierung von Nahrungsergänzungsmitteln sollte aber immer nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt getätigt werden. Eine universelle Behandlung gibt es aufgrund der unterschiedlichen Symptome und Verläufen also nicht.

Symptome:

  • Typisch: teils wässriger Nasen-Ausfluss, Atembeschwerden durch Schwellung der Schleimhäute (Allergie kann obere und untere Atemwege betreffen), Juckreiz der Nase und der Augen, Fremdkörpergefühl und Rötung der Augen, Niesattacken, Kratzen im Hals sowie Hautrötungen.
  • Unterschied Baum-, Kräuter- und Gräserpollen:
  • Baum: Hasel, Erle, Birke, Esche, Erle, etc.
  • Kräuter: Beifuß, regional Ambrosia, Ampfer, Wegerich
  • Gräser (Süßgräser): Getreide (meist Roggen ), Ruchgras, Knäuelgras, Lolch, Wiesenlieschgras, Wiesenrispengras

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