Bewohner verzweifelt
Münnerstadt: Wer hat das Altenheim beklaut?
Wolfgang Blümlein sitzt auf dem Fußhocker, den die Diebe im Juliusspital zurückließen. Der Massagesessel, den die Altenheimbewohner sehr gerne genutzt haben, wurde an Weihnachten gestohlen. 4400 Euro hatte die Spende des Helfervereins gekostet. Foto: Ulla Ritzmann
Wolfgang Blümlein sitzt auf dem Fußhocker, den die Diebe im Juliusspital zurückließen. Der Massagesessel, den die Altenheimbewohner sehr gerne genutzt haben, wurde an Weihnachten gestohlen. 4400 Euro hatte die Spende des Helfervereins gekostet. Foto: Ulla Ritzmann
Foto: Ulla Ritzmann
Münnerstadt – Unbekannte haben an Weihnachten einen teuren Massagesessel aus dem Juliusspital gestohlen. Die Heimleiterin ist sich sicher: Die Aktion war geplant.

Für Heimleiterin Dagmar Schirling ist es ein einziges Rätsel. "Am 23. Dezember hat eine Mitarbeiterin den Massagesessel in ihrer Pause benutzt", sagt sie. Am Vormittag des 24. Dezember hat dann ein Bewohner nachgefragt, wo der Sessel geblieben ist. "Was, der Sessel ist weg?", war die erste Reaktion.

Dann hat sich Entsetzen breit gemacht, beschreibt Dagmar Schirling die Situation. Aber weil es eigentlich nicht sein konnte, schauten sich die Mitarbeiter in sämtlichen Zimmern um. Es hätte ja sein können, dass ein Bewohner sich den Sessel in sein Zimmer geholt hat. Die ohnehin sehr unwahrscheinliche Möglichkeit bestätigte sich nicht. Der Sessel war weg. Und weil er auch nicht wieder auftauchte, erstatteten die Mitarbeiter nach den Feiertagen Anzeige bei der Polizei. Die Ermittlungen laufen.

"Sie haben den Sessel geliebt"

Der Helferverein Juliusspital hatte den Massagesessel, zu dem auch ein Fußhocker gehört, im Jahr 2018 dem Altenheim geschenkt. 4400 Euro hat er damals gekostet." Die Bewohner haben sich riesig gefreut, erinnert sich die Heimleiterin. Er sei auch sehr gut genutzt worden.

Gerontofachkraft Babett Eberlein hat die Bewohner, die nicht selbst zum Sessel laufen konnten, hingebracht, damit sie auch in den Genuss einer Massage kommen können. Der Massagesessel war nicht kompliziert in der Bedienung. "Man muss nur einen Knopf drücken und bekommt eine total angenehme Rückenmassage", sagt die Heimleiterin. "Die Bewohner hingen sehr an dem Sessel, sie haben ihn geliebt." Das bestätigt Wolfgang Blümlein, der im Haus lebt. "Das tut weh", sagt er zu dem Verlust. "Vor allem im Rücken." Den kann er nun nicht mehr im beliebten Sessel massieren lassen.

Strenge Einlassregeln

Für Dagmar Schirling steht fest, dass der Massagesessel zwischen dem 23. und 24. Dezember verschwunden sein muss. Aber: "Das Haus ist zu, hier kommt niemand so einfach rein." Die Regelungen sind streng. Besucher müssen getestet und geboostert sein, pro Bewohner wird einer eingelassen. Die Treffen finden im Juliuszimmer statt, jenem Aufenthaltsraum im Erdgeschoss, in dem auch der Massagesessel stand. Für Bewohner und Besucher gilt gleichermaßen: Wenn sie ins Haus wollen, müssen sie klingeln, dann kommt eine Mitarbeiterin persönlich zur Tür. Es ist der Leiterin und ihren Mitarbeitern ein völliges Rätsel, wie jemand auf anderen Wegen ins Haus gekommen sein soll.

Kein Handwerker

Die Heimleiterin hat keinen Zweifel: "Das muss geplant gewesen sein." Zu Weihnachten ist die Verwaltung des Hauses zu, die Mitarbeiter sind im Urlaub. Auch Handwerker sind nicht im Haus. Das ganze Tagesgeschäft sei in dieser Zeit runtergefahren.

Klar dürfte auch sein, dass es mehr als ein Täter war, denn der Sessel wiegt nach Herstellerangaben 70 Kilogramm. "Es muss auch ein Transporter bereitgestanden haben", ist die Heimleiterin überzeugt. Sie vermutet, dass die Täter den alten Ausgang zur Riemenschneiderstraße genutzt haben. Der neue Ausgang führt in den Garten und der ist von sämtlichen Gebäuden sehr gut einsehbar. Allerdings komme es öfter vor, dass Möbelstücke für Bewohner gebracht oder abgeholt werden, sagt Dagmar Schirling. Das wäre also auch nicht so außergewöhnlich gewesen.

Beide Ausgänge können schon aus Gründen des Brandschutzes von innen geöffnet werden. Aber eben nicht von außen. Ob das der Grund ist, dass der Fußhocker übrig geblieben ist, kann auch niemand sagen.

Nachricht hinterlassen 

Für alle im Haus ist es unfassbar: Wer stiehlt einen Massagesessel aus einem Altersheim ? "Diese Dreistigkeit, das kann nicht sein", sagt Dagmar Schirling. "Es ist schließlich für die Bewohner und außerdem war es eine Spende des Helfervereins." Viele Mitglieder haben etwas wirklich Gutes getan mit ihrer Spende, hebt die Heimleiterin hervor. Und dann kommen Diebe und stehlen den Sessel. Sie fordert die Täter auf, den Sessel zurückzubringen. Alternativ könnten sie auch eine Nachricht hinterlassen, wo die Spende des Helfervereins zu finden ist. Die Senioren wollen jedenfalls ihren Massagesessel zurück.

"Das ist ein merkwürdiger Fall", sagt Stefan Haschke , Leiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen , dazu. "Es gibt überhaupt keine Hinweise, die Sache bleibt im Dunkeln." Die Ermittlungen laufen, sagt er. Die Polizeiinspektion bittet in ihrer Pressemitteilung vom Freitag um Hinweise aus der Bevölkerung.

Der Zeitraum des Diebstahls wird zwischen 23. Dezember, 18 Uhr, und 24.Dezember, 12 Uhr, angegeben. "Nach derzeitigem Ermittlungsstand muss für den Abtransport des Sessels ein größerer Pkw oder eine Kleintransporter benutzt worden sein", heißt es im Pressebericht. "

Aufgrund des Gewichts beziehungsweise der Größe des Sessels dürfte es sich zumindest um zwei Täter gehandelt haben." Zeugen, die im oben genannten Tatzeitraum insbesondere Angaben zu einem entsprechenden Fahrzeug oder Angaben zu Personen machen können, welche ein Fahrzeug mit einem Sessel beladen haben, werden gebeten sich mit der Polizeiinspektion Bad Kissingen unter Tel.: 09 71 / 71 490 in Verbindung zu setzen.

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